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25.01.2002 - 

IT in Banken/Karriere in der Finanzwelt

IT-Nachwuchs entdeckt Banken als Arbeitgeber

MÜNCHEN (am) - Banken bauen Stellen ab. So nimmt es die Öffentlichkeit zurzeit wahr. Doch dies gilt offensichtlich nicht für den IT-Bereich. Für ihn suchen die Kreditinstitute immer noch Mitarbeiter.

Größe. Dieser Begriff stand jahrelang für Unbeweglichkeit. Mit Größe ist jedoch auch eine Vielzahl von Entwicklungsmöglichkeiten verbunden. Dies sah der IT-Nachwuchs aber nicht so, standen doch die deutschen Großbanken, ebenso wie viele Konzerne aus anderen Branchen, bei den Young Professionals nicht hoch im Kurs. "Während des Internet-Hypes hatten wir Schwierigkeiten, überhaupt zu den Bewerbern durchzudringen. Mittlerweile hören sie uns aber zu", so Tim Ackermann, der als Senior Recruiter IT-Nachwuchs für die Deutsche Bank sucht.

Bereits im vergangenen Jahr bekam die Deutsche Bank, die allein in Deutschland zwischen 6000 und 7000 IT-Mitarbeiter beschäftigt, 2500 Bewerbungen in diesem Bereich, genug, um alle offenen Positionen zu besetzen. Wenn die Zahl der offenen Stellen zurückgeht, scheinen die Kandidaten nun die Anwenderbranchen wie Banken zu entdecken, die bisher immer im Schatten der IT-Hersteller und IT-Berater standen.

Dabei machen die Großbanken zurzeit durch den geplanten Abbau von 17000 Stellen in Deutschland Schlagzeilen. Während vor allem im Filialgeschäft gestrichen wird, scheint der Kelch des Stellenabbaus am IT-Bereich vorüberzugehen. " Für die Softwareentwicklung und den Betrieb von Anwendungen suchen wir nach wie vor. Auch haben wir aktuell einige Stellen für IT-Berater bei unserer Tochter Sinius zu besetzen, die Technologietrends bewerten und Outsourcing-Projekte begleiten sollen", erklärt Ackermann. Allerdings schaue man sich den jeweiligen Kandidaten kritischer an und überlege genauer, ob er das gesuchte Profil wirklich trifft.

Das Beispiel E-Commerce zeigt, wie sich die aktuelle wirtschaftliche Lage auf die Anforderungen der Banken auswirkt. Vorbei sind die Hype-Zeiten, in denen für diesen Bereich viele Kandidaten gesucht wurden. Heute lautet Ackermanns Credo: "Wenn wir jemanden für den E-Commerce-Bereich einstellen, dann muss er fundierte Programmierkenntnisse mitbringen. Für Wirtschaftswissenschaftler mit Schwerpunkt E-Commerce ist es relativ schwierig geworden, wenn er über keinerlei technische Erfahrungen verfügt."

Fundiert ist ein Wort, das sich Personalverantwortliche wieder in den Mund zu nehmen trauen. Genügte in Zeiten großer Personalnot schnell angelerntes Wissen oder manchmal auch die bloße Lernbereitschaft, sind heute wieder ein abgeschlossenes Studium und praktische Erfahrungen ein Muss. Für Holger Hansen, Teamleiter Personalbeschaffung und -Marketing für die Gruppe Deutsche Börse , kommen zwei wichtige Anforderung hinzu: "Da die Hälfte unserer IT-Experten nur projektbezogen arbeitet, brauchen die Bewerber in erster Linie gute analytische Fähigkeiten, damit sie im Projekt gleich ihren Mann stehen können. Zusätzlich sind soziale Fähigkeiten sehr wichtig, damit sie sich schnell ein Netzwerk aufbauen können."

Hansen ist sich der gestiegenen Ansprüche bewusst, gleichzeitig aber bereit, an anderer Stelle Zugeständnisse zu machen: "Durchsetzungsvermögen und analytisch-strukturiertes Arbeiten sind Fähigkeitsmerkmale, die zu ihrer Entfaltung vor allem Zeit benötigen." Demnach sei das Primat des schnellen Studiums und des Jung-sein-Müssens mittlerweile ein wenig abgeschwächt.

Mehr InitiativbewerbungenAuch die Deutsche Börse, von deren 1100 Beschäftigten sich mehr als jeder Zweite mit IT befasst, profitiert vom schwächelnden IT-Arbeitsmarkt. Dazu Hansen: "Die Initiativbewerbungen haben spürbar zugenommen und sind oft auch qualitativ gut." Gute Ausgangsbedingungen für den Personal-Manager, zumal er in diesem Jahr etwa 250 offene Positionen, davon die Hälfte im Bereich IT, zu besetzen hat. Denn die Börse, die die Elektronisierung der Märkte vorantreiben will, möchte in diesem Jahr wieder wachsen, nachdem 2001 nur frei werdende Positionen wiederbesetzt worden waren.

Wunschkandidaten sind für die Börse wie auch für die Deutsche Bank diplomierte Informatiker, Mathematiker oder Physiker. "Diese Studienrichtungen führen jeweils zu einer bestimmten Art der Problemlösung hin. Wir wollen Mitarbeiter mit verschiedenen Lösungsansätzen in unseren Projekten. Das bringt diese voran", erklärt Hansen. Informatiker, Mathematiker und Physiker werden mit eigenen Broschüren angesprochen und bereits während des Studiums dazu eingeladen, das Börsenparkett, aber auch die ganze Technik dahinter zu besichtigen.

Interesse für die Finanzwelt wird von den Bewerbern erwartet, spezifisches Bankenwissen nicht. "Wir bringen den Leuten selbst bei, was ein Derivat ist", sagt Hansen. Der Mitarbeiter lernt on-the-job in Projekten und in Seminaren. Wert legt die Börse auf eine gute und möglichst breite Qualifizierung ihrer IT-Mitarbeiter, sodass sie möglichst früh Projekt- und Budgetverantwortung übernehmen können. Auch die Deutsche Bank setzt beim IT-Nachwuchs kein Branchen-Know-how voraus. Das wird besonders geeigneten Kandidaten in einem sechs- bis zwölfmonatigen Traineeprogramm vermittelt. Die etwa 30 IT-Trainees werden ebenso entlohnt wie die Direkteinsteiger, bekommen aber neben zahlreichen Schulungen noch die Chance, sich durch verschiedene Projekteinsätze ein Netzwerk aufzubauen - ein wichtiger Schritt, um später in der Großbank Karriere zu machen.

Gute Chancen haben bei der Deutschen Bank derzeit auch flexible Kandidaten. Aktuell sucht Ackermann händeringend Analysten mit IT-Background, die zu internationalen Einsätzen in New York, London oder Singapur bereit sind. Sie sollten sich schnell in Programmiersprachen einarbeiten können und zudem gewisse Kenntnisse von Finanzmärkten besitzen. Diese Kombination können nicht viele Bewerber vorweisen - gute Startbedingungen für die Nachwuchskräfte, die sich ernsthaft für einen Job in der Welt des Geldes interessieren und bereit sind, sich ein entsprechendes Qualifikationsprofil aufzubauen. Größe hat auch ihr Gutes.