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04.07.2003 - 

Fujitsu-Siemens-CEO Adrian von Hammerstein im CW-Gespräch

"IT-Konsolidierung eröffnet Chancen"

Die Perspektiven im IT-Markt bleiben unsicher, doch Fujitsu-Siemens Computers sieht sich gut aufgestellt. Im Gespräch mit CW-Redakteur Wolfgang Herrmann gab CEO Adrian von Hammerstein einen vorsichtig optimistischen Ausblick auf die Geschäftsentwicklung.

CW: Fujitsu-Siemens hat im vergangenen Geschäftsjahr ein hartes Kostensenkungsprogramm gefahren. Sind die Maßnahmen abgeschlossen, oder planen Sie einen weiteren Stellenabbau?

VON HAMMERSTEIN: Wir haben auf der CeBIT schon angekündigt, dass wir einen Teil des Personalabbaus noch im ersten Halbjahr des neuen Geschäftsjahres bis zum 30. September abschließen werden. Das ist bereits in den vergangenes Jahr gebildeten Rückstellungen enthalten. Darüber hinaus planen wir derzeit keine weiteren Maßnahmen. Aber das hängt natürlich immer von der Geschäftsentwicklung ab. Ständige Produktivitätssteigerung ist in diesem Geschäft ein Muss.

CW: Sehen Sie Anzeichen für eine Erholung des IT-Markts?

VON HAMMERSTEIN: Das erste Quartal des Kalenderjahres entwickelte sich etwas stärker. Man hatte den Eindruck, dass die Unternehmen im letzten Quartal 2002 einen Aufschwung am Horizont ausgemacht und daraufhin Investitionsentscheidungen getroffen haben. Das hat sich im zweiten Quartal leider nicht fortgesetzt. Der Markt ist eigentlich in allen Segmenten recht schwach, vom Consumer- bis hin zum Großsystemgeschäft.

CW: Wie sieht Ihre Prognose für das laufende Geschäftsjahr aus?

VON HAMMERSTEIN: Es ist unsicher, wie sich der Markt entwickelt. Die letzte IDC-Prognose geht von einem fünfprozentigen Rückgang der Hardwareumsätze in Westeuropa aus. Das wäre nicht mehr ganz so schlimm wie der 13-prozentige Rückgang im vergangenen Jahr. Die Frage ist aber, ob es dabei bleibt.

CW: Sie haben zur Vorlage der Ergebnisse für das Geschäftsjahr 2002/03 angekündigt, schneller als der Markt wachsen zu wollen. In welchen Segmenten möchten Sie zulegen?

VON HAMMERSTEIN: Wir sind im ersten Quartal tatsächlich erheblich schneller als der Markt gewachsen. Laut IDC-Zahlen liegen wir besonders mit Intel-basierenden Produkten in Westeuropa beim Wachstum an der Spitze der vier führenden Anbieter. Chancen sehen wir einerseits für mobile Produkte, andererseits für unsere Konsolidierungsplattformen wie Intel- und Unix-Server. Nach Kundensegmenten betrachtet, sehen wir im Bereich der kleinen und mittleren Unternehmen das größte Potenzial.

CW: Sie positionieren auch die aktuellen Fujitsu-Siemens-Großrechner als Konsolidierungsplattform für BS2000- und Solaris-Anwendungen (siehe Seite 24, Anm. d. Red.). Ihr Konkurrent IBM stellt in diesem Zusammenhang das Thema Linux auf dem Mainframe in den Vordergrund. Welche Rolle spielt das Open-Source-Betriebssystem in Ihren strategischen Überlegungen?

