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24.01.2006

IT-Lobby bringt sich in Stellung

Kaum hat Forschungsministerin Annette Schavan mit einem Festakt in Berlin das Informatikjahr eröffnet, rufen Verbände und Wirtschaft nach einer Sonderstellung der IT-Branche und fordern mehr Unterstützung.

Es geht um Deutschlands Zukunft", mahnte SAP-Vorstandssprecher Henning Kagermann anlässlich der feierlichen Eröffnung des Informatikjahrs. Im Vergleich zu anderen Industrienationen investiere die Wirtschaft hierzulande immer noch verhältnismäßig wenig in IT. Dabei basiere in einzelnen Branchen wie beispielsweise im Automobilbau bereits der überwiegende Teil aller Innovationen auf IT. Um diese Chancen zu nutzen, müssten sich alle Beteiligten mehr anstrengen.

Wissenschaftsjahre

Seit dem Jahr 2000 veranstaltet das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gemeinsam mit der Initiative Wissenschaft im Dialog (WiD) die Wissenschaftsjahre mit jährlich wechselnden Schwerpunkten:

2006: Informatikjahr,

2005: Einsteinjahr,

2004: Jahr der Technik,

2003: Jahr der Chemie,

2002: Jahr der Geowissenschaften,

2001: Lebenswissenschaften,

2000: Jahr der Physik.

Highlights im Informatikjahr 2006

"Zukunft entwickeln": Veranstaltungsreihe der Gesellschaft für Informatik und des Fraunhofer-Instituts (verschiedene Orte, Februar bis September);

"Invent a Chip 2006": Schülerwettbewerb für neue Mikrochip-Ideen (verschiedene Orte, Februar);

"Mensch-Technik-Interaktion": Forschung und Innovation auf der CeBIT 2006 (Hannover, 9. bis 15. März);

"Vom Azubi zum Master - Karriereentwicklung IT": Kongress und Wettbewerb des Bitkom (Berlin, Frühjahr 2006);

"Robocup Junior 2006": Bildungsinitiative für Robotik-Projekte (verschiedene Orte, ab Frühjahr 2006);

"Kunst Computer Werke": Ausstellung des Zentrums für Kunst- und Medientechnologie (Karlsruhe, 12. bis 21. Mai);

"Ausstellungsschiff MS Informatik": Erlebnisschiff auf Deutschland-Tour - Motto: Sport und Informatik (verschiedene Orte, 18. Mai bis 18. September);

"Robocup 2006": Weltmeisterschaft der Fußball-Roboter (Bremen, 14. bis 20. Juni);

"Woche der Informatik": Digitaler Alltag in Theorie und Praxis (Dresden, 3. bis 10. Oktober);

"Mach MIT": Mädchen-Informatik-Tage - Veranstaltungen zu Chancen und Perspektiven (verschiedene Orte, ganzjährig).

Hier lesen Sie …

• was die Bundesregierung mit dem Informatikjahr bezweckt;

• welche Erwartungen Wirtschaft und Verbände damit verbinden;

• ob die Veranstaltungen voraussichtlich auch Spaß machen.

Links zum Informatikjahr

www.informatikjahr.de: Aktuelle Informationen, Veranstaltungskalender;

www.bitkom.org: Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom);

www.bmbf.de: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF);

www.gi-ev.de: Gesellschaft für Informatik.

Mehr zum Thema

www.computerwoche.de/go/

571129: SAP-Chef Kagermann fordert bessere Ausbildung;

569570: ITK-Branche blickt zuversichtlich ins Jahr 2006;

567167: Bitkom: Innovation ins Zentrum der Politik rücken;

566131: Innovationsförderung ist veraltet.

Embedded Systems - sexy IT?

Die Menschen mit integrierten Systemen im Anlagen- und Maschinenbau für Informatik zu begeistern, ist nicht einfach. Das dürfte auch den Veranstaltern des Informatikjahrs klar sein. Sie müssen den Spagat zwischen Unterhaltung und ernsthafter IT-Anwendung versuchen, um das Interesse der Öffentlichkeit zu wecken - beispielsweise mit dem Robocup 2006, einer Fußballweltmeisterschaft der Roboter, die parallel zum Fifa-Weltcup im Juni in Bremen stattfindet.

Ob die Blechkicker viele Zuschauer anlocken, wenn parallel in den großen Stadien Ballack und Co. um den Weltmeisterpokal rennen und grätschen, ist indes fraglich. Dann werden sich vermutlich Hunderttausende von Zuschauern lieber um die Großbildleinwände scharen und nicht wenige werden via Handy ihre Wetten abgeben. An der Unterhaltungselektronik führt kein Weg vorbei, um die Menschen für IT zu begeistern. Ob es Herrn Kagermann nun gefällt oder nicht.

Dem SAP-Chef zufolge muss der hiesige IT-Sektor mehr in die Ausbildung seiner künftigen Fachkräfte investieren. Um Innovation zu fördern, sei auch der Staat gefordert, nahm Kagermann die Behörden in die Pflicht. Bei IT-Projekten der öffentlichen Hand liege einiges im Argen. Es fehle vor allem an einem konsistenten Management. In kaum einer Behörde übernähmen die Leiter die Verantwortung für große IT-Projekte. Die Bundesregierung sei gefordert, eine zentrale IT-Strategie zu entwickeln. Unternehmen aus dieser Schlüsselbranche müssten besonders gefördert werden, sprach er sich für eine Vorzugsbehandlung des IT-Sektors aus.

