Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

14.06.2002 - 

Ungewöhnliche Ausbildungskonzepte

IT-Nachwuchs fördern durch Fordern

Neue Wege geht IT-Dienstleister EDS bei der Ausbildung: Schon während der Lehrzeit dürfen die Nachwuchskräfte etwa über Innovationen nachdenken und auch den Lehrern sagen, wo es langgeht. Von Gabriele Müller*

Schon seit 1987 bildet die EDS Service und Informationstechnologie GmbH, Rüsselsheim, Kaufleute aus und engagierte sich von Anfang an auch für die neuen IT-Berufe. Jedes Jahr erhalten mehr Bewerber einen Ausbildungsvertrag - im vergangenen Jahr waren es 30 Einsteiger.

Wer bei EDS startet, bekommt zwar keine Schonzeit, aber viel Unterstützung, um den Übergang von der Schule ins Berufsleben zu meistern. "Wir veranstalten jedes Jahr eine Betriebsrallye, die die Neulinge mit Aufgaben und Fragen durch alle Abteilungen führt", erklärt Ausbildungsleiterin Anja Kraft. Gegenseitiges Kennenlernen fördert auch ein Wochenende, an dem sich alle Ausbildungsjahrgänge zu einem "geheimnisvollen Event" treffen. "Bei Kanufahren und Brückenbauen bilden sich auch jahrgangsübergreifend neue Teams", erinnert sich der 21-jährige Gil Teixeira, der eine Ausbildung zum Informatikkaufmann absolviert.

Vor Überraschungen sind die neuen Mitarbeiter auch im Berufsalltag nicht geschützt. Das Prinzip "Fördern durch Fordern" setzt EDS konsequent um: Da kann es passieren, dass die 19-jährige Ina Kalbfleisch anderen Azubis vermittelt, was sie alles mit dem Internet anstellen können. Das Angebot, zwanglos von Altersgenossen zu lernen, stieß bisher auf großes Interesse. Ermutigt von der positiven Resonanz, organisierte die Ausbildungsabteilung auch eine Schulung von Azubis für Lehrer.

Für die angehenden IT-Profis schrieb EDS darüber hinaus einen Innovationswettbewerb aus, der ihre Phantasie beflügeln sollte. "Informationstechnologie im 21. Jahrhundert" hieß das Thema, das sich mit den Schnittstellen von Mensch und Computer beschäftigte. Die Azubis tüftelten ausgiebig an den Vorschlägen. "Auch wenn es nicht für den ersten Platz reichte, hat es Spaß gemacht, mit anderen zusammen Ideen zu entwickeln und von der Umsetzung zu träumen", meint Teixeira.

Weltmeisterschaft in Südkorea

Obwohl solche Aktionen zusätzliches zeitliches Engagement abverlangen, braucht EDS offensichtlich keine Anreize in Form von Geld oder Freizeit zu geben, um die Azubis zur Teilnahme zu bewegen. Die Unterstützung besteht eher in individuellen Absprachen: So kann der Portugiese Teixeira neben seiner Ausbildung zum Informatikkaufmann mit Hilfe des Unternehmens noch Wirtschaftsportugiesisch büffeln. Sein Kollege Frank Wieser durfte zur deutschen Berufsmeisterschaft der Azubis nach Hamburg fahren, wo er den ersten Platz errang. Kurze Zeit später fand sich der angehende Informatikkaufmann mit Lehrlingen aus aller Welt sogar bei der Berufsweltmeisterschaft in Seoul wieder und überzeugte dort mit seinem Können: Er erklomm den vierten Platz und bekam ein dickes Lob von Firma und Kollegen, die beim Wettkampf mitgefiebert hatten. "Wir wollen den Auszubildenden eine möglichst individuelle Förderung zugute kommen lassen", lautet das Rezept der Ausbildungsleiterin Kraft. Sie legt großen Wert darauf, dass alle Berufsanfänger sehen und wissen, was die "Kollegen" der anderen Ausbildungsrichtungen lernen. Stellt jemand fest, dass seine Schwerpunkte ganz anders aussehen, kann er sich später auch neu orientieren. Wer dagegen weiß, was er will, kann mitunter schnell Karriere machen. Anika Dürkes war mit ihrem Ausbildungsjahrgang die erste, die bei EDS den neuen Berufsabschluss innerhalb von zweieinhalb Jahren in der Tasche hatte. Heute managt die 22-jährige Informatikkauffrau als Juniorberaterin selbständig Kundenprojekte und lernt dabei halb Europa kennen. An Selbstbewusstsein mangelt es der jungen Frau, die in einer klassischen Männerdomäne arbeitet, nicht: "Ich überzeuge unsere Kunden durch meine Arbeit." Dass sie nebenbei noch ein Studium an einer Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie zur Informatikbetriebswirtin absolviert, "ist nichts Besonderes. Das machen vier Leute aus meinem Jahrgang." (am)

*Gabriele Müller ist freie Journalistin in Wuppertal.