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16.02.1996 - 

IT in Transport und Verkehr/Der Lkw faehrt wirtschaftlicher an langer Leine

IT-Loesungen holen die Reserven aus dem Flotten-Management

Von Horst-Joachim Hoffmann*

Die neuen Maerkte in Osteuropa und der Kommunikationsausbau ueber die dritte Raumdimension - die Satelliten - eroeffnen auch fuer das Flotten-Management im Gueterverkehr neue Perspektiven. Im harten Tagesgeschaeft des Transportwesens heisst es angesichts eines gestiegenen Leistungsangebots durch mittel- und osteuropaeische Mitbewerber sowie durch Vorgaben neuer Kunden und Lieferorte ein paar Tagesreisen hinter dem bayrischen Wald flexibel zu sein.

Beneidete Otto N. in seinem Pkw bislang den Brummifahrer im Stau nur um den heissen Kaffee aus bordeigener Kaffeemaschine, so wird in Kuerze die High-Tech-Kommunikation im Fuehrerhaus Ziel mancher Traeume. Doch ist sie nicht nur im wirtschaftlichen Sinne existenznotwendig - Lkws, die teils die Anweisung haben, in bestimmten Regionen Osteuropas aus Gruenden optimierter Sicherheit nur im Konvoi zu fahren, sind auch mit einer Panik-Taste ausgestattet, die via Satellit Hilfe anfordert.

Produktion "Just in time", kleinere und variablere Transporteinheiten und hoehere Kosten sowie gesteigertes Verkehrsaufkommen zwingen Fernspeditionen dazu, ihre Lkw ins hauseigene Kommunikationsnetz fester als bislang einzubinden.

Im Gueternahverkehr und im Verkehr nach Westeuropa galt bislang der Mix aus normaler und mobiler Telefonkommunikation als ausreichend. Dicht ist hier das Netz oeffentlicher Fernsprecher geknuepft, ueber das sich der Fahrer unterwegs Instruktionen, Ladungs- und Routenanweisungen vom Disponenten im Heimatort besorgen konnte. Die Reichweite von Handys genuegte fuer das Terrain. Diese Zeiten sind vorbei.

Eine moeglichst reibungslose Kommunikation dient heute mehr denn je dem wirtschaftlichen UEberleben. Hoehere Fahrzeugauslastung, verkuerzte Wartezeiten an den Grenzen, Verringerung von Dispositionsfehlern und zusaetzlicher Service fuer den Kunden zaehlen zu den Argumenten, die fuer eine kommunikationsorientierte Umruestung und einen generellen Ausbau der DV sprechen.

Zudem ist Satellitenkommunikation in den letzten Jahren erschwinglich geworden, so dass nicht mehr nur die Grossen dieser Branche vom Talk via Eutel und Inmarsat profitieren koennen.

UEber Inmarsat-C beispielsweise kommuniziert Colos, das Communications and Locations System der Nortel Dasa Network Systems, einem Joint-venture von Daimler-Benz Aerospace und Nortel. Dieses Modul eines DV-Flotten-Managements erfordert an Bord ein Kommunikationsterminal, einen Sensor zur Positionsbestimmung des Brummis und ein User-Terminal mit Betriebssoftware. Im Dispatch-Center reicht als Gegenstelle ein normaler 486er PC mit 8 MB RAM, CD-Laufwerk, mindestens 250-MB-Festplatte und Windows 3.x, Kommunikationsinterface und der Colos-Software. Als Schluessel zur Kommunikation "nach Hause" dient nach Angaben des Saarbruecker Service Providers Trend Plus das mobile Terminal Satlink-C mit einer Indoor-Unit von 3400 Gramm und einer Outdoor-Unit von 2000 Gramm.

Genauigkeit von 30 bis 100 Metern bei Positionsdaten

Zur reibungslosen Kommunikation ist Ortung erforderlich. Bei Inmarsat-Systemen geschieht die Festlegung der Position ueber GPS (Global Positioning System). Das amerikanische Militaersystem ist auch zivil verfuegbar und ermittelt die Positionen ausgestatteter Fahrzeuge mit einer Genauigkeit von 30 bis 100 Metern. Die Positionsdaten werden automatisch an die Zentrale geleitet. UEber eine eigene Ortung verfuegen die Euteltracs-Satelliten. Ihre Genauigkeit liegt bei rund 500 Metern. Die Ausrichtung der Antennen erfolgt in beiden Faellen automatisch, der Fahrer hat die Hand am Steuer.

Die Betreiber leuchten unterschiedliche Gebiete aus. Inmarsat deckt Europa, Afrika und Suedamerika sowie den Osten Nordamerikas, weite Teile Asiens und Australien mit mehreren Satelliten ab. Die zustaendige Bodenstation arbeitet im bayerischen Raisting. Euteltracs-User sind in Europa bis zum Ural, im Mittleren Osten und in Nordafrika gut zu erreichen.

