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24.10.2003 - 

Telecom World: Alles dreht sich um Mobilkommunikation

IT-Hersteller drängen ins Wireless-Geschäft

GENF (hi) - Wireless-Geräte waren das beherrschende Thema der diesjährigen ITU Telecom World in Genf, der im Vierjahresrhythmus stattfindenden Leistungsschau der ITK-Industrie. Kaum ein Aussteller, der hierzu nicht neue Handys, PDAs oder Ideen zur Inhaltsverteilung präsentierte.

Lag der Fokus der letzten ITU Telecom World 1999 noch auf der Frage, wie der Anwender am besten einen breitbandigen Zugang zum globalen Netz bekommt, stand die Messe dieses Mal im Zeichen der mobilen Kommunikation: Wie sehen die Endgeräte aus? Setzen sich WLANs oder die Mobilfunknetze der dritten Generation als Transportmedium durch? Auf welche Weise erreichen den mobilen Nutzer die Daten?

Fragen, an deren Beantwortung sich auf der Genfer Messe die Geister schnell schieden. Zwar sieht die Branche, wie es beispielsweise Nick Jones, Research Vice President bei Gartner, formulierte, "mit den mobilen Endgeräten und der drahtlosen Kommunikation die radikalste Änderung der Informationssammlung und -verbreitung innerhalb eines Jahrzehnts auf die Industrie zukommen" - doch bereits bei der Definition der Endgeräte hört die Gemeinsamkeit auf.

Endgeräte mutieren zu Alleskönnern

Die Umwälzung erschließt sich erst auf den zweiten Blick. Oberflächlich unterschieden sich nämlich die in Genf präsentierten PDAs und Handys nur unwesentlich von ihren Vorgängern. So präsentierte Hewlett-Packard mit den Pocket PCs "4150" sowie "4350" zwei Minicomputer, die serienmäßig mit Bluetooth- und WLAN-Unterstützung aufwarten. Diese Funktionen konnte der Anwender aber schon nutzen, wenn er entsprechende Zusatzkarten erwarb. Dass die neue Generation der Kleinstcomputer jedoch mehr als die persönlichen Planungs-Tools der Vergangenheit umfasst, erfährt der potenzielle Benutzer erst zwischen den Zeilen, wenn HP etwa die Eignung seiner Geräte für Voice over IP (VoIP) bewirbt. Mit Hilfe von Zusatzsoftware mutiert der PDA zum Telefon und wird so zum Konkurrenten der Smartphones.

Diese entwickeln sich nämlich immer mehr zum multifunktionalen Tool, bei dem Kalenderfunktion, Internet-Browser sowie eingebaute Kamera mittlerweile zum Standard gehören. Während die europäischen Hersteller hier noch an der Integration von Ein-bis-Zwei-Megapixel-Kameras arbeiten, tüftelt die asiatische Konkurrenz bereits an Modellen mit einer Auflösung von drei bis vier Megapixeln. Die Handy-Kameras nehmen, wie die südkoreanische LG-Electronics demonstrierte, nicht nur Fotos für das Multimedia Messaging (MMS) auf, sondern bieten in den Mobilfunknetzen der dritten Generation bereits die Möglichkeit zu Videokonferenzen mit hochauflösenden Bildern. Sollten dann noch, wie verschiedentlich zu hören war, Schnittstellen für PC-Monitore oder Beamer im Handy Einzug halten, wären die Mobiltelefone eventuell eine Konkurrenz für klassische Konferenzsysteme.

Zwischen den Anbietern der bunten Benutzeroberflächen tobt, für den Benutzer nicht offensichtlich, zudem eine heftige Auseinandersetzung über Betriebssysteme und Plattformen für die Inhaltsverteilung (Content Delivery). So unternahm Microsoft auf der Telecom gemeinsam mit dem Mobilfunkbetreiber Orange einen erneuten Anlauf in Richtung Smartphones: Das Handy "SPV 200E" verwendet nun Windows Mobile 2003 als Softwareplattform. Neben Microsoft, Symbian und Palmsource versucht sich mittlerweile mit Qualcomm ein vierter Player als Betriebssystem-Lieferant zu etablieren.

