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05.02.1999 - 

Tivoli-Chef Lindelow kündigt integrierte Speicherverwaltung an

IT-Management-Projekte müssen nicht scheitern

Mit Jan Lindelow, Chairman und Chief Executive Officer (CEO) von Tivoli, sprach CW-Redakteur Martin Seiler.

CW: Sie haben im letzten Jahr nicht nur die Architektur, sondern auch den Namen Ihrer Management-Lösung von "TME 10" in "Tivoli Enterprise Software" geändert. Wie haben Ihre Kunden darauf reagiert?

LINDELOW: Ich persönlich hasse Abkürzungen. Wir in der IT-Industrie neigen dazu, die Anwender damit zu verwirren. Wenn Sie sich jetzt das Tivoli-Produktportfolio anschauen, finden Sie keine Akronyme mehr, wir haben sie durch sprechende Namen ersetzt. Die Bezeichnung sagt, wofür ein Produkt gedacht ist. Wir haben Schluß gemacht mit TME xyz, Version sowieso. TME 10 war zwar ein?etablierter Name, aber ich glaube, daß sich die Kunden bereits an die Änderung gewöhnt haben.

CW: Die Änderung der Tivoli-Architektur äußert sich unter anderem darin, daß sie nun auch intelligente Agentensoftware beinhaltet. Computer Associates (CA) hat mit den "Neugents" ein ähnliches Konzept in Unicenter integriert. Worin liegt der Unterschied?

LINDELOW: Ich kenne keine Details der CA-Software. Was unsere Lösung angeht: Unternehmen wie Intel, Microsoft, 3Com oder Cisco unterstützen sie. Wenn Kunden also Produkte von diesen Herstellern kaufen, ist die Agententechnik gleich mit dabei. Außerdem ist diese Software unzerstörbar: Selbst wenn jemand sie löscht, wird sie automatisch über das Netzwerk wieder ersetzt.

CW: Als weitere Änderung der Architektur ist die Modularisierung zu nennen. Für Kunden ist das erfreulich - sie brauchen nicht gleich das komplette Framework zu installieren. Aber laufen Sie damit nicht Gefahr, das Territorium Ihrer Partner zu verletzen, die ja Einzellösungen für Ihr Produkt anbieten?

LINDELOW: Nein, das bedeutet die Technologie nicht. Es gibt zwar mehrere Bereiche, wo wir ebenfalls Lösungen anbieten, der Kunde also wählen kann. Wir haben einige Akquisitionen getätigt - etwa die von Software Artistry - und haben die so dazugewonnenen Produkte in das Tivoli-Portfolio integriert. Aber der Kunde kann sich frei entscheiden, ob er diese Lösung einsetzen will oder eine andere.

CW: Tivoli hat gerade einen weitreichenden Kooperationsvertrag mit der Telekom geschlossen (siehe Artikel auf dieser Seite). Welche Bedeutung messen Sie dieser Übereinkunft bei?

LINDELOW: Wir festigen damit unsere Position nicht nur in Deutschland, sondern auch in Europa. Deutschland speziell stellt für uns den größten europäischen Markt dar. Mit dieser Partnerschaft bringen wir unsere Produkte nicht bloß zur Telekom und ihrer Tochter Deutsche Telekom Computer Service Management GmbH (DeTeCSM), sondern darüber hinaus zu deren Kunden. Das kommtnatürlich unserem strategischen Ziel zugute, unsere Technologie als Standard im Bereich System-Management zu etablieren.

CW: Ist das der einzige Vorteil?

LINDELOW: Nein, ganz und gar nicht. Eine Kooperation wie diese nützt uns auch bei der Entwicklung unserer Technologie. Gerade der Kontakt mit der Telekommunikationsbranche ist für uns von unschätzbarem Wert. Diese Unternehmen treiben den gerade zu beobachtenden Wandel voran. Es geht nicht nur darum, die Unternehmens-DV, also Netzinfrastruktur und -komponenten, zu verwalten, sondern darüber hinaus auch Applikationen und verschiedene Arten von Daten. Ich denke etwa an die Kombination von verschiedenen Medientypen und der IT-Landschaft. Dies wird in Zukunft sehr wichtig sein.

CW: Ihr Konkurrent BMC hat Ende letzten Jahres Boole & Babbage gekauft - wächst Ihnen ein neuer starker Gegner heran?

LINDELOW: Nein, nach wie vor ist CA unser Hauptkonkurrent. Durch die Akquisition hat BMC lediglich beim Mainframe-Management einen Fuß in die Tür bekommen.

CW: Wodurch unterscheiden sich Ihre Produkte von denen der Mitbewerber?

LINDELOW: BMC konzentriert sich sehr stark auf den Bereich Applikations-Management, während wir dagegen die Verwaltung der gesamten Infrastruktur angehen. Die Berührungspunkte sind sehr klein.

Im Gegensatz zu CA haben wir unsere Technologie von Grund auf neuentwickelt und ergänzen sie von Zeit zu Zeit um zusätzliche Funktionen. Unicenter dagegen besteht aus einer Unmenge von einzelnen Technologien, die sich CA zusammengekauft hat und die integriert werden müssen.

CW: Wie wirkt sich das aus?

LINDELOW: Unsere Lösung ist skalierbarer, weil sie eben homogener ist. Dennoch eignet sie sich zur Verwaltung heterogener Umgebungen. Außerdem sind wir offener: Selbst wenn ein Anwender Tivoli einsetzt, kann er daneben auch andere Management-Lösungen benutzen. Wir nageln niemanden auf Tivoli fest.

CW: Hat sich CAs gescheiterter Versuch, Computer Sciences Corp. (CSC) zu übernehmen, auf Tivolis Geschäft ausgewirkt?

