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22.11.2002 - 

Hersteller üben sich in Zweckoptimismus

IT-Leitmesse Comdex steht vor der Pleite

LAS VEGAS (CW) - Alles schien wie immer auf der Herbst-Comdex 2002 in Las Vegas. Bill Gates eröffnete die US-amerikanische Computerleitmesse, HP-Chefin Carleton Fiorina und Sun-Gründer Scott McNealy legten ihre Visionen dar. Und doch war alles anders: Die Comdex kämpft ums Überleben.

Nur wenige Tage vor Beginn der Comdex ließ der Ausrichter der größten amerikanischen IT-Messe die Katze aus dem Sack: Angesichts der enttäuschenden Quartalsergebnisse sowie akuter Zahlungsengpässe sei ein Insolvenzantrag nicht auszuschließen, erklärte Veranstalter Key3Media und setzte damit branchenweite Spekulationen um ein möglicherweise bevorstehendes Ende der Comdex-Ära in Gang (siehe Kasten Seite 4: "Comdex-Veranstalter in Nöten").

Einer ließ sich von der gedrückten Stimmung hinter den Kulissen allerdings nicht anstecken: Microsofts Gründer und Chief Software Architect Bill Gates verwies in seiner Keynote-Ansprache zum Auftakt der IT-Messe auf eine - allen wirtschaftlichen Widrigkeiten zum Trotz - glanzvolle Zukunft der Informationstechnik. Das Gros der menschlichen Aktivitäten werde in den kommenden Jahrzehnten digitalisiert. Wie immer gelang es dem Konzernchef, mit der schillernden Darstellung seiner Visionen vom weniger Rühmlichen aus dem Hause Microsoft abzulenken. In diesem Fall handelt es sich um die neuerliche Verschiebung des jüngsten Betriebssystems "Windows .NET Server 2003".

Der Windows-2000-Nachfolger soll nun erst im April 2003 gemeinsam mit einer ebenfalls neuen Version der Entwicklungsumgebung "Visual Studio .NET" auf den Markt kommen. Microsoft hatte das System zunächst für Mitte, dann für Ende 2002 angekündigt.

Lieber schaute der Microsoft-Gründer in die Zukunft. Derzeit leiste sein Unternehmen die Vorarbeiten für ein Zeitalter, in dem "sich die Magie der Software auf verschiedenste Alltagsgegenstände ausbreitet, die auf vielfältige Weise miteinander verknüpft sein werden". In diesem Zusammenhang kündigte Gates die "Smart Personal Object Technology" (Spot) an, die solche neuen Anwendungen ermöglichen soll. Als Beispiel präsentierte er den Prototypen eines Reiseweckers, der drahtlos mit dem PC kommuniziert. Anhand der dort gespeicherten Daten soll die "Smart Alarm Clock" ihren Besitzer zum ersten Morgentermin wecken und Zusatzinformationen wie aktuelle Verkehrsmeldungen, Wetter- oder Flugdaten liefern. Letztere holt sich der Wecker aus dem Internet. Erste Geräte mit der neuen Technik sollen im Laufe nächsten Jahres auf den Markt kommen.

Zu den konkreteren Microsoft- Neuheiten zählte das Programm "One Note", mit dem der Softwarekönig sein Office-Paket aufwerten will. Dabei handelt es sich um einen elektronischen Notizblock, der sich für Desktops und Notebooks ebenso eignen soll wie für Tablet PCs. One Note, das Mitte 2003 auf den Markt kommt, kann getippte und handschriftliche Notizen, Audiodaten sowie Bild- und Textelemente aus Web-Seiten aufnehmen, in Office-Dokumente einbetten und per Mail versenden.

Dem Optimismus von Gates schloss sich auch Carleton Fiorina an. Sie habe größere Hoffnung für die Industrie als je zuvor, erklärte die HP-Chefin gleich zu Beginn ihrer Comdex-Ansprache und stellte dann umgehend eine rund 600 Millionen Dollar teure Werbekampagne ihres Unternehmens vor, die parallel zur Comdex in den USA anlief und auch auf Europa "überschwappen" soll. Darin wird eine Reihe von Anwendern porträtiert, die scheinbar unlösbare Probleme mit Hilfe von HP in den Griff bekommen. "Der Fortschritt wird nicht von den Zynikern und Zweiflern gemacht, sondern von denen, die glauben, dass alles möglich ist", erklärte Fiorina. Echte Neuheiten hatte die HP-Chefin allerdings nicht im Gepäck.

Als größte IT-Hürde hat Sun Microsystems die zunehmende Komplexität in den unternehmensweiten Server-Landschaften ausgemacht. Firmenlenker Scott McNealy nutzte die Comdex, um ein umfassendes Netzwerk-Management-System vorzustellen. Die nach dem Lego-Prinzip aufgebaute Lösung (Codename: "N1"), die innerhalb der nächsten zehn Jahre entstehen soll, werde es erlauben, Bausteine je nach Bedarf hinzuzufügen oder wegzunehmen, so der Sun-Chef.

McNealy verteidigte Suns hohes Budget für Forschung und Entwicklung.Im vergangenen Geschäftsjahr hatte Sun dafür 1,8 Milliarden Dollar ausgegeben, insgesamt zehn Milliarden Dollar will die McNealy-Company in den kommenden fünf Jahren dafür und für Akquisitionen aufwenden. (kf)

Comdex-Veranstalter in Nöten

Die anhaltende Wirtschaftsflaute macht dem Ausrichter der Comdex, Key3Media, besonders schwer zu schaffen. Kurz bevor die amerikanische Computerleitmesse dieses Jahr ihre Tore öffnete, legte der Messekonzern mit den jüngsten Quartalsergebnissen seine finanzielle Misere dar. Demnach erzielte der Comdex-Veranstalter im Ende September abgeschlossenen Quartal einen Umsatz von 38,4 Millionen Dollar im Vergleich zu 51,5 Millionen im selben Vorjahreszeitraum. Zudem meldete Key3Media einen Ebitda-Verlust von 299,3 Millionen Dollar nach einem Gewinn von 14,1 Millionen Dollar im Jahr zuvor. Das aktuelle Ergebnis enthält eine Sonderbelastung von 300 Millionen Dollar für Wertberichtigungen. Das Unternehmen, dessen Aktien seit Ende Juli nicht mehr an der Wall Street notiert sind, warnte, es werde eine Mitte Dezember fällige Zinszahlung auf Teile seiner Schulden möglicherweise nicht entrichten können. Strategische Optionen - vom Auftreiben neuen Kapitals über einen Verkauf oder Merger bis hin zu einem Antrag auf Gläubigerschutz gemäß Paragraf elf des US-Konkursrechts - würden derzeit geprüft.

Ob die Comdex im amerikanischen Spielerparadies Las Vegas überleben wird, ist fraglich. Eine Reihe von Veranstaltungen für das kommende Jahr, darunter die Comdex-Messen in Chicago, Montreal und Vancouver sowie eine Comdex/Networld+Interop in Atlanta und ein Seybold Seminar in New York, hat Key3Media bereits im September abgesagt.