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30.07.1999 - 

Newcomer in Deutschland: Qnet GmbH

IT-Makler wollen US-Startups hierzulande salonfähig machen

Von Andrea Goder* KRONBERG/TS. - Innovative ausländische Softwareschmieden und deren Produkte im deutschen Markt zu etablieren, hat sich die Qnet Systems GmbH auf ihre Fahnen geschrieben. Die "IT-Makler" richten dabei ihr Auge vor allem auf zündende Geschäftsideen junger US-Firmen.

Letztlich dürfte der Deal für die in Kronberg/Taunus ansässige Qnet GmbH dann doch eine Nummer zu groß gewesen sein. Für mehrere Millionen Dollar schluckte Datenbankriese Oracle vor wenigen Wochen die US-Softwarefirma Thinking Machines. "Auch wir wollten das Unternehmen kaufen", räumt Rolf Levenhagen, geschäftsführender Gesellschafter von Qnet, ein. Mit der Übernahme durch Oracle endete jedenfalls das letzte Kapitel der wechselvollen Geschichte von Thinking Machines. Vor zehn Jahren stand der damalige Hersteller von Supercomputern mit dem Ende des Kalten Krieges, das zum Verlust von Militäraufträgen führte, beinahe selbst vor dem Aus, schaffte dann allerdings die 180-Grad-Wendung zum Software-Anbieter. Einziges Produkt seit der Neuausrichtung war bislang die Data-Mining-Lösung "Darwin" - eines von mehreren Produkten aus dem "High-Tech-Potpourri" der Kronberger.

1995 von Levenhagen mitgegründet, versteht sich Qnet vor allem als Drehscheibe zu diversen Startups in Übersee. "Versionspflege" der entsprechenden US-Produkte und Kundensupport sind dabei die wichtigsten Aufgaben der Hessen, die zu ihren Kooperationspartnern - also Firmen, die als Systemintegratoren besagte "Newcomer"-Produkte von Qnet beziehen und bei ihren Kunden zum Einsatz bringen - IBM, Siemens, Andersen Consulting, Lufthansa Systems und Sercon zählen. Auf der Suche nach pfiffigen Lösungen (und Anbietern) grast Levenhagen, mit 25jähriger Branchenerfahrung ein alter Hase im IT-Geschäft, deshalb regelmäßig den US-Markt ab. Vielen dürfte der umtriebige Qnet-Chef noch von seiner früheren Tätigkeit als Geschäftsführer der deutschen Tochter von Systems Center bekannt sein. Der Anbieter von Netzmanagement-Lösungen hatte Anfang der 90er Jahre mit der Suite "Netmaster" zeitweise in einem ansonsten von IBM beherrschten Markt für Furore gesorgt.

Doch zurück zur Gegenwart: Spannend sind für Qnet eigenen Angaben zufolge vor allem Neuentwicklungen im Bereich Internet und Call-Center. Insbesondere liegt dabei der Fokus auf Produkten, mit denen Unternehmen die Kundennähe und ihre Kommunikationsstrukturen verbessern können. "Customer Care ist unser Thema", so Levenhagen. Auch mit Interactive Intelligence Inc. aus Indianapolis im US-Bundesstaat Indiana glaubt man beispielsweise einen besonderen Treffer gelandet zu haben. Schon seit geraumer Zeit erzielt die Startup-Company mit ihrer Call-Center-Lösung "Enterprise Interaction Center" (EIC) zumindest Achtungserfolge. EIC ist im Prinzip eine PC-basierte Nebenstellenanlage, mit der sich ein NT-Server zu einem umfassenden Kommunikationssystem aufrüsten läßt. Mit Funktionen also, die das gesamte Spektrum interaktiver Call-Center-Applikationen abdecken, etwa Vermittlung, Anrufverteilung, interaktive Sprachausgabe, Sprachpost, Faxserver und Computer-Telefon-Integration (CTI).

Eingebunden in das "Netzwerk" der Kronberger sind beispielsweise auch die Tools der in Boston beheimateten Software-Company Artificial Life. Das vom deutschen Hochschullehrer Eberhard Schöneburg, vormals Gründer und Chef des Softwarehauses Neurotec, vor vier Jahren im "Dunstkreis" des Massachusetts Institute of Technology (MIT) etablierte Unternehmen ist auf die Entwicklung sogenannter Internet-Software-Roboter (Bots) spezialisiert. An die 120 Softwerker tüfteln vom russischen Sankt Petersburg aus an digitalen Assistenten, die Anwendern auf der Basis natürlicher Spracheingabe Navigationshilfe im Cyberspace leisten können, etwa beim Einkauf in Online-Shops.

Die Lösungen von Thinking Machines (Oracle), Interactive Intelligence und Artificial Life sind nur drei von rund 30 Produkten beziehungsweise Anwendungen, die Qnet im deutschsprachigen Markt "gesellschaftsfähig" machen will, wie Levenhagen es nennt.

US-Newcomer haben Defizite im Marketing

Mit jeweils einer Tochtergesellschaft sind die Hessen zudem neuerdings auch in Irland und Südafrika präsent. Daß die vielfach technikverliebten Startup-Betreiber nicht selten an Marketing-Defiziten scheitern, weiß der Qnet-Chef nur zu gut. Eigene Vertriebsaktivitäten im Ausland zu starten kann jedoch zu einem kostspieligen und riskanten Unterfangen werden. Kommt es hier zu personellen Fehlbesetzungen, sind Flops vorprogrammiert. Dieses Dilemma der US-Newcomer ist wiederum das Geschäft der Hessen. "Was diesen Firmen fehlt, ist das, was wir haben: ein Netz aus Beziehungen und Kontakten", erklärte Levenhagen vor Journalisten auf einer "US-Technologietour" seines Unternehmens.

Die Gefahr, daß sich die Big Player (wie im Falle Thinking Machines geschehen) auf interessante "Happen" stürzen, sieht Levenhagen mit Gelassenheit. Im Zweifel könne man hier den einen oder anderen Trumpf ausspielen. Eigenen Angaben zufolge vertreibt Qnet die Produkte bis auf wenige Ausnahmen exklusiv. "Sollte uns ein Unternehmen wegbrechen, muß man uns unsere vertraglich garantierte Exklusivität erst einmal versilbern", so der Qnet-Chef. Vielleicht startet aber auch einer der Newcomer selbst in Richtung Weltmarkt durch. Die schon börsennotierte Artificial Life Inc. zum Beispiel; oder Interactive Intelligence, wo man ebenfalls ein Listing an der Nasdaq anstrebt.

Keine Eile haben die Hessen hingegen mit dem eigenen Going Public. Vielleicht auch deshalb, weil die zuletzt etwas stagnierenden Geschäftszahlen im Moment keine Wachstumsstory hergeben, wie sie am Neuen Markt üblich ist. Mit 14,8 Millionen Mark im Geschäftsjahr 1998 konnte das Unternehmen, das 19 Mitarbeiter beschäftigt, den Umsatz gegenüber dem Vorjahr (13,2 Millionen) nur geringfügig steigern. Leicht rückläufig zeigte sich in der 1998er Bilanz die Gewinnentwicklung. Ausgewiesen wurden 1,4 Millionen Mark nach 1,8 Millionen im Jahr 1997. Ungeachtet dessen soll es bereits in den kommenden Monaten mit den Zahlen kräftig nach oben gehen. Levenhagen rechnet sowohl in diesem als auch im Jahr darauf mit Zuwächsen von jeweils 50 Prozent.

*Andrea Goder ist freie Journalistin in München.