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21.06.2005

IT "mattert" - deutliche Antworten auf Carr

IT ist wettbewerbsrelevant, meinen CIOs - vor allem für die Prozessoptimierung.

Nicholas Carr hat es wieder einmal geschafft: Die rund 1200 Teilnehmer der Konferenz "Software-Industrialisierung", die vergangene Woche von der sd&m AG in Frankfurt am Main ausgerichtet wurde, hingen an seinen Lippen, als der Journalist und Buchautor ("Does IT matter?") erneut das Differenzierungspotenzial von IT im unternehmerischen Wettbewerb in Frage stellte. Carr stieß auf Zustimmung und Ablehnung gleichermaßen.

Dirk Berensmann, CIO der Postbank, widersprach dem Journalisten und betonte, dass sich insbesondere in Vertrieb und Marketing, aber auch im Bereich der Prozessoptimierung große Chancen durch optimalen IT-Einsatz böten. Nicht realisiert werde derzeit in vielen Fällen das Potenzial, das eine Synchronisation der verschiedenen Vertriebskanäle biete - beispielsweise beim Online- und Filialgeschäft einer Bank. Im Übrigen gehe es letztlich um die Optimierung von Geschäftsprozessen durch die IT - "das Einzige, was ich im Unternehmen wirklich beeinflussen kann". Die IT habe sich hier in den letzten Jahren zu wenig weiterentwickelt.

Berensmann, von der computerwoche 2004 zum "IT-Executive des Jahres" gewählt, betonte die Notwendigkeit, die IT-Ressourcen besser zu steuern und zu kontrollieren. IT-Spezialisten seien anders zu führen, ihre Interessen und Präferenzen wichen von denen der Durchschnittsbevölkerung ab. Deshalb bedürfe die IT einer "eigenen Governance". IT-Profis hätten ihre speziellen Wertmaßstäbe, mit herkömmlichen Führungs- und Steuerungsstrukturen seien sie kaum zu erreichen. "Die Veränderung in der IT selbst wird das entscheidende Thema sein", schloss Berensmann seinen Vortrag ab.

IT selbst ist Commodity

Sue Unger, CIO von Daimler-Chrysler, erklärte ebenfalls, es komme ausschließlich auf die Art und Weise an, in der IT genutzt werde. "Die Technik selbst ist Commodity, da hat Carr Recht", sagte Unger. Entscheidend sei der IT-Einsatz, um Geschäftsprozesse zu verbessern. Wie viel Spielraum es hier gibt, belegte Unger am Beispiel des mit sd&m-Hilfe realisierten Tools "cvd Partfinder". Daimler-Chrysler spürt damit im weltweiten Konzern Einzelteile auf, die zur Herstellung von Fahrzeugen benötigt werden. Ein Lkw beispielsweise bestehe aus rund 10000 davon. Mit dem Tool gelinge eine effizientere Verwaltung, außerdem könne man gezielter einkaufen und bessere Preise erzielen.

Auch Clemens Jochum, Chief Technology Officer der Deutschen Bank, ging auf Carr ein. IT werde zur Infrastruktur, insofern liege der Autor richtig. Allerdings bedeute das nicht, dass Informationstechnik damit weniger wichtig werde. "IT mattert", sagte Jochum und betonte, dass die IT der Deutschen Bank angesichts der täglich abzuwickelnden Transaktionen im Wert von dreistelligen Euro-Milliardenbeträgen wie ein Uhrwerk funktionieren müsse - ein Ausfall sei eine Katastrophe. "Es geht um Stabilität und geringe Komplexität", so der CIO. Ein Wettbewerbsvorteil lasse sich heute jedoch durch IT oder individuell entwickelte Software nicht mehr erzielen. (hv)