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26.04.1996

IT-Normen/OMG-Standard Corba endlich reif fuer den Einsatz

Unternehmen bilden zur Stabilisierung und Steigerung ihrer Wettbewerbsfaehigkeit strategische Partnerschaften. Gemeinsam spielen sie dann ihre Staerken und die gewonnenen Synergien aus. Doch arbeiten die IT-Systeme haeufig nicht zusammen. Abhilfe soll hier die Common Request Broker Architecture (Corba) schaffen.

Von Wolfgang Emmerich und Fabrizio Ferrandina*

Inkompatibilitaet zwischen Hardwareplattformen, Betriebssystemen, Netzwerken und Programmiersprachen sind bei strategischen Partnerschaften an der Tagesordnung und erschweren die Zusammenarbeit. Vor diesem Hintergrund definierte die Object Management Group (OMG) 1994 mit Corba 2.0 (Common Object Request Broker Architecture) einen Standard, der die verschiedenen Datentechniken auf einen Nenner bringen sollte. Nun scheint diese Technologie reif fuer den Einsatz. Zahlreiche kommerzielle Implementierungen stehen zur Verfuegung.

Ebenso wie eine gelungene Unternehmenskooperation den Gewinn aller beteiligten Unternehmen steigert, ist ein mit Corba integriertes System wertvoller als die Summe der darin enthaltenen Einzelapplikationen. So kann Corba etwa ein CIM-System aus Applikationen zur Buchfuehrung, Fakturierung, Kostenrechnung, Logistikkontrolle, Produktionsplanung und -steuerung integrieren.

Ermoeglicht wird eine solche Integration durch die Object Management Architecture (OMA), die Basis fuer Corba ist. In dieser Architektur werden Komponenten zur Applikationsintegration identifiziert und die Schnittstellen der verschiedenen Komponenten - der Objekte - definiert.

Weiterverwendung von Software wird unterstuetzt

Diese Schnittstellen enthalten Operationen und werden in der Programmiersprachen-unabhaengigen Interface Definition Language (IDL) definiert. So kann zum Beispiel ein Rechnungsobjekt aus einer Fakturierungsapplikation einen Buchungssatz erzeugen und einer Operation eines Kontenobjekts aus einer Buchfuehrungsapplikation uebergeben, die den Satz dann verbucht.

Operationsaufrufe werden in der OMA durch den Object Request Broker (ORB) realisiert, der mit einem Telefonsystem vergleichbar ist. Aehnlich wie bei einem Telefonanruf lokalisiert ein ORB die physikalische Position eines angewaehlten Objekts aus einer Objektreferenz - der Telefonnummer - und stellt die Verbindung ueber verschiedene Vermittlungen her. Der ORB codiert dann die zu versendenden Operationsparameter in eine uebertragbare Form, uebermittelt sie, bevor sie auf der anderen Seite wieder decodiert und verarbeitet werden. Die Corba-Spezifikation definiert die dazu notwendigen Schnittstellen mit ihren Fehlerbehandlungsmechanismen.

Corba unterstuetzt durch seine objektorientierte Ausrichtung die Wiederverwendung von Software. Als gleichfalls wiederverwendbare Sammlung von Komponenten, die zur Integration von Corba- Applikationen notwendig sind, definiert die OMG verschiedene Common Object Services (COS). Der auch fuer das Naming gedachte Verwaltungsalgorithmus COS erlaubt zum Beispiel die Suche nach Objekten. So wie man durch die Telefonauskunft zu einem Teilnehmernamen eine Telefonnummer bekommt, liefert er eine Objektreferenz zu einem Objektnamen.

Inzwischen ist ein gutes Dutzend Corba-Implementierungen kommerziell verfuegbar. Die unterstuetzten Plattformen reichen von einfachen Windows-NT- und OS/2-Maschinen ueber alle wichtigen Unix- Implementierungen zu AS/400 und MVS.

Unter den wichtigsten Anbietern befinden sich:

- DEC mit Object Broker,

- Hewlett-Packard mit Distributed Smalltalk,

- IBM mit SOM/DSOM (Distributed Shared Object Model),

- Iona mit Orbix,

- ICL mit Dais und

- Sunsoft mit NEO (Networked Enterprise Objects). Die mit Corba erzielbare Integration geht ueber die mit einem einzelnen ORB zu erreichende Applikationsintegration hinaus. So wie wir von Telefonsystemen unterschiedlicher Hersteller transparente Interoperabilitaet erwarten, verlangen wir dies auch von verschiedenen ORBs.

Eine analoge Vermittlung der Telekom muss an der Abwicklung eines Gespraechs von einem D2-Mobiltelefon teilnehmen, ohne dass der Mobilfunkteilnehmer dies gesondert anmeldet. Ebenso muessen verschiedene ORBs, die moeglicherweise auf unterschiedlicher Hardware, anderen Betriebssystemen und Rechnernetzen laufen, gemeinsam die Operationsaufrufe der mit ihnen verbundenen Objekte abarbeiten, um Plattformintegration zu erzielen. Sie wurde von mehreren Corba-Herstellern gemeinsam auf der Object World 1995 in San Franzisko zum ersten Mal demonstriert und ist jetzt im Internet in der Corbanet Show- case Demonstration zu sehen (http://Corbanet.dstc.edu.au).

