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24.11.1995

IT im Gesundheitswesen/Patienten-Management unter R/3 noch im Probebetrieb Die Bruecke schlagen zwischen Medizin und Administration

Von Robert Harnischmacher*

Von SAPs R/2 zu R/3 zu migrieren ist im Grossklinikum Heidelberg der entscheidende Schritt, um die Verwaltung mit dem medizinischen Sektor zu verbinden. Federfuehrend fuer die vier Baden- Wuerttembergischen Universitaetskrankenhaeuser fahren die Heidelberger das Pilotprojekt auf der Basis von Unix-Systemen von Sun Microsystems.

Mit 14 Fachkliniken und insgesamt 1750 Planbetten bietet das Grossklinikum der Heidelberger Ruprecht-Karls-Universitaet medizinische Betreuung in saemtlichen aerztlichen Disziplinen. Die grosse Bandbreite der diagnostischen und operativen Leistungen sowie die vielfaeltigen Aufgaben des Klinikums - von der Patientenversorgung ueber die Lehre bis hin zur Forschung - fuehrt zu komplexen Kalkulations- und Abrechnungsverfahren, die betriebswirtschaftlich abgebildet werden muessen.

Die bisherigen Rahmenbedingungen erlaubten es, dass die Verwaltung absolut unabhaengig vom medizinischen Bereich arbeitete. Sie erhielt Auszuege aus Patientenakten und erstellte daraus die Rechnung an die Kostentraeger, erklaert Klaus Staab, Rechenzentrumsleiter des Universitaetsklinikums Heidelberg. "Heute muss aufgrund der Kostensicherung beispielsweise auch an die Krankenkasse gemeldet werden, welche Diagnose gestellt wurde.

Zirka sechs Millionen medizinische Leistungen

Fuer ein wirtschaftliches Verfahren ist es daher absolut notwendig, dass die administrative Abteilung eng mit der medizinischen verknuepft wird, damit Leistungsdaten aus dem Medizinbereich der Administration direkt in vernuenftiger und verwendbarer Form fuer ihre Kostenrechnungen zur Verfuegung stehen. Ziel ist, aus der medizinischen Dokumentation zukuenftig praezise Leistungsdaten fuer die Kostenrechnung und -planung sowie fuer die Buchhaltung zu gewinnen."

Die geaenderten Rahmenbedingungen des Gesundheitswesens stellen somit den gesamten Pflegebereich vor neue Herausforderungen. Die unterschiedlichen Kostensaetze bringen es nun mit sich, dass fuer jeden Bereich nicht nur die genauen Kosten, sondern auch die Erloese feststellbar sein muessen.

Pro Jahr werden in Heidelberg 50000 Patienten stationaer und weitere 200000 ambulant behandelt. Man kann davon ausgehen, dass insgesamt zirka sechs Millionen medizinische Leistungen pro Jahr fuer die Patienten erbracht werden. Bei entsprechend akribischer Berichtspflicht kann unter diesen Umstaenden der Verwaltungsaufwand der Klinik in unermessliche Hoehen wachsen. Ziel muss es statt dessen sein, die Planungs- und Steuerungsgenauigkeit einerseits und den Verwaltungsaufwand andererseits in ein ausgewogenes Verhaeltnis zu setzen.

Praezise Leistungsdaten fuer die Kostenrechnung

Federfuehrend fuer die vier Universitaetskliniken in Baden- Wuerttemberg fuehrt das Heidelberger Grossklinikum ein Pilotprojekt durch, um auf Basis von SAP R/3 auf Unix- Systemen von Sun Microsystems ein innovatives Rechnungs- und Controlling-System zu konzipieren und einzufuehren.

Anfang der 80er Jahre begann bei der Uniklinik Heidelberg der Einsatz von Gross-DV. Seit 1988 setzt das Klinikum der Neckarstadt SAP R/2 ein, um alle administrativen Funktionen vom Materialeinkauf bis hin zur Finanz- und Anlagenbuchhaltung in einer integrierten Umgebung abzuwickeln. "Bis dahin fuehrten wir die Kostenrechnung und das Einkaufssystem fuer das Zentrallager der internen Apotheke auf einer PC-Plattform durch. Wir suchten daraufhin nach einem einheitlichen Materialwirtschaftssystem. Wenn ich von Materialwirtschaft spreche, dann meine ich ein wirklich integriertes System, eines, das die Buchhaltung genauso mit den identischen Daten versorgt wie die Kostenrechnung, Lagerwesen, Einkauf und Instandhaltung", beschreibt Rechenzentrumschef Staab die damalige Situation, die zur Einfuehrung der Host-basierenden Loesung mit 450 Terminals fuehrte.

