Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

16.05.1997

IT-Profis kassieren drei Prozent mehr Gehalt

Gehälter werden von einer Vielzahl von Einflußfaktoren bestimmt. Neben der Funktion und dem Alter (Berufserfahrung) wirken sich unter anderem die Größe der DV-Abteilung, die Rechnerart, Größe und Ertragslage des Unternehmens sowie die hierarchische Einstufung aus. Entsprechend groß sind die Gehaltsspannen in den einzelnen Positionen. So kann beispielsweise ein Leiter Organisation und Datenverarbeitung 80000 Mark, aber auch 350000 Mark pro Jahr verdienen.

Beim Systemprogrammierer liegen die Einkünfte zwischen 50000 und 220000 Mark. "Je tiefer in der Hierarchie die Position angesiedelt ist, desto enger ist das Spektrum der Verdienstmöglichkeiten", so Erhard Schmidt, bei der Kienbaum Vergütungsberatung zuständig für die DV-Gehaltsuntersuchungen. Dies hänge damit zusammen, daß teilweise tarifliche Einbindungen auch eine engere Gehaltsspanne zur Folge hätten.

Damit Ausreißer nicht die Statistik verfälschen, orientiert sich die Studie an Grenzwerten (siehe Kasten auf Seite 10). Diese betragen beim Systemprogrammierer 84000 beziehungsweise 109000 Mark pro Jahr.

Auf die Frage, in welchem Bundesland am meisten gezahlt wird, läßt sich keine eindeutige Antwort geben. "Wichtig ist die Struktur der Region. In Ballungsräumen sind die Verdienstmöglichkeiten besser als in ländlichen Gebieten", analysiert Schmidt. Wie auch in den Vorjahren werden die höchsten Gehälter in den Großstädten erzielt. Am attraktivsten ist laut Studie Düsseldorf, wo die Arbeitgeber zehn Prozent über dem Durchschschnitt bezahlen. Es folgen Frankfurt mit neun Prozent sowie München und Köln mit jeweils sechs Prozent. Kienbaum-Berater Schmidt glaubt, daß "eine erhöhte Lebensqualität sowie eine lebhaftere Angebots- und Nachfragesituation nach qualifizierten DV-Spezialisten offenbar die Vergütung in die Höhe treiben" und damit ein Äquivalent für die höheren Lebenshaltungskosten schaffe.

Die wirtschaftliche Situation eines Unternehmens beeinflußt ebenfalls das Gehalt. So geraten in Rezessionszeiten wie den jetzigen die Einkommen der DV-Mitarbeiter ebenfalls unter Druck. Beschäftigte in Unternehmen mit im Vergleich zur Branchenkonkurrenz unterdurchschnittlicher Ertragslage verdienen auch weniger. Die höchsten Gehälter zahlen Firmen mit überdurchschnittlichen Gewinnen.

Diese Tendenz zeigt sich nicht nur bei den Gesamtbezügen, deren Höhe ja wesentlich durch die variablen, erfolgsabhängigen Vergütungselemente bestimmt wird. Die Situation des Unternehmens beeinflußt vielmehr auch die Grundgehälter: Kurzfristige Ertragseinbußen machen sich zwar in aller Regel lediglich bei den variablen Vergütungskomponenten bemerkbar, die langfristige Ertragslage wirkt sich aber sehr wohl auf das gesamte Vergütungsniveau eines Unternehmens aus.

Die Unternehmensgröße, gemessen am Umsatz oder an der Beschäftigtenzahl, ist bei den DV-Mitarbeitern laut den Gummersbacher Vergütungsspezialisten nicht so gehaltsbestimmend wie vielleicht angenommen. Große Betriebe zahlen jedoch tendenziell besser und bieten zumeist die attraktiveren Zusatzleistungen.

Das Alter, also auch zwangsläufig die Berufserfahrung, und die Größe der DV-Abteilung, gemessen an ihrer Beschäftigtenzahl, bleiben nach wie vor für die Vergütungshöhe bestimmende Faktoren. Zusätzlich hat die Größe der DV-Abteilung Einfluß auf die Entlohnung ihrer Führungskräfte, da hier das Element der Personalverantwortung von Bedeutung ist.

So erhält ein Leiter DV-Betrieb, der in einem Unternehmen mit zehn DV-Mitarbeitern arbeitet, 117000 Mark pro Jahr, und sein Kollege mit über 100 Mitarbeitern bezieht ein um 35000 Mark höheres Einkommen. Ein Anwendungsprogrammierer mit 30 Jahren verdient 71000 Mark pro Jahr, sein Kollege mit 48 Jahren dagegen kann 33000 Mark mehr auf seinem Konto verbuchen.