Neben dem von der Object Management Group entworfenen Spezifikationswerk regeln auch andere De-facto-Standards die Integration von Software. So bietet Microsoft mit OLE (Object Linking and Embedding) eine Spezifikation an, die neben Corba auf dem Markt steht. OLE ist jedoch weniger maechtig als Corba, da es die Integration von verteilten Applikationen nicht unterstuetzt. Oft wird die Frage gestellt, wie Microsoft zur Interoperabilitaet und den von der OMG festgelegten Spezifikationen steht.

Als OMG-Mitglied nimmt Microsoft an allen technischen Treffen teil und erlaubt anderen Firmen, Bruecken zwischen OLE und Corba zu bauen, so dass hier Interoperabilitaet moeglich ist.

Nicht zuletzt durch den Druck der Microsoft-Anwender, die auf einer Oeffnung bestanden, musste Microsoft OLE-Interoperabilitaet mit Corba ermoeglichen.

So wie bei Geschaeftsprozessen standardisierte und akzeptierte Kommunikationsprotokolle unabdingbar sind, wird in Zukunft auch Corba zur Integration von heterogenen Applikationen unverzichtbar sein. Der Beitrag der OMG dazu ist keineswegs abgeschlossen, sondern wird staendig erweitert. So wurde in diesen Tagen eine modifizierte Version von IBMs und Apples Opendoc zur Standardisierung angenommen.

Opendoc ermoeglicht den Austausch von Dokumentfragmenten zwischen Applikationen und wurde als erste Common Facility der Object Management Architecture (OMA) angenommen. Es benutzt Corba als Kommunikationsmechanismus und wird einen Austausch auch ueber Hardware- und Netzwerkgrenzen erlauben. Ausserdem wird an einem Vorschlag zur Standardisierung eines Java-Interface zu Corba gearbeitet, das die Integration von Corba-Applikationen in das World Wide Web ermoeglicht. Die Implementierung eines Vorschlags ist von Sunsoft fuer Juli angekuendigt.

Corba-Einsatz im Terminal-Leitsystem bei Mannesmann

Wer im kombinierten Gueterverkehr kundengerechten Service bieten will, muss einen reibungslosen Ablauf gewaehrleisten, zum Beispiel beim Umschlag von normierten Ladungseinheiten. Die verschiedenen Systeme und Datentechniken von Transportunternehmen, Speditionen, der Bahn, Aemtern und benachbarten Terminals muessen integriert werden. Funktionale Komponenten wie Lagerverwaltung, Kapazitaetsplanung und Simulation sind ebenso zu unterstuetzen wie verschiedene Terminal-Arbeitsplaetze und Online-Kundenservices. Diese anspruchsvolle Aufgabe hat die Mannesmann Transmodal fuer ihr Terminal-Leitsystem (TLS) definiert. Dazu erstellt die Mannesmann Datenverarbeitung GmbH eine komplexe Software, die diese Anforderung mittels Corba unter einen Hut bringt. Die geforderten Leistungen der TLS-Software-Architektur werden durch Corba und die OMA-Architektur (Object Management Architecture) unterstuetzt. Funktionale Komponenten werden als Business-Objekte mit Schnittstellen-Definitionen nach IDL (Interface Definition Language) entwickelt. Ein Object Request Broker stellt die Infrastruktur fuer die Kommunikation zwischen den Objekten zur Verfuegung. Die zugehoerigen Corba-Services (wie Nebenlaeufigkeit und Persistenz) unterstuetzen dabei die Anwendungsentwicklung. Die Corba-Architektur ermoeglicht die Verteilung der Objekte auf verschiedene Rechner.

Fremdsysteme werden durch die Implementierung von IDL-Wrappern unterstuetzt.

Applikation und Benutzeroberflaeche sind logisch getrennt. Dabei werden die Benutzer-Schnittstellen als Corba-Clients implementiert, die ueber den Object Request Broker auf die Dienstleistungen der Anwendungsobjekte zugreifen koennen.

Kurz & buendig

Die Object Management Group (OMG) ist das weltweit groesste gemeinnuetzige Konsortium von Software-Unternehmen. Die Gruppierung hat ueber 630 Mitglieder und wurde 1989 zur Verbreitung und Standardisierung objektorientierter Technologie gegruendet. Gruendungsmitglieder waren

- 3Com Corporation,

- American Airlines,

- Canon Inc.,

- Data General,

- Hewlett-Packard,

- Philips Telecommunication,

- Sun Microsystems und

- Unisys Corp.

Die OMG ist inzwischen ein sehr effizientes Standardisierungsgremium. Auf ein vom OMG Technical Committee verfasstes Request for Proposals koennen OMG-Mitglieder oder - Mitgliederkonsortien durch Einreichen von Standardisierungsvorschlaegen reagieren. Die Vorschlaege werden vom Technical Committee evaluiert, wenn mindestens ein Mitglied eine Implementierung des Vorschlags vorlegt. Der beste Vorschlag wird den Mitgliedern vom Technical Committee zur Standardisierung vorgeschlagen. Er wird dann angenommen, wenn 75 Prozent der Mitglieder zustimmen.

Der Hauptsitz der OMG ist in Framingham, Massachusetts, USA. Repraesentant fuer Mitteleuropa ist die Log On Technology Transfer GmbH in Kronberg im Taunus.

*Dr. Wolfgang Emmerich ist Senior Consultant, Diplomingenieur Fabrizio Ferrandina ist Business Director bei der Log On Technology Transfer GmbH in Krnonberg bei Frankfurt am Main.