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31.10.2003 - 

"Executive Lounge" auf der Systems 2003

IT-Konsolidierung - Fallstricke und Chancen

MÜNCHEN (kf) - Die IT-Konsolidierung als erklärtes Wundermittel zur Ausgabensenkung gehört derzeit zu den meistdiskutierten Themen in Unternehmen. Welche Faktoren für einen nachhaltigen Erfolg entscheidend sein können, machten die Referenten auf einem Strategieforum deutlich, zu dem die COMPUTERWOCHE anlässlich der Systems geladen hatte.

Angesichts des nach wie vor anhaltenden Kostendrucks wird Konsolidierung primär unter dem Einsparungsaspekt in Erwägung gezogen. Experten empfehlen, sich hierbei nicht auf technische Maßnahmen zu beschränken, sondern auch dem betriebswirtschaftlichen beziehungsweise organisatorischen Bereich intensive Beachtung zu schenken. Dieser stellt laut Dieter Sinn, Managing-Partner bei dem Münchner Beratungsunternehmen Sinn-Consulting, die größere Herausforderung dar, birgt aber auch nachhaltige Einsparpotenziale. "Über eine Server-Konsolidierung lässt sich viel erreichen, der Hardwareanteil innerhalb des Kostenblocks einer Gesamtanwendung ist jedoch vergleichsweise gering", so der Consultant.

Problemzone Prozesse

Ungleich mehr Kosten verursache es, wenn IT- und Geschäftsprozesse im Vorfeld einer Softwareeinführung nicht sauber aufeinander abgestimmt würden, wie es nach Einschätzung von Sinn bei etwa jedem zweiten Unternehmen der Fall sei. Die häufige Folge dieser Nachlässigkeit: ein teures Recostumizing schon kurz nach der Implementierung der Lösung.

Eine weitere potenzielle Schwachstelle stellt nach Ansicht des Beraters die IT-Strategie dar: Zwar legten die meisten Firmen fest, welches Ziel über die Technik erreicht beziehungsweise wo gespart und wo investiert werden soll. "Doch eine gelebte und regelmäßig gepflegte IT-Strategie, sprich: eine Vereinbarung zwischen der IT und dem Rest des Geschäfts, bei der die Schlüsselentscheidungen gemeinsam mit den Anwendern getroffen werden, ist eher Mangelware", gab Sinn zu bedenken.

Als eine der Pflichtaufgaben im Zuge einer Konsolidierung erachtet der Berater die Projekt-Priorisierung. Dabei auf alles zu verzichten, was sich nicht unmittelbar in einer Kosten-Nutzen-Rechnung darstellen lässt, hält er - im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen - jedoch nicht für ratsam. "Wer im Rahmen einer Konsolidierung alle strategischen Projekte kappt, beraubt sich jeder Zukunftsperspektive und Wettbewerbsfähigkeit", warnte der Consultant. Laut Sinn flossen noch vor zwei Jahren rund 20 Prozent der IT-Ausgaben in strategische Projekte, die sich nicht unmittelbar über einen Return on Investment (RoI) abbilden ließen, heute seien es lediglich fünf Prozent.

Wer über die Straffung seiner Systemlandschaften und Prozesse tatsächlich Kosten sparen will, tut allerdings gut daran, einen ganzheitlichen Ansatz zu fahren. "Bei einer Konsolidierung gilt es, die Gesamtverteilung der Kosten zu betrachten, andernfalls besteht die Gefahr, dass diese lediglich verlagert werden", erläuterte Eckhard Schaumann, verantwortlich für den Bereich Data Center Solutions bei Sun Microsystems, den Zuhörern. Bei der Ermittlung der Total Cost of Ownership (TCO) gelte es demnach, nicht nur die Hard- und Softwarelandschaft, sondern auch deren Betrieb und Administration bis hin zur Schulung der Endbenutzer unter die Lupe zu nehmen.

