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28.07.2000 - 

Microsoft und Intel glänzen mit Rekordgewinnen

IT-Giganten stimmen die Wallstreet wieder froh

MÜNCHEN (CW/IDG) - Die zuletzt ausgeprägte Katerstimmung an der Wallstreet ist aufgrund guter Ergebnisse von Apple, Microsoft und Intel einem vorsichtigen Optimismus gewichen. Schon vor gut einer Woche hatte der Portaldienst Yahoo mit seiner jüngsten Quartalsbilanz bewiesen, dass auch Vertreter der New Economy satte Gewinne verbuchen können.

Trotz der auf den ersten Blick guten Zahlen taten sich die Analysten mit einer Einschätzung des Microsoft-Ergebnisses schwer. Der Softwaregigant konnte zwar im vierten Quartal die Gewinnerwartungen der Wallstreet übertreffen - profitierte dabei jedoch vor allem von Kapitaleinnahmen und weniger vom operativen Geschäft. Außerdem stagnierte im Schlussquartal der Umsatz. Nur um 40 Millionen Dollar oder 0,7 Prozent auf 5,80 Milliarden Dollar konnte die Gates-Company hier gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres zulegen. Der Gewinn kletterte um neun Prozent von 2,20 auf 2,41 Milliarden Dollar beziehungsweise 44 (40) Cent je Aktie. Die Prognosen der Analysten hatten sich zuletzt bei 42 Cent je Anteilschein eingependelt.

Rechnet man allerdings die Erlöse aus Firmenbeteiligungen in Höhe von rund 650 Millionen Dollar heraus, bleibt ein durchwachsenes Ergebnis von 1,76 Milliarden Dollar übrig. Die Bilanz, die Microsoft für das am 30. Juni beendete Fiskaljahr 2000 vorlegte, entspricht da schon eher den gewohnten "Maßstäben" der Redmonder: Der Umsatz nahm gegenüber dem Vorjahr um 16 Prozent von 19,75 auf 22,96 Milliarden Dollar zu; beim Nettogewinn konnte ein Plus von 21 Prozent auf 9,42 Milliarden Dollar oder 1,70 Dollar je Aktie verbucht werden.

Einige Experten leiteten aus der Umsatzdelle im vierten Quartal bereits eine stagnierende Entwicklung für das neue Geschäftsjahr ab. Microsoft befinde sich in einer schwierigen Übergangsphase, müsse Teile seines Vertriebs neu organisieren, hieß es. Zudem mache sich das nach wie vor nicht abgeschlossene Kartellverfahren negativ bemerkbar. Auch der vor rund fünf Monaten gestartete Verkauf des Betriebssystems Windows 2000 laufe eher schleppend - eine Interpretation, die Chief Financial Officer (CFO) John Connors zumindest indirekt bestätigte.

Demnach lassen sich einige Großkunden mit der Installation der Software noch Zeit, bis auch die entsprechenden Add-on-Produkte "SQL Server" und "Exchange" verfügbar sind. In einigen Fällen warte man auch ganz bewusst auf das nächste Release von Windows 2000, um etwaige Fehler und Bugs auszuschließen, gab der Microsoft-Manager zu.

Dennoch sei man, mit dem Verkauf des neuen Produkt-Flaggschiffs zufrieden. Man habe im vierten Quartal doppelt so viele Lizenzen wie ein Jahr zuvor vom Windows NT Server 4.0 absetzen können. Genaue Zahlen nannte Connors allerdings nicht. Vergangenen Monat auf der PC Expo in New York hatte Microsoft drei Millionen verkaufte Windows-2000-Lizenzen gemeldet.

Der Microsoft-Finanzchef warnte überdies davor, den hohen Spekulationsgewinnen im vierten Quartal eine zu große Bedeutung beizumessen. Angesichts der "strategischen Bedeutung" von Firmenbeteiligungen (allein im abgelaufenen Geschäftsjahr investierte Microsoft eigenen Angaben zufolge rund 5,4 Milliarden Dollar in 100 Unternehmen) werde man hier auch in Zukunft hohe Erträge erwirtschaften.