Als im Herbst 1993 der Sprung auf SAP R/2, Version 5.0, erfolgte, sahen sich die IT-Verantwortlichen mit "groesseren Problemen" konfrontiert. Nicht nur, dass sich seit 1989 die Strukturen innerhalb des Hauses grundlegend geaendert hatten und die grossrechnerbasierte Loesung nicht die Flexibilitaet fuer eine "schmerzfreie" Anpassung des Systems an die unterschiedlichen, neuen Bereiche und Stationen bot. Der erweiterte Leistungsbedarf machte auch deutlich, dass ein mittelfristiger Ausbau der bestehenden Mainframe-Loesung notwendig sein wuerde.

Wirtschaftliche Betrachtungen liessen die Weiterverfolgung dieses Technologiekonzeptes jedoch nicht als sinnvoll erscheinen. So zog man den Umstieg auf eine Client-Server-basierte Loesung mit R/3 in Betracht. "Durch das Gesundheitsstrukturgesetz war ja schon vordefiniert, dass wir ab 1996 noch weitreichendere Anpassungen vornehmen werden muessten. Wir verfolgen die Vision eines integrierten Patienten-Managements, und bei unserer Suche nach am Markt verfuegbaren Loesungen fanden wir heraus, dass SAP unter R/3 eine Loesung, wie wir sie brauchten, im Portfolio hat", so Staab.

Mit dem R/3-Modul Industrial Solution-Hospital (IS-H) bietet SAP eine Branchenloesung fuer Krankenhaeuser an, deren Kern eine patientenbezogene Leistungserfassung und -abrechnung bildet, um den sich sowohl krankenhausspezifische wie auch die R/3- Standardmodule gruppieren. Mit der Einfuehrung von R/3 auf Multiprozessor-Sparc-Servern wollen die DV-Planer der universitaeren Krankenhaeuser somit einen weiteren, grossen Schritt vollziehen. Mit Hilfe einer flexiblen Client-Server-Loesung unter Unix und dem R/3-Modul IS-H, gegebenenfalls auch IS-H* MED, soll es gelingen, die gewuenschte Bruecke zwischen Administration und Medizin zu schlagen.

Bei den bisher eingesetzten, R/2- basierten Loesungen konzentriert man sich in der Klinik nun darauf, die alte Systemumgebung zu stabilisieren, und implementiert und testet zur Zeit die R/3- Anwendungen, die im Probebetrieb noch parallel zum Produktivbetrieb laufen. "Wir fuehren nur die notwendigen Release- Wechsel durch, die zur Aufrechterhaltung des Betriebs erforderlich sind, ansonsten frieren wir R/2 ein und konzentrieren uns auf unser Patienten-Management-System unter R/3", so Staab.

Sowohl zum Testbetrieb als auch fuer den spaeteren produktiven Einsatz haben sich die DV-Experten des Klinikums fuer Sun-Systeme als Datenbank- und Applikations-Server im Rahmen der Client- Server-Loesung entschieden.

Die sukzessive Uebernahme der R/2-Daten, die auf der Adabas- Datenbank unter BS2000 liegen, auf die Unix-Umgebung von Sun unter R/3 will das Team um Staab mittels eigengeschriebener Programme realisieren. Die Daten werden auf das Unix-System unter Adabas Natural in externe Dateien ausgeladen, um von dort wieder in das R/3-System unter der Datenbank Oracle 7 eingelesen zu werden.

Das Vorhaben des Heidelberger Universitaetsklinikums dient einem ehrgeizigen Ziel: Bis Ende 1997 soll der Siemens-Grossrechner, auf dem heute noch die gesamte R/2-Umgebung betrieben wird, komplett abgeloest werden. Dann werden die Mediziner in der Neckarstadt mit einer flaechendeckenden Client-Server- Struktur wohl ueber eine der modernsten DV-Umgebungen verfuegen, die ein Universitaetsklinikum vorweisen kann.

*Robert Harnischmacher ist freier Journalist in Frankfurt am Main.