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27.02.2004 - 

Interner Betrieb überarbeitet, aber kein Erfolg im Drittmarkt

IT GmbHs stehen vor ungewisser Zukunft

MÜNCHEN (jha) - Viele IT-Ausgründungen stehen am Scheideweg. Sie haben den IT-Betrieb professionalisiert und marktgängige Preise eingeführt, aber kaum Erfolg am Drittmarkt verzeichnet. Nun denken die Muttergesellschaften über ihren Verkauf und Outsourcing an große IT-Dienstleister nach.

Im November letzten Jahres unterschrieb die Helvetia Versicherung einen Vertrag über das Outsourcing von Mainframe-Betrieb sowie Teilen der Netz- und Client-Server-Infrastruktur mit dem IT-Dienstleister Triaton. Eigentlich wäre dieses Projekt nur eine Randnotiz in dem stark wachsenden Outsourcing-Geschäft, doch ungewöhnlich wurde das Vorhaben dadurch, dass der künftige Servicepartner als unsichere Adresse im Servicemarkt gilt: Der Thyssen-Krupp-Konzern verkündete bereits im Juni 2003, dass er sich von seiner IT-Tochter Triaton trennen wird.

Ausverkauf der IT-Töchter

"Die Triaton-Verantwortlichen haben uns sehr früh und offen über den bevorstehenden Weg informiert", erläutert Ingo Reiss, Mitglied der Geschäftsleitung bei der Helvetia Schweizerische Versicherungsgesellschaft Direktion Deutschland in Frankfurt. "Wir haben daraufhin einige Wochen nachgedacht und die Risiken gründlich abgewogen. Letztlich haben wir zusammen mit den Kollegen in der deutschen Geschäftsleitung eine einmütige Entscheidung getroffen."

Triaton ist im Markt für IT-Ausgründungen kein Einzelfall: Verkauft wurden bereits Rheinmetall Informationssysteme an IBM, Dräger Information Technologies an Cap Gemini Ernst & Young sowie Vorwerks IT-Tochter Zeda an T-Systems. Die West LB Systems hat einen Teil ihrer Arbeiten an T-Systems ausgelagert. Die IT-Servicehäuser der Genossenschaftsbanken RBG und Fiducia fusionierten. Vodafone IS reduzierte seine Belegschaft von 1100 auf 400 Mitarbeiter. Hinter der Zukunft von RAG Informatik und der Degussa-Tocher Its.on steht seit der beschlossenen Übernahme von Degussa durch den RAG-Konzern ein Fragezeichen. Last, but not least keimen immer wieder Gerüchte über einen möglichen Verkauf des Quelle-Karstadt-IT-Dienstleisters Itellium auf.

Dabei ist es keineswegs so, dass die ausgegründeten IT-Abteilungen keinen Erfolg gehabt hätten. Sie haben die Konzepte der am freien Markt aktiven IT-Dienstleister kopiert und den internen Betrieb professionalisiert, ihr Portfolio bereinigt, die Transparenz und Qualität verbessert und marktgängige Preise eingeführt. Das Drittmarktgeschäft wurde jedoch meistens nur zögerlich angegangen, nach dem Motto: Wir nehmen, was ohne Vertriebsaufwand reinkommt. "Die Tendenz, die IT GmbHs zu verkaufen, würde ich nicht als Abkehr vom Konzept der IT-Ausgründung verstehen, sondern als ganz normale Entwicklung", meint Andreas Rüter, Vice President beim Beratungshaus Booz Allen Hamilton in München. "Die Gesellschafter stellen sich nun die Frage: Was mache ich mit diesem Unternehmen?"

Unter besonderer Beobachtung stehen dabei die Töchter, die vormals ehrgeizige Ziele im Drittmarktgeschäft verfolgten. Sie haben nicht nur das Ziel verfehlt, externe Kunden zu gewinnen, sondern oft auch den wichtigsten Abnehmer ihrer Leistungen, die Muttergesllschaften, vergrault. "Die Topleute der IT-Ausgründungen haben sich mit großen Ambitionen auf das neue Geschäftsfeld konzentriert, die anderen Mitarbeiter haben die Services für die Fachabteilungen der Mutter weitergeführt", berichtet Ingo Marjan, Vorstand der SMP AG aus Düsseldorf. "Oftmals hat die Qualität der Leistungen gelitten und der interne Kunde wurde unzufrieden", sagte der SMP-Manager, der 72 IT-Ausgründungen im Rahmen einer Studie genauer unter die Lupe genommen hat.