Inmarsat wickelt Vertraege fuer die Bereitstellung und Abrechnung der Verbindung und Grundgebuehren mit der Telekom-Tochter DeTeMobil und einem Service-Provider oder Haendler ab, Euteltracs arbeitet mit Alcatel SEL zusammen, die das System aus einer Hand anbietet.

Die Investition liegt bei Euteltracs und Inmarsat in vergleichbaren Groessenordnungen und muss zur Kosten-Nutzen-Rechnung mit den herkoemmlichen Kommunikationsaufwendungen wie Auslandstelefonaten verglichen werden. "Wir haben bereits 85 Prozent unserer gut 300 Lkws mit Euteltracs ausgestattet", berichtet Frank Kawurek, DV-Leiter der Spedition Meyer & Meyer aus Osnabrueck. Anfangs habe es leichte Akzeptanzprobleme seitens der Fahrer gegeben, die aber nach der ersten Tour mit dem neuen Medium an Bord verschwunden waren. Vor allem im Verkehr gen Osteuropa mit Fahrten bis nach Nowgorod in Russland hat sich die Investition bewaehrt. Die Kosten fuer die Kommunikationsausstattung pro Lkw betragen rund 10000 Mark und etwa gleichviel fuer die feste Gegenstelle im Stammhaus. Ein unschaetzbarer Vorteil aber ist nach Kawureks Aussage die schnelle Reaktionszeit, die jetzt moeglich ist. Umdisponierungen des Kunden, neue Ladeanweisungen sind jetzt sofort vor Ort und sparen jede Menge Fehlzeit und -kilometer.

Doch nicht nur im Bereich des Nachrichtenaustauschs tut sich einiges. Flexibles Denken hat auch Einfluss auf die Vor- und Nachbearbeitung der Speditionsauftraege. Ein Beispiel dafuer ist das Menke Logistik Zentrum in Neuss (MLZ). Menke ist spezialisiert auf die Neuwagenauslieferung und arbeitet seit vergangenem Jahr im Datenverbund mit verschiedenen Kfz-Herstellern wie Ford, BMW, Opel und Mitsubishi. Im DV-gestuetzt optimierten Pendelverkehr, teilweise per Bahn und Schiff, erreichen die Neuwagen das Menke Logistik Zentrum MLZ in Neuss. Langfristiges Vorausschauen ueber den Laderaumbedarf sowie eine dadurch moegliche Mischbeladung und Barcode-Verwaltung des Ladegutes ueber mobile Datenstationen sorgen fuer eine bessere Auslastung und exakte Lieferung.

Allein die Optimierung der Anlieferung erspart nach Auskunft des MLZ-Betreibers pro Jahr rund 20000 Lkw-Fahrten oder mehr als eineinhalb Millionen Strassenkilometer. Die Datenhaltung erfolgt zentral ueber ein Informix-Online RDBMs auf zwei parallelgeschalteten IBM R6000 mit gespiegelter Datenhaltung; die Anwendungssoftware stammt aus dem Koelner Softwarehaus Base.

Fuer den Betrieb der Nutzfahrzeuge ist DV kaum mehr verzichtbar. So gehoeren elektronische Logbuecher fast schon zum Standard von Nutzfahrzeugen. Fahrzeugseitig sind Bordrechner, Fahrer- und Eingabeterminals, Barcodeleser, Drucker, Speichereinheiten, Bordinterfaces und Logbuch-Software wichtige Voraussetzungen fuer ein effektives Flotten-Management. Der modulare Aufbau mit Erweiterungen hat sich nach Erkenntnissen von VDO Kienzle hier auf breiter Front durchgesetzt. Die Einsparungen indes sind beachtlich: So errechnete VDO Kienzle anhand von Durchschnittsstudien, dass eine halbe Stunde weniger Standzeit am Tag zum Ausfuellen von Papierverwaltung eine Einsparung von gut 7000 Mark pro Fahrzeug im Jahresschnitt ergibt. Die Verringerung von Leerfahrten von 30 auf 27 Prozent bedeutet weitere 6000 Mark Kostenreduktion aufs Jahr gerechnet.

Zudem machen sich die Aufzeichnung relevanter Fahrzeugdaten und Ferndiagnose bezahlt, indem Werkstattzeiten optimiert, Ersatzteile praezise geordert werden koennen. Auch fuer diese Systeme stehen - neben der UEbermittlung der Daten bei der Einfahrt in den Betriebshof -Interfaces und UEbermittlungsme- chansimen ueber GSM (Mobilfunk), Modacom, Buendelfunk sowie Eutelsat und Inmarsat-C zur Verfuegung. Darueber hinaus hat VDO Kienzle festgestellt, dass sich durch den Einbau eines Unfalldatenschreibers die Unfallzahlen stark verringern, weil er zu einer moderaten Fahrweise animiert.

