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07.01.2000 - 

Unklares Berufsprofil, aber gute Jobchancen

IT-Kaufleute: Spagat zwischen Technik und Kommerz

von Helga Ballauf* Der Anspruch ist hoch: Informatikkaufleute sollen genauso viel von Computern und Netzen wie von Büroorganisation und Warenwirtschaft verstehen. Sie begreifen im Idealfall, was die IT-Anwender wollen, und wissen, was die Technik hergibt. Noch sind die Konturen des neuen Berufsbildes in der Praxis nicht klar erkennbar.

Schon seit Jahren wird dasselbe Klagelied in den Unternehmen angestimmt: Die Kommunikation zwischen Fach- und IT-Abteilung sei gestört. Um den Austausch zwischen IT-Experten und den übrigen Mitarbeitern zu fördern, greifen Firmen auf technik- und verwaltungserfahrene Übersetzer zurück. Ein Aufgabenfeld für Informatikkaufleute: "Sie sind Mittler und Verbindungsglied zwischen den Anforderungen der Fachabteilungen und der Realisierung von informations- und telekommunikationstechnischen Systemen", so heißt es im Ausbildungsprofil der Industrie- und Handelskammern.

Seit der neue Beruf vor drei Jahren ins Leben gerufen wurde, ist die Zahl der Ausbildungsplätze kontinuierlich gestiegen: 1997 gab es bundesweit 754 Azubis, in diesem Herbst sind es 1923 Berufsanfänger. Nicht schlecht, aber steigerungsfähig, sagen Ausbildungsexperten. Ist doch der Beruf Informatikkaufmann speziell für die Anwender informationstechnischer Systeme in Industrie, Handel, Banken, Versicherungen und Krankenhäusern konzipiert. Dadurch unterscheidet er sich von den drei anderen DV-Berufen Fachinformatiker, IT-Systemelektroniker, IT-Systemkaufmann, die anbieterorientiert sind.

Doch viele potenzielle Ausbildungsfirmen sehen noch nicht recht, wozu ihnen Informatikkaufleute nütze sein sollen. Unter den Unternehmen, die bereits Lehrstellen für diesen Beruf anbieten, sind Software- und Systemhäuser, Sportfachhändler, Blechbearbeiter und Werkstoffhersteller, Versandhäuser und Kliniken. Die Palette der Einsatzgebiete ist breit: Die Münchner DV-Beratungsfirma Cosmos Consulting schickt Informatikkaufleute zu den Kunden, für die eine Individualsoftware entwickelt werden muss. Beim Versandhaus Quelle in Fürth sitzen die "Kunden" im eigenen Haus: Informatikkaufleute betreuen und erweitern die DV-Systeme ihrer Kollegen in Einkauf, Controlling und Vertrieb. Bei Kiefer & Kompagnon, einem Softwaredienstleister für die Baubranche in St. Kilian/Thüringen, arbeiten die jungen Fachkräfte an Gebäudevisualisierungen und am Web-Design.

Informatikkaufleute beim Chemiekonzern Wacker in Burghausen kümmern sich um das SAP-Modul Personalwesen und schaffen die Voraussetzungen für E-Commerce.

Ein weites Feld. Ist das Berufsprofil zu breit? "Der Spielraum im Ausbildungsplan ist zwar angenehm. Wir hätten uns jedoch am Anfang mehr Hilfe bei der Umsetzung gewünscht", urteilt Holger Schmidt, kaufmännischer Ausbildungsleiter bei Wacker. Inzwischen steht das hauseigene Qualifizierungsprogramm für die "Schnittstellen-Manager", wie Schmidt die Informatikkaufleute nennt. Es sieht eine intensivere Auseinandersetzung mit Themen wie Marktanalyse oder Einkauf von Systemen vor als der Ausbildungsplan. Im Gegensatz dazu erscheint Klaus Kiefer der kaufmännische Anteil am Berufsbild zu hoch. Seine Firma setzt andere Prioritäten: "Unsere Leute müssen hohen Grafik- und Multimedia-Anforderungen gewachsen sein".