Zurück zur Mutter

In der Umfrage, die jährlich wiederholt wird, haben die Berater von SMP festgestellt, dass sich die IT-Töchter nun wieder verstärkt ihren Müttern widmen. In der Tat ist der Handlungsbedard groß: Externe Dienstleister wie IBM Global Services, T-Systems, EDS oder CSC umwerben die deutschen Großkonzerne heftig mit Outsourcing-Offerten und treffen dabei auf interessierte Manager.

Höchste Priorität räumen die befragten Entscheider in den IT-Ausgründungen der Kundenpflege in den konzerneigenen Fachabteilungen ein. "Bei den externen Kunden hat man es nicht geschafft, sich mit hochwertigen Diensten zu verankern", erläutert Marjan. "Nun hoffen die Ausgründungen trotz sinkender IT-Budgets auf steigenden Umsatz mit der Mutter, indem sie mehr Aufgaben übernehmen."

Die IT GmbHs agieren aus der Not heraus, denn sie haben - unabhängig davon ob sie mit oder ohne Drittmarktambitionen unterwegs waren - Federn lassen müssen. Viele von ihnen waren mit dem Sprung ins kalte Wasser überfordert. Weil die Mütter ihre IT-Budgets reduziert und Investitionen gestoppt haben, kam es zu sinkenden Einnahmen und Überkapazitäten. Die IT-Ausgründungen wurden gezwungen, im großen Stil Personal abzubauen. "Die Ausgründung war ursprünglich nicht als Vehikel geplant, Mitarbeiter abzubauen", erklärt Rüter, "aber es hat sich in vielen Fällen als einfacher erwiesen."

SMP-Manager Marjan glaubt allerdings nicht daran, dass der Strategie, mehr Umsatz mit der Mutter zu erzielen, Erfolg beschieden sein wird. Er verweist auf Statistiken in den angelsächsischen Ländern, in denen sich IT-Trend oft früher erkennen lassen. In den USA und Großbritannien fließen nur noch sechs Prozent der gesamten IT-Budgets in interne IT-Abteilungen oder Konzerntöchter, in Deutschland sind es 16 Prozent. "Es gibt eine logische Entwicklung: Man hat sich im Drittmarktgeschäft versucht, war erfolglos und besinnt sich nun auf den internen Kunden. Die nächste Konsequenz wird das Outsourcing sein, entweder vollständig oder selektiv", meint Marjan

In der Tat lagern mehr und mehr Firmen ihre IT-Abteilungen aus. Das ist jedoch nicht die einzige Möglichkeit. "Manche Unternehmen fordern von ihrem eigenen IT-Dienstleister, noch schlanker und effizienter zu werden und sich nur noch auf den Mutterkonzern zu konzentrieren", erläutert Rüter. "Andere denken: Die IT-Tochter hat sich gut entwickelt. Ich gebe ihr weitere zwei Jahre, vielleicht erziele ich dann einen höheren Preis."

Das Thyssen-Krupp-Management will seine IT-Tochter Triaton an einen großen IT-Dienstleister verkaufen. Leidtragende sind vor allem die mittelständischen Kunden, die sich bewusst für Triaton als ähnlich großen Anbieter entschieden haben. "Mit knapp 500 Millionen Euro Prämieneinnahmen und rund 840 Mitarbeitern sind wir ein mittelgroßes Versicherungshaus", bestätigt Helvetia-Manager Reiss. "Mit Triaton konnten wir auf Augenhöhe verhandeln."