Wenn ausserdem Staus und Wartezeiten, zum Beispiel an den Grenzen, wegfielen, ist weitere Entlastung in dieser kostenintensiven Branche in Sicht. Mehrere Projekte befassen sich mit Verkehrsinformationssystemen. So prognostizieren die Statistiker des VDA mittelfristig eine Zunahme des Gueterverkehrs von insgesamt derzeit jaehrlich rund 360 Milliarden Tonnenkilometern auf 424 Milliarden Tonnenkilometer. Der weitaus groesste Anteil geht dabei ueber die Strasse. Verkehrsleitsysteme sind das Gebot der Stunde. Mit ihrer Hilfe soll versucht werden, die Umweltbelastungen zu verringern und gleichzeitig die Qualitaet des Gueterverkehrs zu erhoehen. Die Information der Teilnehmer verhindert Umweg- oder Suchfahrten und vermeidet Staus und Wartezeiten.

"Carin" vermittelt den letzen Stand der Dinge

Autarke Zielfuehrungssysteme mit Koppelnavigation sind ebenfalls im Kommen. Sie liefern statische Informationen zur Routenfuehrung - geben also keine Hinweise auf Staus - und basieren auf Radsensoren, Kompass und Positionsbestimmung, die entweder im bordeigenen Rechner erfolgt oder ueber Satellitenortung, etwa "Carin" von Philips. Das System vermittelt optisch und akustisch den letzten Stand der Dinge und errechnet ueber eine digitalisierte Landkarte die optimale Fahrtroute. In die Gruppe dieser Systeme gehoert "Socrates", eines der Projekte, die im Rahmen der Drive-Programme der EU Verkehrsinformation und Verkehrsleitung bieten. Socrates basiert auf dem D1-Mobilfunk und offeriert eine dynamische Zielfuehrung unter Beruecksichtigung aktueller Verkehrsmeldungen, dazu Fahrerinformationen wie Park and Ride, OEffentlicher Personennahverkehr, Notrufmeldungen und automatische Ortsbestimmung.

Infos per Piktogramm und Sprachanweisung

Die Infos werden von einer Verkehrsrechnerzentrale ueber GSM durch Sprachanweisung und Piktogramm vermittelt. Ein Navigationssystem mit Rechner, D1-Mobilfunk, Ein- und Ausgabeort sind zur Nutzung dieses Dienstes erforderlich. Das Socrates-Konzept eignet sich auch fuer die UEberwachung des Transports gefaehrlicher Gueter und das Flotten-Management.

Siemens arbeitet an Euro-Scout, einem Leitsystem auf Basis der Infrarot-Kommunikation mit Bakentechnik. Das Ziel des Fahrzeugs wird in den Bordcomputer eingegeben; das Fahrzeug meldet sich an jeder Bake anonym. Ihm wird eine aus Zufallszahlen generierte Nummer zugeteilt. Die Leitzentrale errechnet aus der Meldungsfolge nicht nur den kuerzesten Weg, durch Abgleich der Fliessgeschwindigkeit aller Fahrzeuge insgesamt am Ort der Meldung und anderer Informationen werden auch Staus vorausberechnet und dann die Umfahrungsmoeglichkeit weitergegeben.

*Horst-Joachim Hoffmann ist freier Fachjournalist in Muenchen.

Kurz & buendig

UEber Panik-Taste und Satellit laesst sich Hilfe holen. Dies ist eine kleine, aber feine Funktion, die das Leben und Transportieren mit Flotten-Management-Systemen leichter und wirtschaftlicher machen. High-Tech-Kommunikation ist fuer einen konkurrenzfaehigen Gueterfernverkehr unabdingbar; das gestiegene Verkehrsaufkommen zwingt Speditionen dazu, ihre Lkws ins hauseigene Kommunikationsnetz zu integrieren. UEber Inmarsat-C beispielsweise kommuniziert Colos, ein Joint-venture von Daimler-Benz Aerospace und Nortel. Inmarsat deckt Europa, Afrika, Suedamerika sowie den Osten Nordamerikas ab und damit andere Gebiete als etwa der Euteltrans-Satellit. Er leuchtet Europa bis zum Ural, den Mittleren Osten und Nordafrika gut aus. Die Kosten-Nutzen-Relation laesst sich mit herkoemmlichen Kommunikationsaufwendungen vergleichen. Vorteil der IT-Loesungen ist die kuerzere Reaktionszeit.