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24.11.1995

IT im Gesundheitswesen/Anwendungen im Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen Auf hinreichend ausgefeilte Systeme kann man nicht warten

Vielfaeltige Arbeitsfelder beackert das Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen mit einem modularen Softwareset. Sandra Neugebauer* schildert die staendig wachsenden und sich veraendernden Anforderungen auf dem Weg zu einem integrierten Krankenhaus- Informations- und Kommunikationssystem.

Das Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen (NRW) in Bad Oeynhausen ist eines der modernsten Klinikzentren in Deutschland. Die Gesellschaft wurde 1980 gegruendet, im November 1984 wurde der Klinikbetrieb aufgenommen. Heute beschaeftigt das 420-Betten-Haus ueber 1300 Mitarbeiter. Die durchschnittliche Verweildauer liegt zwischen elf Tagen in der Kardiochirugie und 18 Tagen in der Diabetesklinik.

Da es sich um ein Spezialklinikum handelt, erstreckt sich das Einzugsgebiet ueber die gesamte Bundesrepublik. Mit ueber 500 Herztransplantationen in 54 Monaten ist das Herz- und Diabeteszentrum NRW heute fuehrend in Europa. Weitere Spezialkliniken und -institute wie die Kardiologische Klinik und die Klinik fuer Thorax- und Kardiovaskular-Chirurgie gehoeren inzwischen zum Zentrum.

Die DV wird unter diesen Umstaenden immer mehr zu einem zentralen und unverzichtbaren Element der Organisation. Vor dem Hintergrund heutiger Herausforderungen wie den Vorgaben aus dem Gesundheitsstrukturgesetz und der Verpflichtung zur medizinischen Qualitaetssicherung versucht das Herzzentrum, schrittweise ein integriertes Krankenhaus-Informations- und Kommunikations-System aufzubauen, das neben den Verwaltungsaufgaben auch die medizinischen und pflegerischen Belange unterstuetzt.

Seit der Gruendung des Herz- und Diabeteszentrums NRW gibt es ein internes Rechenzentrum, das sich um die DV kuemmert. Im November 1984 wurde mit einem IBM-Grossrechner 4361 und Software fuer die Patientenverwaltung, Finanz- und Anlagenbuchhaltung gestartet.

AS/400 als Allround-Maschine

Bereits seit 1982 setzte die Zentralapotheke, die auch mehrere umliegende Krankenhaeuser betreut, fuer die Materialwirtschaft Programme von dem Bremer Software- und Beratungshaus Boss auf einem System/34 von IBM ein.

1990 beschloss das Herz- und Diabeteszentrum, die Systeme 4361 und /34 abzuloesen, um einerseits die Wartungskosten zu reduzieren und andererseits das Anwendungsspektrum zu erweitern. Die Bad Oeynhausener wollten eine dialogorientierte Software sowie weitere Programme wie beispielsweise Kostenrechnung und Materialwirtschaft einsetzen.

Nach Vergleich und Bewertung verschiedener Anbieter, Softwareprodukte und Rechner fiel die Entscheidung fuer das integrierte Krankenhaus-Informations-System KIS des Bremer Beratungsunternehmens. KIS besteht aus 16 Modulen, die sukzessive eingesetzt werden koennen. Ab Sommer 1991 wurden auf einer IBM AS/400 zunaechst die Programme Finanzbuchhaltung, Materialwirtschaft, Kostenrechnung und Anlagenbuchhaltung eingefuehrt.

1992 wurde die Abteilung "Medizinische Informatik" ins Leben gerufen, um dem enormen Bedarf an Informations- und Kommunikationsloesungen im klinischen Bereich Rechnung zu tragen. Anfang 1993 kamen die stationaere und die ambulante Patientenverwaltung hinzu. Ein bis dato genutztes, PC-gestuetztes Abrechnungssystem wurde dabei abgeloest. Alle Patientendaten, die seit Bestehen des Herz- und Diabeteszentrums gespeichert wurden, wurden auf das neue System uebernommen. Allein 1993 hatte man ueber 24000 stationaere und ambulante Patientenfaelle zu verzeichnen.

Mit der ambulanten Patientenverwaltung werden Ambulanzrechnung und organisatorische Belange unterstuetzt. Dazu zaehlen beispielsweise die Patientenaufnahme, die Sachkostenabrechnung des Hauses gegenueber dem Chefarzt und die Quartalsabrechnung an die Krankenkassen per Datentraegeraustausch. Die stationaere Patientenverwaltung bietet verschiedene Funktionen wie Aufnahme, Verlegung und Entlassung von Patienten, Auffinden von Wiederkehrern, Erstellung von Formularen und Etikettsaetzen. Der Krankenhausleitung wird unter anderem ein Ueberblick ueber die derzeitige Belegung und Gesamtauslastung des Krankenhauses mit entsprechenden Vorjahresvergleichen ermoeglicht.