Richtig zufrieden mit dem Berufsbild Informatikkaufleute ist der Aus- und Weiterbildungsbeauftragte bei Quelle, Stefan Erler: "Es ist genau auf unsere Bedürfnisse zugeschnitten. Wir brauchen Leute, die Dolmetscher zwischen den Fachabteilungen und den DV-Leuten spielen können, weil sie über fundiertes kaufmännisches und IT-Wissen verfügen." Informatikkaufleute und Fachinformatiker lernen bei Quelle von Anfang an zwar ähnliche Inhalte, aber mit "unterschiedlichem Tiefgang", berichtet Erler.

Anders geht der DV-Berater Cosmos Consulting vor: "Wir bieten alle vier IT-Berufe an", sagt Ausbilder Winfried Thom. "Erst im Laufe der Zeit zeigt sich, wer welche Vorlieben und Stärken hat." Thom hält nichts von einer schärferen Abgrenzung der Berufsbilder: "Morgen sieht das IT-Umfeld schon wieder anders aus. Entscheidend ist, dass die Azubis lernen, sich selbständig mit immer neuen Themen auseinander zu setzen. Das muss der Ausbilder vermitteln."

Berufsprofil nicht zu eng abstecken

Fließend sind die Übergänge zwischen den IT-Berufen auch bei der Umschulung, die Dekra- und Deutsche Angestellten Akademie (DAA) in Düsseldorf anbieten. Im Laufe der 14-monatigen Maßnahme zeigt sich, auf welchem Spezialisierungsfeld Wunsch und Leistung der Teilnehmer zusammenpassen, sagt Lehrgangsleiter Boris Weinrich. Wenn er Praktikumsplätze sucht, merkt er, "wie schwer den Firmen die Abgrenzung zwischen IT-System- und Informatikkaufleuten fällt". Aus DAA/Dekra-Sicht sind Letztere die Spezialisten für Office-Anwendungen, die Geschäftsprozesse auf DV-Ebene abwickeln können.

Sieben Monate dauert das Firmenpraktikum im Rahmen der Umschulung. Es soll möglichst in eine Festanstellung nach der IHK-Prüfung münden. "Die Chancen sind gut", meint Weinrich. Die Gruppe der Umschüler in der vom Arbeitsamt finanzierten Maßnahme ist bunt gemischt: Hochschulabsolventen, Studienabbrecher, Fachkräfte aus handwerklichen Berufen.

Die meisten Firmen, die Ausbildungsplätze für Informatikkaufleute anbieten, suchen Abiturienten. "Der Enthusiasmus für die Informationstechnik ist zwar das A und O", sagt Thom von Cosmos Consulting, "dennoch brauchen die jungen Leute ein gewisses Niveau, um sich in eine komplexe Materie einzuarbeiten." Die Fähigkeit zu analytischem Denken und systematischem Arbeiten unterstreicht auch Schmidt von Wacker-Chemie und fügt hinzu: "Wer nach Abitur und Bundeswehr die IT-Ausbildung beginnt, hat allein schon vom Lebensalter her ein besseres Standing gegenüber Kunden - internen oder externen." So hoch hängt der Korb bei Quelle nicht: "Ein Realschulabschluss reicht völlig aus", sagt Stefan Erler. Aber selbst beim Fürther Großversand startet die Hälfte der angehenden Informatikkaufleute mit Hochschulreife.

So jung das Berufsbild, so groß die Nachfrage nach qualifizierten IT-Fachkräften, so gut sind die Chancen der ersten Absolventen, nach der Lehre übernommen zu werden. Vielen Firmen ist die duale Ausbildung auch deshalb recht und billig, gesteht Thom zu, "weil die Fachangestellten weniger verdienen als die Studienabsolventen, die bisher solche Arbeiten erledigt haben."

*Helga Ballauf ist freie Journalistin in München.