Die Amerikaner, bisher hauptsächlich als Hersteller von CDMA-Chipsätzen bekannt, propagierten mit dem "Binary Runtime Environment for Wireless" (Brew) eine eigene Plattform für intelligente Mobiltelefone. Während Qualcomm selbst Brew eher verschämt als Hardware Abstraction Layer (HAL) oder Application Programming Interface (API) bezeichnet, sehen Branchenkenner darin durchaus ein Betriebssystem und werten die Aktivitäten des Herstellers als Angriff auf Symbian und Co.

Mit Softwaremodulen zum flexiblen Handy

Hinter Brew verbirgt sich die Idee, nicht mehr von vornherein alle Funktionen in ein Handy zu packen, sondern diese in Form von Softwaremodulen zum Download bereitzustellen. Laut Irwin Jacobs, Chairman und CEO von Qualcomm, eröffnet dies Carriern die Möglichkeit, die Benutzeroberfläche ihrer subventionierten Handys mit einer Art Corporate Identity zu versehen oder mit zusätzlichen, herunterladbaren Features mehr Umsatz zu generieren. Denkbar sind aber etwa auch ortsbezogene Services wie sie die Pariser Webraska Mobile Technologies in Verbindung mit GPS-Handys entwickelt hat.

Qualcomms Konzept der bei Bedarf abzurufenden Softwaremodule erinnert sehr an den Java-Ansatz von Sun. Auch dieser IT-Konzern versucht, im lukrativen Mobilfunkmarkt Fuß zu fassen. Mit dem "Java Mobility Advantage Program" unterstützt Sun künftig Programmierer von Carriern und Content-Anbieter bei der Entwicklung von Java-basierenden mobilen Services. Ferner gründete Sun mit Partnern wie etwa Lucent die "iForce Solution for Telecommunications Service Delivery". Hierunter versteht das Unternehmen Kombinationslösungen aus Hardware und Software, die es Mobilfunkbetreibern erlauben, neue Datendienste zu erstellen und zu managen. Einen ersten Eindruck, wohin diese Reise gehen könnte, vermittelt der "Sun One Content Delivery Server". Diese Softwareplattform, die auf Technik der im Juni aufgekauften Pixo Inc. zurückgeht, soll die Verteilung von Anwendungen und Inhalten an mobile Endgeräte erleichtern.

Brückenschlag im Backend

Konkurrent Microsoft sucht dagegen im Backend-Bereich den Schulterschluss mit Vodafone. Beide Partner wollen eine Brücke zwischen der PC-Welt und den mobilen Devices schlagen. Dreh- und Angelpunkt sind dabei für Bill Gates Web-Services, die in der Extensible Markup Language (XML) geschrieben sind. Die zwei Anbieter räumen jedoch ein, dass hierfür noch etliche Spezifikationen zu definieren sind, und rechnen erst in einem Jahr mit ersten Ergebnissen. Eine vorläufige Roadmap, wie der Weg in Richtung "Mobile Web Services" aussehen könnte, will Microsoft gegen Ende Oktober auf der "Professional Developer Conference" (PDC) in Los Angeles präsentieren.

Alle diese Ansätze können jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie dem IT-Entscheider keine eindeutige Antwort auf die Frage liefern, wie seine mobilen Anwender Zugriff auf die Unternehmensapplikationen erhalten. Benötigt er noch die mobile Gateways, wie sie im Zuge des M-Commerce-Hype vor zwei bis drei Jahren propagiert wurden? Wahrscheinlicher scheint, dass Anwender auf dem mobilen Endgerät Frontends in Form von Java- und Pocket-PC-Applikationen erhalten und die Daten über offene Formate wie XML transferieren.