Zu überraschenden Erkenntnissen kam Heinz Kreuzberg, Leiter Zentralbereich Informatik der Messe München International (MMI), der über das Konsolidierungsprojekt seines Unternehmens berichtete: So sinke die Komplexität der IT-Umgebung nach den Erfahrungen des MMI-CIO mit einer Konsolidierung nicht zwangläufig, sondern könne durch den Einsatz neuer Technologien vorübergehend sogar steigen. Im Rahmen des im Jahr 2000 aufgesetzten Projekts nahm der 500 Mitarbeiter starke Messeveranstalter zunächst den Hardwarebereich in Angriff. Dabei wurden unter anderem die lokalen Speicher in einem Storage Area Network (SAN) zusammengeführt. Zu den Vorteilen des zentralen Speicher-Pools gehören laut Kreuzberg höhere Kosteneffizienz sowie ein Plus in Sachen Performance und Verfügbarkeit.

Externes Know-how notwendig

Ein Wermutstropfen war jedoch der mit der neuen Storage-Lösung einhergehende höhere Bedarf an technischer Kompetenz. "Erst seit diesem Jahr sind unsere Administratoren diesbezüglich autark und können das SAN selbständig betreiben", so der CIO. Bis sein Team das entsprechende Know-how entwickelt hatte, habe er bei der Betreuung des Speicher-Pools verstärkt auf externe Unterstützung zurückgreifen müssen. Folglich sehe er die Gefahr, dass die Abhängigkeit von externen Dienstleistern durch Konsolidierungsmaßnahmen zunächst einmal wachse.

Grundsätzlich geht die Messe München beim Thema Konsolidierung mit Bedacht vor: "Wir haben uns gegen einen Big Bang und für ein schrittweises Umsetzungsverfahren entschieden", beschrieb Kreuzberg das Prozedere. Erst nachdem die weniger riskanten Konsolidierungsbereiche erfolgreich bewältigt waren, habe der "Mittelständler" - entsprechend vortrainiert - anspruchsvollere Themen wie die Zusammenführung der Datenbanken und der Prozesse in Angriff genommen.

Inbesondere bei der Prozesskonsolidierung empfiehlt Kreuzberg, den Aufwand an Überzeugungsarbeit bei den Mitarbeitern nicht zu unterschätzen. "Unser einheitlicher Serviceprozess beispielsweise wäre fast am Change-Management gestorben", berichtete der CIO aus jüngster Erfahrung. So sei es schwieriger als erwartet gewesen, die Anwender dazu zu bringen, die konsolidierten und zunächst ungewohnten Prozesse zu akzeptieren und zu leben.

Eine weitere Lektion, die das IT-Team des Münchner Messeveranstalters im Lauf des Projekts gelernt habe: Nicht jede Applikation eignet sich für eine Konsolidierung. Fehl schlug nach Angaben des CIO beispielsweise der Versuch, parallel zur Datenbankkonsolidierung auf Oracle auch gleich alle Oracle-Instanzen zusammenzuführen. Der Grund: Die einzelnen Applikationen benötigten jeweils unterschiedliche Oracle-Versionen.

Einsparungen im IT-Betrieb

Das primäre Ziel, die Kosten durch eine Straffung der Infrastruktur und der internen Prozesse im IT-Betrieb um 20 Prozent zu senken, ist nach Angaben des CIO bereits erreicht - durch deutlich schlankere Administratorenteams und eine drastische Reduzierung externer Dienstleistungen. Mit Hilfe weiterer, für die kommenden zwei Jahre geplanter Konsolidierungsmaßnahmen - etwa dem Einsatz von Blade-Servern oder der Server-Virtualisierung - hofft Kreuzberg, zusätzliche Einsparungen um bis zu zehn Prozent zu erzielen.

Dass Konsolidierung irgendwann an ihre natürlichen Grenzen stößt, betonte abschließend Günter Köster, CIO des Aluminiumproduzenten Corus Group. Dies sei dann der Fall, wenn der Aufwand den darüber zu erzielenden Effizienzvorteil übersteige. Im Hinblick darauf erachtet Köster ein neues, proaktives IT-Managements als erforderlich: "Die Steigerung der Konsolidierung ist die IT-Governance."