Kagermann dürfte mit seinen Forderungen jedoch nicht nur die Zukunft des IT-Standorts Deutschland, sondern auch das Wohlergehen seines eigenen Unternehmens am Herzen liegen. SAP will schon seit geraumer Zeit mit den deutschen Behörden ins Geschäft kommen. In diesem Bereich stehen in den kommenden Jahren Milliardeninvestitionen an.

Forderungen wiederholen sich

Auch die Forderung nach einer zentralen IT-Strategie ist nicht neu. Schon im vergangenen Jahr hatte der Branchenverband Bitkom wiederholt eine strategische ITK-Politik, verbesserte Rahmenbedingungen für IT-Unternehmen und mehr Investitionen in Forschung und Innovation gefordert. Konkrete Ergebnisse sind bislang jedoch Mangelware. So bilde zwar die IuK-Technik seit langem einen Förderschwerpunkt des Bildungs- und Forschungsministeriums, teilte die Behörde mit. Allein im vergangenen Jahr seien rund 300 Millionen Euro in die Projektförderung geflossen. Experten kritisieren jedoch, dass beispielsweise aus den von Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder versprochenen IT-Leitvorhaben nichts geworden sei.

Leuchtturm-Projekte seien jedoch notwendig, um die Erfolgsbranchen der deutschen Wirtschaft wie beispielsweise den Maschinen- und Anlagenbau mit Hilfe der IT weiter voranzubringen, forderte Kagermann. Zwar stehe die Unterhaltungselektronik meist im Mittelpunkt der Wahrnehmung. Dieser Bereich sei für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands jedoch nicht ausschlaggebend.

Die frischgebackene Bundesministerin für Bildung und Forschung Annette Schavan nahm die Stichworte der IT-Lobby artig auf. "Informatik ist in unserer Gesellschaft unverzichtbar geworden", betonte sie im Berliner Cubix-Kino am Alexanderplatz vor über 600 geladenen Gästen aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft. Handys, das Internet oder Antiblockiersysteme im Auto seien "nicht mehr wegzudenken." Die Bundesregierung werde bis zum Ende der Legislaturperiode 2009 sechs Milliarden Euro zusätzlich in Forschung und Entwicklung investieren. Wie viel davon in die IuK-Technik fließen soll, sagte die Ministerin allerdings nicht.

Als Innovationstreiber für die deutsche Wirtschaft vereinige der IT-Sektor ein Viertel aller Forschungsaufwendungen der Wirtschaft und ein Fünftel aller Patentanmeldungen auf sich, setzte die Ministerin die Lobeshymnen Kagermanns fort. Mehr als die Hälfte der Industrieproduktion und über 80 Prozent der deutschen Exporte hingen von der Informations- und Kommunikationstechnik ab.

Schavan billigt IT zentrale Rolle zu

Damit dies so bleibt, soll der IuK-Bereich in der künftigen Ausrichtung des Ministeriums eine zentrale Rolle spielen, kündigte die Nachfolgerin von Edelgard Bulmahn an. Schavan will beispielsweise den "Pakt für Forschung und Innovation" fortsetzen. Zudem soll die Gründung eines zweiten Max-Planck-Instituts für Softwaresysteme in Saarbrücken neben dem bereits bestehenden in Kaiserslautern weitere Impulse geben. Die Ministerin versprach der Branche ein innovationsfreundlicheres Klima. So sollen neue Anwendungsfelder erschlossen und interdisziplinäre Ansätze gefördert werden. Bis Ende 2006 will das Ministerium zudem ein neues Programm zur IT vorlegen.

GI-Präsident Jarke: Es droht die digitale Spaltung

Matthias Jarke, Präsident der Gesellschaft für Informatik (GI), scheint ein Gutteil der von Schavan versprochenen IT-Subventionen dafür verwenden zu wollen, mit mehr Marketing auf die Leistungen der Informatik aufmerksam zu machen. Die gemeinsamen Anstrengungen seien dringend erforderlich, um das Profil der Informatik innerhalb der Gesellschaft zu schärfen, mahnte er. Nach wie vor seien einem großen Teil der Bevölkerung die elementaren Grundzüge der Informatik nicht bewusst. Viele Menschen hätten Schwierigkeiten, mit der aktuellen Technik umzugehen. Das sei umso gefährlicher, als die sich rasant ausbreite. Beispielsweise nehme die Zahl der Embedded Systems rapide zu. Allein die elektronische Gesundheitskarte werde auf einen Schlag rund 80 Millionen Menschen mit zusätzlicher IT-Technik ausstatten. Schon heute existierten etwa dreimal so viele Rechner wie Menschen auf der Erde. Helfe man den Menschen nicht, sich mit Informatik vertraut zu machen, drohe die Gefahr einer digitalen Spaltung der Gesellschaft, warnte der GI-Präsident.