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04.08.2006

IT-Probleme legen britische Hospitäler lahm

Ein mehrtägiger Systemausfall legte die Patientenverwaltung lahm. Ärzte und Pflegepersonal mussten wieder zu Bleistift und Papier greifen.

Erneut haben Pannen das weltweit größte zivile IT-Projekt erschüttert. Am 30. Juli brach im Norden und Westen Großbritanniens in 80 Einrichtungen des National Health Service (NHS) das System zur Verwaltung der Patientendaten zusammen. Die Mitarbeiter in den Hospitälern und Ambulanzen mussten alle Informationen handschriftlich aufnehmen.

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www.computerwoche.de/

578501: Isoft verschiebt Bilanz und stürzt weiter ab;

577640: Kosten für weltweit größtes IT-Vorhaben verdoppeln sich;

574177: Accentures Gewinn bricht ein.

Ein gemeinsames IT-System

Grund dafür war ein Ausfall im Maidstone-Rechenzentrum des Dienstleisters CSC. Laut NHS-Angaben traten die Probleme während eines System-Updates auf. Es seien aber keine Daten verloren gegangen, versicherten die Verantwortlichen. CSC arbeite zusammen mit seinem Vertragspartner Hitachi unter Hochdruck daran, die Systeme zum Laufen zu bringen. Bis zum Donnerstag, 3. August, sollte die IT-gestützte Patientenverwaltung wieder funktionieren.

Der Serviceanbieter CSC ist einer von vier Partnern, mit denen die NHS-Verantwortlichen das Mammutprojekt "Connecting for Health" (CFH) vorantreiben. Damit soll die gesamte IT-Landschaft des britischen Gesundheitssystems modernisiert werden. Unter anderem werden rund 900 000 PCs vereinheitlicht sowie alle Krankenhäuser und Ärzte an ein gemeinsames IT-System angebunden. Ziel ist ein effizienteres Gesundheitswesen.

Kosten werden sich verdoppeln

Doch um das Projekt, in dem neben CSC auch Accenture, die British Telecom und Fujitsu federführend mitarbeiten, steht es nicht zum Besten. Erst vor kurzem meldete der britische Rechnungshof, die Kosten für das auf eine Laufzeit von zehn Jahren angesetzte Vorhaben würden sich verdoppeln. Ging man bisher von einem Aufwand in Höhe von umgerechnet rund 9,5 Milliarden Euro aus, rechnen die Prüfer nun mit Kosten von insgesamt über 18 Milliarden Euro. Damit liegen die Prognosen des National Audit Office allerdings noch unter den schlimmsten Befürchtungen von Kritikern des Projekts, die schon über Kosten in Höhe von 30 Milliarden Euro spekuliert hatten.

Die Prüfer kritisierten in ihrem Bericht auch Verzögerungen im Projektverlauf. So sei in Teilbereichen der Zeitplan bereits weit überschritten. Das liege unter anderem an der fehlenden organisatorischen Ordnung. Die Servicepartner der Gesundheitsbehörde reichen den schwarzen Peter indes direkt an ihre Vertragspartner weiter. So trennte sich beispielsweise kürzlich BT von seinem Partner IDX Systems Corp. Dem im Januar von General Electric (GE) übernommenen Unternehmen sei es nicht gelungen, die vereinbarten Projektziele einzuhalten. Auch Fujitsu hatte sich bereits im vergangenen Jahr von IDX getrennt.

Querelen der beteiligten Anbieter

So manchem IT-Anbieter haben die Querelen rund um das Projekt beträchtlich geschadet. So musste beispielsweise der britische Softwareanbieter Isoft Anfang Juli seine Prognosen für das laufende Geschäftsjahr deutlich nach unten schrauben. Außerdem wurde die Veröffentlichung der Bilanz für das schon Ende April beendete Fiskaljahr 2005/ 06 erneut verschoben.

Schuld an den Problemen sind wohl Streitereien im Rahmen des CFH-Projekts. Isoft ist als Vertragsnehmer von Accenture in das Vorhaben eingebunden. Der Serviceanbieter machte jedoch im Frühling dieses Jahres seinen Softwarepartner für Verzögerungen verantwortlich. In der Folge geriet Isoft ins Straucheln, da Verhandlungen mit Banken über eine neue Kreditlinie ins Stocken gerieten.

Behörde zahlt nach Abschluss

Auch Accenture musste dem Vorhaben bereits Tribut zollen. Im März dieses Jahres berichtete der Dienstleister für sein zweites Fiskalquartal einen Gewinneinbruch auf knapp 68 Millionen Dollar. Schuld daran seien notwendige Rückstellungen in Höhe von 450 Millionen Dollar, die in erster Linie auf Probleme in Großbritannien zurückzuführen seien, hieß es damals.

Diese Fälle dürften längst nicht das Ende der Fahnenstange bedeuten. Die Gesundheitsbehörde bezahlt erst, wenn Projekte abgeschlossen und Produkte abgenommen sind. Bis dahin müssen die vier großen Partner in finanzielle Vorleistung gehen. Ein Risiko, das, wie die vergangenen Probleme gezeigt haben, durchaus ernst zu nehmen ist. (ba)