Für diese These spricht zudem, dass die verfügbare Bandbreite bald kein Nadelöhr mehr darstellen dürfte. So arbeitet Qualcomm an Chipsätzen, die in den 3G-Netzen eine symmetrische Datenübertragung erlauben. Bislang bildete nämlich selbst bei den 3G-Handys und -Modems der schmalbandige Datentransport vom Anwender in das Netz einen Engpass.

Bald Bandbreite satt?

Mit den Neuentwicklungen, so Jeffrey Belk, Vice President bei Qualcomm, könne der Anwender auch unterwegs an die Unternehmensanwendungen angebunden werden. Im gleichen Atemzug warnt Belk jedoch vor überzogenen Erwartungen: "Selbst wenn es demnächst Chipsätze gibt, welche die ursprünglich für UMTS versprochenen 2 Mbit/s schaffen, werden in der Praxis in einer ausgelasteten Funkzelle lediglich Transferraten von einigen hundert Kbit/s erreicht".

Die verfügbare Bandbreite im mobilen Netz ist bei der Anbindung der Endgeräte an die Unternehmens-DV nur die halbe Miete. Viele Session-basierte Host-Applikationen brauchen schließlich garantierte Antwortzeiten und stellen entsprechende Anforderungen an die Quality of Services (QoS). Ein Thema, das im Wireless-Bereich lange vernachlässigt wurde. Langsam nimmt die Branche auch diese Problematik in Angriff. Firmen wie die Gigastream GmbH aus Saarbrücken präsentierten hierzu auf der Telecom World Switches, die nicht nur die verschiedenen Übertragungswege wie UMTS, WLAN und GPRS in einer Plattform integrieren und ein intelligentes Roaming ermöglichen, sondern auch die Sprach- und Datenpfade verwalten, um die QoS sicherzustellen.

Selbst wenn die Mobilfunker die genannten Schwierigkeiten lösen, bleibt die Frage offen, ob sich die Handy-Netze der dritten Generation wirklich als Medium zum Zugriff auf Unternehmensdaten durchsetzen, oder ob ihnen nicht die Wireless LANs in Form von Hotspots den Rang ablaufen. Janusz Filipiak, CEO der Comarch Software AG in Frankfurt am Main, einem Anbieter von Abrechnungssystemen und Netz-Management-Lösungen für Carrier und Mobilfunkbetreiber, zeigt sich zwar überzeugt, dass die Wifi-Hotspots nur ein kurzes Strohfeuer sind. Sie verschwinden wieder vom Markt, so die Begründung des Managers, wenn die Mobilfunker den Geschäftskunden mit auf die Datenkommunikation zugeschnittenen Tarifmodellen entgegenkommen.

Glaubt man jedoch Arun Sarin, bleibt Filipiaks Vorstellung vorerst ein frommer Wunsch. Der CEO der Vodafone-Gruppe geht nämlich davon aus, dass Endgeräte für die 3G-Netze erst im September oder Oktober 2004 in großen Stückzahlen verfügbar sind. Zudem müssten bis dahin noch mehr oder weniger kleine Interoperabilitätsprobleme zwischen den heutigen GSM-Netzen und der neuen Generation gelöst werden.

Angesichts solcher vorsichtigen Prognosen aus dem Mobilfunklager rührten die Hotspot-Protagonisten in Genf mächtig die Werbetrommel. Große Carrier wie etwa Swisscomm oder Telecom Italia arbeiten mit Hochdruck an der Installation entsprechender Zugangsknoten. Zudem schließen immer mehr Hotspot-Betreiber untereinander Roaming-Abkommen, um ihren Benutzern einen weltweiten WLAN-Zugang zu offerieren. So können etwa Kunden des US-amerikanischen Hotspot-Anbieters Boingo mittlerweile weltweit in über 5000 Lokationen online gehen, und die österreichische Metronet will bis zum Jahresende ihr Angebot auf 2000 Hotspots erweitern.