Anbieter teilt das Risiko

Die Helvetia ist kein Neuling im Outsourcing-Geschäft, bereits 1997 unterschrieb das Haus einen Betreibervertrag mit einem großen IT-Dienstleister. Innerhalb von nur drei Monaten, und damit zwei Monate schneller als geplant, wurde der Wechsel abgeschlossen. Der reibungslose Übergang ist nicht zuletzt der Strategie der Helvetia geschuldet, Mitarbeiter mit wichtigem IT-Know-how ans eigene Haus zu binden. "Der IT-Betrieb ist ein kritischer Unternehmensprozess, wir brauchen daher den tief gehenden Sachverstand unseres Kernteams", erläuterte Torsten Müller, verantwortlich für den Informatikbetrieb und das Outsourcing-Projekt bei der Helvetia.

Doch um diesen Neukunden zu gewinnen, musste die Thyssen-Krupp-Tochter der Helvetia in vielen Bereichen entgegenkommen. "Wir haben bei Triaton bessere Wirtschaftlichkeit, höhere Flexibilität und eine größere Bereitschaft gefunden, sich auf die Eigenheiten unseres Kerngeschäfts einzulassen", schildert Reiss. Im Klartext heißt das: Triaton geht ins Risiko. Belasten große oder gehäufte Schadensfälle die Bilanz der Assekuranz, muss auch der IT-Dienstleister mit weniger Einnahmen rechnen. Dennoch wird Triaton in diesen Zeiten mehr leisten müssen, denn die Schadensfälle wollen bearbeitet werden. "Es spricht für Triaton, einem solchen innovativen Konzept gegenüber offen zu sein", lobte Reiss.

Zudem ergab eine Simulationsrechnung eine Kostenexplosion bei den On-Demand-Angeboten der großen IT-Dienstleister - das Risiko des Eigentümerwechsels bei Triaton erschien den Helvetia-Verantwortlichen ungleich geringer als die wirtschaftlichen Unwägbarkeiten der Standardangebote der anderen Outsourcer. "Wir haben verschiedene Szenarien durchgespielt", erklärte Müller, "etwa wenn Triaton vom dem Service-Provider gekauft wird, bei dem wir vorher waren. Wir sind aber sicher, dass der neue Anteilseigner unseren Verrtrag mit den für uns wichtigen Regelungen hinsichtlich der Leistungserbingung erfüllen muss." Und der allerletzte Ausweg, ein Provider-Wechsel, bleibt der Helvetia weiterhin offen. Dass er ohne nennenswerte Risiken und Schwierigkeiten zu beschreiten ist, hat das Unternehmen bereits gezeigt.

Abhängig vom Netzwerk der Mutter

Unter den deutschen IT-Ausgründungen haben sich T-Systems (knapp 30 Prozent des Umsatzes mit der Telekom) und Siemens Business Services (24 Prozent vom Umsatz mit Siemens) am erfolgreichsten aus der Abhängigkeit vom Mutterkonzern gelöst. Alle anderen sind im erheblichen Maße auf die Mutter angewiesen. Lufthansa Systems und die Volkswagen-Tochter Gedas erzielen immerhin knapp 30 Prozent des Umsatzes am Drittmarkt. Lufthansa Systems profitiert von den Verflechtungen der Star Alliance, Gedas vom VW-Zuliefernetz.

Ähnliches gilt für die Töchter der großen Energieversorger. Gute Kunden der Eon-Tochter IS Energy sowie von Vattenfall Europe Information Services und RWE Systems sind beispielsweise viele Stadtwerke, an denen die Energieversorger Anteile halten oder mit denen Durchleitungsverträge bestehen.

Häuser wie BASF IT Services und Bayer Business Services sind noch zu neu im Geschäft, als dass sich über ihre Erfolge schon urteilen ließe. Die im Drittmarkt erzielten Einnahmen dieser Anbieter liegen im einstelligen Prozentbereich. Die BASF-Tochter konzentriert sich auf IT-Services und hat den Willen und die Mittel für Akquisitionen. Das Portfolio von Bayer Business Services gleicht einem Bauchladen. Neben IT betreibt der Anbieter Personalabrechnungen, Kantinen und einen Fuhrpark.

Abb: Doppelspitze: T-Systems und SBS sind eine Klasse für sich

Die ausgegründeten IT-Abteilungen deutscher Konzerne sind gemessen am Umsatz große IT-Dienstleister. Die meisten hängen aber am Tropf des IT-Budgets der Muttergesellschaft. Quelle: SMP-Research