VON HAMMERSTEIN: Wir können unseren Kunden auch Linux auf BS2000-Mainframes anbie-ten, glauben aber nicht, dass das im Markt der große Renner wird. Linux ist, was die ISVs (Independent Software Vendors) angeht, eine Intel-Story. Einen breiten Support durch die ISVs wird es für Linux auf dem Mainframe nicht geben. Die Wirtschaftlichkeit des quelloffenen Betriebssystems ist vor allem mit Intel-Rechnern verbunden, und hier sind wir gut aufgestellt. Auf dem Großrechner ergibt der Einsatz von Linux nur Sinn, wenn ungenutzte Kapazität zur Verfügung steht. Niemand wird sich einen Mainframe kaufen, nur um Open-Source-Anwendungen darauf laufen zu lassen.

CW: Abgesehen von Konsolidierungsvorhaben: In welche IT-Projekte investieren Ihre Kunden derzeit noch?

VON HAMMERSTEIN: Das wichtigste Motiv für Investitionen ist nach wie vor Kostensenkung. Wir verbinden mit Konsolidierungsprojekten aber auch eine Verringerung der Komplexität und eine Standardisierung der IT-Infrastruktur. Das lässt sich gut verknüpfen.

CW: Kommen Sie mit solchen Vorhaben nicht Siemens Business Services (SBS), dem Dienstleister Ihres Anteilseigners, ins Gehege?

VON HAMMERSTEIN: Es gibt eine klare Grenze. Wir implementieren Infrastrukturlösungen. Dazu gehört das Thema Konsolidierung, wobei wir in Projekten auch auf die Hilfe von Partnern zurückgreifen. Wir implementieren aber keine Anwendungen etwa im SAP-Umfeld. Diese Domäne ist SBS vorbehalten. Außerdem treten wir nicht als Betreiber von IT-Installationen auf.

CW: Wie viel Umsatz generiert Fujitsu-Siemens Computers mit dem Kunden SBS?

VON HAMMERSTEIN: Das bewegt sich im einstelligen Prozentbereich, also weniger als zehn Prozent. SBS ist ein wichtiger Kunde für uns, und natürlich arbeiten wir eng zusammen. Aber wir sind ein Fünf-Millliarden-Euro-Unternehmen, da kann man nicht nur mit einem Integrationspartner kooperieren. Wir müssen auch für andere Dienstleister gleichwertige Wettbewerbsbedingungen schaffen, schon weil wir mit Fujitsu einen zweiten Aktionär haben, der ebenfalls Services anbietet.

CW: Im deutschen Mainframe-Markt hält Ihr Unternehmen mit den BS2000-Systemen eine starke Position. International aber besetzt IBM die entscheidenden Themen und ist unangefochtener Marktführer. Müssten Sie nicht mehr tun, um die Sichtbarkeit der BS2000-Produkte außerhalb des Heimatmarktes zu erhöhen?

VON HAMMERSTEIN: Wir sind in Europa die Nummer zwei im Mainframe-Geschäft. Ich glaube nicht, dass das BS2000-Geschäft mit Werbung, die ja große Streuverluste hat, effektiv vorangebracht werden kann. Dazu ist ein One-to-One-Marketing für die großen Kunden erforderlich, das wir intensiv betreiben. Außerhalb der Emea-Region sind wir nicht tätig. Amerika und den asiatisch-pazifischen Wirtschaftsraum betreut unser Partner Fujitsu.

CW: Wie sehen Ihre Pläne für die BS2000-Sparte aus?

VON HAMMERSTEIN: Wir wollen ein stabiles Geschäft und vor allem unsere bestehenden Kunden hervorragend betreuen.

CW: Kann man alleine mit Bestandskunden ein profitables Geschäftsfeld erhalten?

VON HAMMERSTEIN: Es gibt ja etliche innovative funktionale Erweiterungen, wie die aktuellen Ankündigungen unserer SX-Produkte zeigen. Gerade in Deutschland konnten wir der IBM zudem einige Kunden abjagen.

CW: Es gibt aber auch Fälle, in denen BS2000-Systeme durch IBM-Mainframes abgelöst wurden, beispielsweise bei der Postbank.

VON HAMMERSTEIN: Wir haben im letzten Jahr unterm Strich mehr gewonnen als verloren.