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15.10.1999 - 

E-Commerce

IT-Manager tragen Chefs zum Jagen

Während jeder zweite IT-Manager konkret über E-Commerce-Strategien nachdenkt und die weitere Verbreitung des elektronischen Business positiv einschätzt, zeigen sich die nach eigenem Urteil nur unzureichend informierten Firmenchefs äußerst zurückhaltend. Das belegt eine Studie der Sterling Commerce, Düsseldorf. Klaus Göbbel* berichtet.

:Die Prognosen klingen schon seit Jahren verlockend. Electronic Commerce, erklären die Analysten und Branchenvertreter optimistisch, wird auch in Deutschland einen äußerst erfolgreichen Weg einschlagen. So erwartet der Verband der deutschen Internet-Wirtschaft ECO bis zum Jahr 2001 ein Volumen von 86 Milliarden Mark im Business-to-Business-Bereich, und im Online-Geschäft soll ein Umsatz von 17 Milliarden Mark erreicht werden.

Diese positiven Verheißungen beruhen auf der Annahme, daß innerhalb von zwei Jahren eine Verdreifachung der Internet-Umsätze erfolgen wird. Der Realisierung einer solchen Dynamik stehen manche E-Commerce-Anbieter jedoch sehr skeptisch gegenüber. Auch Roland Ebert-Weglehner aus der Geschäftsleitung von Sterling Commerce, warnt. "Daß das Internet-Business auch in Deutschland den Durchbruch schaffen wird, steht außer Zweifel. Es gibt insbesondere hierzulande aber noch Faktoren, die übermäßig hemmend wirken", plädiert er für eine realistische Betrachtung und fordert statt dessen mehr Initiative. "Wir müssen uns mehr darum kümmern, die tatsächlichen Hemmschwellen ausfindig zu machen und sie abzubauen."

Die größten Widerstände auf dem Weg ins E-Commerce-Zeitalter sieht Ebert-Weglehner in den Informationsdefiziten und begründet diese These mit den Ergebnissen einer internen Studie. Demnach geben zwei Drittel der befragten Vorstandsmitglieder und Geschäftsführer, die im E-Business derzeit keine nutzbaren Wettbewerbspotentiale entdecken, "unzureichende Kenntnisse" zu Protokoll.

Gleichzeitig kommt die vergleichende Meinungsanalyse von über 400 Top-Entscheidern und ebenso vielen IT-Verantwortlichen aus Firmen mit mehr als 100 Millionen Mark Umsatz zu einem weiteren ernüchternden Resultat: Lediglich in jedem zehnten Unternehmen werden E-Commerce-Projekte von der Geschäftsleitung offensiv unterstützt, weitere 18 Prozent beschäftigen sich aktuell zumindest ansatzweise mit Geschäftslösungen via Internet.

Damit hat E-Commerce in den Wettbewerbsstrategien der Firmen faktisch die Wirkung einer stumpfen Waffe, denn die Unternehmens-Manager wollen auch für die nahe Zukunft ihre reservierte Haltung nicht aufgeben: Lediglich jeder zehnte weist dem elektronischen Business für die nächsten beiden Jahre eine große Bedeutung in der eigenen Vermarktungspolitik zu.

Zuviel über technische Aspekte diskutiert

"An diesem Punkt müssen wir ansetzen", skizziert Ebert-Weglehner die Marschrichtung der IT-Anbieter. "Offenbar wurde im Zusammenhang mit E-Commerce zuviel über technische Aspekte diskutiert, und der Nutzen konnte dabei nicht ausreichend transparent gemacht werden."

Diese Auffassung wird seiner Ansicht nach auch dadurch bestätigt, daß selbst bei denjenigen Unternehmen, die sich gegenüber dem Geschäft über das Internet offen zeigen, die strategische Ausrichtung alles andere als sattel- fest ist.

Jede dritte Firma hat für sich immer noch keine Entscheidung getroffen, ob sie die Konzentration auf den elektronischen Handel oder auf Lösungen im Business-to-Business ausrichten soll. Für 29 Prozent hingegen ist klar, daß sie beide Felder besetzen wollen.

Diese Frage der Zielgruppenbestimmung wird angesichts einer anderen Problematik jedoch fast zur Nebensache. Die Studie offenbart nämlich die Führungskräfte als Bremser der IT-Manager, die wesentlich offensiver mit E-Commerce umgehen. So beschäftigt sich derzeit jeder vierte von ihnen bereits umfassend mit diesem Thema; eine ähnlich starke Gruppe ist gerade dabei, in diesem Feld Fuß zu fassen.

Aus ihrem Tun ist deutlich die Forderung herauszulesen, daß E-Commerce wesentlich stärker ins Blickfeld gelangen sollte, als dies gegenwärtig zugelassen wird.

Und in fast schon oppositioneller Haltung gegenüber der Chefetage verstehen sie sich als Motor eines Veränderungsprozesses: Jeder dritte IT-Verantwortliche plädiert vehement dafür, den Wettbewerbsstrategien der nahen Zukunft deutlich erkennbare elektronische Akzente zu verleihen. Fast der gesamte Rest will auch schon in den nächsten zwei Jahren wenigstens ein moderates Bekenntnis realisiert sehen.

"Wir haben bewußt eine vergleichende Analyse vorgenommen, um zu ermitteln, wo die Hemmschwellen des Marktes eigentlich sind und wer sich als Impulsgeber versteht", erläutert Ebert-Weglehner. Und: "Mit einer derart großen Diskrepanz zwischen beiden Befragungsgruppen haben wir allerdings nicht gerechnet."

Als Hauptaufgabe sehen die Unternehmen den Aufbau oder die Erweiterung der E-Commerce-Infrastrukturen. Aber auch hierbei erweisen sich die IT-Manager als treibende Kraft und zeigen sich ausgesprochen offensiv: 87 Prozent der Technikverantwortlichen, die sich in der Studie für ein Engagement im elektronischen Geschäft ausgesprochen haben, wollen diese Maßnahmen in Angriff nehmen. Demgegenüber sehen nur halb so viele Firmenchefs die Notwendigkeit, die Infrastrukturbedingungen auf E-Commerce auszurichten.

*Klaus Göbbel ist freier Journalist in Köln.