Grundsätzlich halte sein Unternehmen an der optimistischen Prognose für das neue Geschäftsjahr fest, betonte Connors. So gehe man unverändert von einer rund 15-prozentigen Umsatzsteigerung aus, der Gewinn je Aktie werde sich auf eine Marke von 1,88 Dollar zubewegen. Rückläufige Einnahmen, etwa im Bereich der "Office"-Produktfamilie, wo offenbar immer weniger Kunden Interesse an aktualisierten Versionen ihrer Textverarbeitungs- und Tabellenkalkulationsprogramme haben, würden durch ein entsprechendes Plus bei Windows 2000 wettgemacht.

Intel: Investmentbank oder operatives Unternehmen?In gewisser Weise ähnlich gelagert wie bei Microsoft ist auch die Situation bei Intel. Der Prozessorgigant konnte für das zweite Quartal eine gegenüber dem Vorjahr 23-prozentige Umsatzsteigerung auf 8,3 Milliarden Dollar melden. Von einer Nachfrageschwäche ist hier also keine Spur. Ganz im Gegenteil: Produktionsengpässe bei so gut wie allen Baugruppen führen teilweise nach wie vor zu Lieferschwierigkeiten, erklärte das Unternehmen. Der Gewinn von Intel verbesserte sich um 79 Prozent auf 3,14 Milliarden Dollar oder 90 Cent je Aktie. Doch auch hier kritisieren Analysten die zunehmende Dominanz von Erlösen aus dem Verkauf von Firmenbeteiligungen, die der Chipschmiede allein im abgelaufenen Quartal rund 2,1 Milliarden Dollar in die Kasse brachten.

Auch Intel-Erzrivale Advanced Micro Devices (AMD) gelang im zweiten Quartal eine Verdoppelung des Umsatzes und eine noch beeindruckendere Verbesserung des Nettogewinns. Die Kalifornier weisen gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal von 595,1 Millionen auf 1,17 Milliarden Dollar gestiegene Einnahmen aus. Der Profit nach Steuern erhöhte sich von 79,9 auf 207,1 Millionen Dollar.

An der Wallstreet sorgten die Bilanzen der genannten Firmen für verhaltenen Optimismus - auch wenn sich dies nicht gleich in steigenden Aktienkursen niederschlug. Zumindest in der traditionellen IT-Branche steckt noch Wachstums- und vor allem Gewinnpotenzial, hieß es. Mit zum Stimmungsumschwung beigetragen hatte auch das aktuelle Ergebnis von Apple.

Auch die Apple-Bilanz gestaltete sich positivDie Macintosh-Company meldete einen operativen Gewinn nach Steuern von 163 Millionen Dollar oder 45 Cent je Aktie. Nicht ganz zufrieden waren die Investoren allerdings mit der Umsatzentwicklung, wo mit einem 17-prozentigen Zuwachs auf 1,82 Milliarden Dollar die Prognosen (1,9 Milliarden Dollar) nicht ganz erfüllt werden konnten.

Mit einem überraschend guten Ergebnis im zweiten Quartal hatte schon vor gut einer Woche der Portaldienst Yahoo zumindest für ein Zwischenhoch der US-Internet-Branche gesorgt. Die Bilanz des Unternehmens war mit Spannung erwartet worden, galten die Zahlen doch als eine Art Grundsatzentscheidung über die Erfolgsaussichten werbefinanzierter Auftritte im Internet. Ein Nettogewinn in Höhe von 65,5 Millionen Dollar beziehungsweise elf Cent je Aktie stellte dann die ohnehin hochgeschraubten Erwartungen der Analysten noch in den Schatten. Gleiches gilt für den Umsatz, der im Vorjahresvergleich um 110 Prozent von 128,6 auf 270,1 Millionen Dollar gesteigert werden konnte.

Wenn auch das inzwischen seit einem Jahr profitabel arbeitende Web-Portal einen gravierenden Einbruch hinnehmen müsse, sei dieses Geschäftsmodell so gut wie gescheitert, hatte es im Vorfeld geheißen. Die Befürchtungen der Wallstreet waren noch durch offenkundige finanzielle Schwierigkeiten zahlreicher US-amerikanischer Internet-Händler verstärkt worden, die bisher nicht unwesentlich zu den Werbeeinnahmen von Yahoo und damit zu mehr als zwei Dritteln des Umsatzes beigetragen hatten.

Abb: Wachstum ohne Ende? Die meisten IT-Firmen trotzten der Krisenstimmung mit Umsatz- und Gewinnzuwächsen. Quelle: Firmenangaben