LINDELOW: Eigentlich nicht. CA hat aber damit indirekt zugegeben, daß unser Ansatz der richtige ist: Wenn Sie alle Leute weltweit zusammennehmen, die Anwendern bei der Implementierung von Tivoli-Produkten helfen können, erhalten Sie eine Zahl etwa in der Größenordnung von 4000. Davon sind nur etwa 800 Mitarbeiter von Tivoli. Das resultiert aus unseren Partnerschaften - wir haben eine Industrie rund um Tivoli geschaffen. Wir tragen damit auch dem Umstand Rechnung, daß es sich hier um komplexe Software handelt, die nicht an einem Tag installiert wird und sofort läuft. Kunden brauchen qualifizierte Techniker, um die Lösungen erfolgreich zu implementieren. Hier haben wir gegenüber CA einen Vorsprung, denn wir bieten unseren Kunden dieses Know-how.

CW: Sie sprechen da einen heiklen Punkt an: Einer Studie der Meta Group zufolge scheitert etwa ein Drittel aller System-Management-Projekte. Was sind die Gründe hierfür, und wie will Tivoli dies ändern?

LINDELOW: Ich glaube, daß wir bei Tivoli dieses Problem überwunden haben. Das ist Schnee von gestern. Genau deshalb haben wir TME 10 überarbeitet: Wir wollten die Skalierbarkeit erhöhen und die Implementierung, den Einsatz und die Wartung vereinfachen. Was vorher Monate dauerte, schaffen wir dank unserer neuen Technologie jetzt in ein paar Wochen. Die Rückendeckung durch IBM ermöglicht es uns, Lösungen für Probleme anzubieten, an denen andere noch nicht mal angefangen haben zu arbeiten.

CW: Lassen Sie uns über Ihre Kooperation mit Novell reden. Welche Bedeutung messen Sie dieser Zusammenarbeit bei?

LINDELOW: Eigentlich unterscheidet sie sich nicht von anderen Kooperationen. Wir haben solche Vereinbarungen mit fast allen großen Playern. Wir tun das, um sicherzustellen, daß wir auch wirklich die Lösungen dieser Hersteller verwalten können. In unseren Testlablors in Austin haben wir 3000 Desktops und 600 verschiedene Server-Typen mit Produkten von Novell, Cisco - was Sie sich vorstellen können.

CW: Inwiefern spielten die Novell Directory Services (NDS) eine Rolle?

LINDELOW: Natürlich wollen wir sicherstellen, daß das Zusammenspiel zwischen unserer Lösung und den NDS reibungslos verläuft. Wir konzentrieren uns aber nicht nur auf diesen Verzeichnisdienst - wir wollen für andere Lösungen offen bleiben.

CW: Die bislang zur Konzernmutter IBM gehörende Storage Systems Division zählt seit kurzem zu Tivoli. Sollen deren Speicher-Management-Lösungen in die Enterprise Software integriert werden, oder bietet Tivoli diese Produkte separat an?

LINDELOW: Viele unserer großen Kunden wünschen sich Funktionen für das Speicher-Management in unserer Software. Wir wollen darüberhinausgehen und etwas bieten, was wir intelligentes Speicher-Management nennen. Unsere Kunden sollen sich nicht den Kopf zerbrechen müssen, wie sie Backups machen, wie sie eine Image-Datei anlegen oder was sie zu tun haben, um solche Images etwa zwischen dem Mainframe und einem Server abzugleichen. Das System wird sich für sie darum kümmern, indem wir entsprechende Funktionen in Tivoli-Lösungen integrieren.

Kooperation Tivoli/DeTeCSM

Die Telekom wird der weltweit größte Kunde von Tivoli Systems Inc. Beide Unternehmen haben unlängst einen Kooperationsvertrag unterzeichnet, demzufolge die Tochter des Bonner TK-Riesen, die Deutsche Telekom Computer Service Management GmbH (DeTeCSM), konzernweit die "Tivoli Enterprise Software" (vorher TME 10)implementieren soll. Ziel ist es, letztendlich 5000 Server und 135000 Clients bundesweit zu verwalten. Bislang konzentrierte sich die DeTeCSM auf das Netzwerk-Management bei der Konzernmutter.

Durch die Tivoli-Lösung will sie ihr Dienstleistungsangebot jedoch auf die gesamte Systemadministration bis hin zum Applikations- und Desktop-Management erweitern. Außerdem plant die DeTeCSM, ihr Outsourcing-Angebot für Kunden um den Bereich System-Management auf Basis von Tivolis Enterprise Software zu erweitern. Dazu Hartmut Wittig, Leiter Unternehmensstrategie bei DeTeSM: "Wir müssen unsere Kräfte jetzt mit Anbietern wie Debis messen."

Beide Seiten werden von dem Deal profitieren, wie Alexander Röder, Vorsitzender der Geschäftsführung der Telekom-Service-Tochter, erläutert: "Wir haben einen direkten Draht zum Tivoli-Entwicklerteam, was für uns bedeutet, daß unsere Wünsche bevorzugt bearbeitet werden. Für Tivoli hat die Kooperation den Vorteil, daß es über uns die konkreten Wünsche der Kunden erfährt."

Den genauen monetären Wert des zunächst auf vier Jahre ausgelegten Vertrags wollten die beiden Unternehmen nicht verraten. Angaben von Röder zufolge handelt es sich dabei jedoch um einen "nicht kleinen zweistelligen Millionenbetrag". Für Tivoli bedeutet der Vertragsabschluß eine Stärkung des internationalen Geschäftes. Laut Jan Lindelow, CEO bei der IBM-Tochter, erzeugt seine Company bereits jetzt annähernd die Hälfte ihres Umsatzes außerhalb der USA.