In dem Krankenhaus-Rechenzentrum ist heute eine AS/400, Modell E45, mit 40 MB Hauptspeicher- und 11 GB gespiegeltem Plattenspeicher (physikalisch 22 GB) mit dem Betriebssystem OS/400 im Einsatz. Neben 25 Bildschirmen sind ueber 40 PCs und Macintosh- Rechner ueber PC-Support/SNA an das System angeschlossen. Und es kommen staendig weitere hinzu.

Man muss sich auf einen Mix von Produkten einlassen

Ueber ISDN ist die Auguste-Victoria- Klinik in Bad Oeynhausen angebunden und nutzt ebenfalls die KIS-Module. Via X.25-Gateway ist das Hausnetz mit dem externen Rechenzentrum ROKD in Bielefeld verknuepft. Dort wird das Personalwesen des Herz- und Diabeteszentrums betreut.

"Bei der Software, die heute fuer klinische Anwendungen angeboten wird, handelt es sich oft um Inselloesungen. Diese werden weder dem Anspruch der Integrierbarkeit noch dem der Parametrierbarkeit fuer die Erfordernisse eines Spezialklinikums gerecht", erklaert Dirk Kraus, Leiter des Bereiches Krankenhausinformatik, der die Abteilung Medizinische Informatik und das Rechenzentrum zusammenfasst. "Es waere unsinnig, darauf zu warten, dass ein hinreichend ausgefeiltes System eines Anbieters mit Unterstuetzung nicht nur der administrativen Belange, sondern auch etwa unserer Herzkatheterlabore und der herzchirurgischen OP-Saele auf den Markt kommt. Man muss sich daher auf einen Mix von zu integrierenden Fremdprodukten und Eigen- oder Auftragsentwicklungen einlassen."

So entwickelte man beispielsweise in Bad Oeynhausen eine Anwendung fuer die kardiologische Funktionsdiagnostik, die EKGs, Herzschallschreibung und Ultraschalldarstellung des Herzens umfasst. Die Anwendung, die auf Apple-Macintosh-Rechnern laeuft, greift auf die Stammdaten auf der AS/400 zu und stellt die Befundtexte fuer die Uebernahme in Arztbriefe unter MS-Word 6.0 zur Verfuegung.

Voraussetzung fuer eine derartige Loesung ist ein gut ausgebautes Netzwerk. Es existiert ein Glasfaser-Backbone in Ringtopologie. Von insgesamt zehn Verteilerstandorten aus erfolgt sternfoermig die flaechendeckende Verkabelung bis zur Wandsteckdose. Eine heterogene Bridge sorgt fuer die Verbindung von Token Ring und Ethernet.

In Bad Oeynhausen funktioniert die Koexistenz der Systemwelten DOS/Windows, OS/2, Macintosh OS, Unix und OS/400 mit den Netzwerkprotokollen IPX/SPX, Netbios/Netbeui, Appletalk, TCP/IP und SNA problemlos. Derzeit wird ausserdem ein Internet-Gateway installiert.

Seit Mitte 1994 ist das Modul Stationskommunikation realisiert. Hiermit koennen patientenbezogene Informationen direkt am Entstehungsort auf der Station verwaltet werden. Das Stationspersonal kann sowohl die Informationen zur allgemeinen Patientenpflege als auch die Kommunikation mit anderen medizinischen Bereichen und der Verwaltung bearbeiten.

Die Wartezeiten fuer Patienten werden kuerzer

Die im System gespeicherten Patientenbefunde koennen direkt online am Bildschirm angezeigt werden. Dadurch werden Informationen schneller und sicherer. Das Pflegepersonal kann Auftraege an Funktionsabteilungen vergeben, die dann dort mit Terminen versehen und der Station zurueckgemeldet werden. Ein Ueberblick ueber die Termine aller Patienten einer Station vermeidet Terminueberschneidungen. Die Wartezeiten fuer Patienten sinken.

In der Einfuehrung befindet sich ein KIS-Modul fuer die Leistungserfassung in Bereichen wie Radiologie oder Nuklearmedizin. Fuer Abteilungen, die bereits mit Abteilungssystemen arbeiten wie etwa das Labor und die Gastroenterologie, steht die automatische Uebermittlung der Leistungsdaten noch aus. Letzteres gilt auch fuer eine selbstentwickelte OP-Planung und -Dokumentation.

Der Aufbau und die staendige Erweiterung des Gesamtsystems ging und geht mit allerhand Geburtswehen einher. Schliesslich bedeutet auch die Integration von Systemen verschiedener Hersteller bei nicht immer klarer Aufgabenzuordnung oft ein zaehes Ringen der Beteiligten.

*Sandra Neugebauer ist freie Autorin in Witzhave bei Hamburg.