Das Gehalt hängt auch von der Beschaffenheit der DV-Anlage ab. Kienbaum hat die Rechner in fünf Klassen unterteilt:

- Arbeitsplatzrechner,

- lokale Netze,

- Abteilungsrechner,

- Groß-EDV I

(Rechner der unteren bis mittleren Leistungsklasse bis 500 Terminals) sowie

- Groß-EDV II

(Rechner der oberen Leistungsklasse mit über 500 Terminals).

Tendenziell zahlen die Firmen nach wie vor in der Großrechnerwelt höhere Gehälter, da hier in der Regel Spezialkenntnisse in größerer Tiefe erforderlich sind. In kleineren Unternehmen sind oft mehrere DV-Funktionen zusammengefaßt, so daß ein breiteres Fachwissen gefragt ist. Demnach verdient ein Systemprogrammierer hier rund 6000 Mark weniger im Jahr als sein Kollege in der Groß-DV. Legt man die monatlichen Wartungskosten als Maßstab an, erhält ein Leiter DV-Betrieb, der an einer Anlage mit 10000 Mark Wartungskosten pro Monat arbeitet, 120000 Mark pro Jahr. 11000 Mark mehr verdient sein Kollege, der eine Anlage betreut, die im Monat 120000 Mark Wartungsdienst kostet.

Die Ausbildung der DV-Mitarbeiter hat sich permanent verbessert. Beschäftigte, die sich noch vor 20 Jahren in der eigenen DV-Abteilung des Unternehmens oder in Spezialkursen ihr Wissen aneigneten, haben heute keine Chance mehr, in qualifizierte Positionen zu gelangen. Die Vielfalt und die rasante technologische Entwicklung auf dem DV-Sektor zwingen den Spezialisten, ein fundiertes Fachwissen an der Hoch- oder Fachhochschule zu erwerben.

1988 hatten bei den Anwendungsprogrammierern 27 Prozent die Mittlere Reife nachgewiesen und 25 Prozent Hoch- und Fachhochschulabschlüsse. 1997 ist die Zahl der DV-Mitarbeiter mit Mittlerer Reife in dieser Position auf 18 Prozent zurückgegangen, und die Hoch- und Fachhochschüler sind bereits mit 48 Prozent vertreten. Vier Prozent haben promoviert.

Die qualifiziertere Ausbildung eröffnet nicht nur eine größere Berufschance, sondern beeinflußt auch das Einkommen. Die Kienbaum-Studie ergab ein um rund 24 Prozent höheres Salär von Hoch- gegenüber Realschülern in Führungspositionen. Die Promotion bringt dann noch einmal bis zu 10000 Mark pro Jahr zusätzlich. Alles spricht also für eine qualifizierte Ausbildung. Schon im Hinblick auf die weiter steigenden Studentenzahlen und den damit zwangsläufig verbundenen Verdrängungswettbewerb wird das Studium immer mehr Voraussetzung, um überhaupt Karriere machen zu können.

Schlechte Karten für das weibliche Geschlecht

Die DV bleibt auch weiterhin eine Männerdomäne. In den letzten zehn Jahren ist der Frauenanteil annähernd gleich gering geblieben. 1997 liegt er in den Fachpositionen bei 18 Prozent und in den Führungspositionen bei 3,5 Prozent. Den höchsten Frauenanteil verzeichnen die Positionen Datentypistinnen (97 Prozent), Mitarbeiterin Informationssysteme (69 Prozent), DV-Fachdozentin (43 Prozent), mathematisch-technische Assistentin und DV-Revisorin mit je 31 Prozent.

Selbst als qualifizierte Arbeitskraft erhält die Frau in der DV ein um durchschnittlich 20 Prozent geringeres Einkommen als ihr männlicher Kollege in gleicher Position, haben die Vergütungsberater errechnet. Voriges Jahr betrug diese Differenz 18 und vor zwei Jahren 15 Prozent.

Schmidt kann sich dieses Gefälle nicht erklären. Er meint nur, daß es in anderen Branchen auch nicht viel anders aussehe und die Ungleichbehandlung bei der Vergütung keine Eigenheit der Computerindustrie sei.

Die variable Entlohnung ist ein wichtiges Instrument betrieblicher Vergütungspolitik. Durch die Verbindung von Unternehmenserfolg und Einkommen soll sie die Identifikation der Mitarbeiter mit ihrem Unternehmen und ihren Aufgaben fördern und sie zu besonderen Leistungen motivieren. Außerdem paßt sie als Regulativ die Personalaufwendungen in gewissem Umfang an die Ertragssituation des Unternehmens an.

Fast ein Drittel aller DV-Mitarbeiter sind in irgendeiner Form am Unternehmenserfolg beteiligt (Tantiemen, Prämien, Boni etc.). In den Führungspositionen beträgt der durchschnittliche variable Anteil am Gehalt 14 Prozent und in den Fachpositionen rund sieben Prozent des Gesamteinkommens.

DV-Chefs fahren BMW und Audi

Aufgrund der Steuerprogression wächst die Bedeutung von Zusatzleistungen. An erster Stelle steht die betriebliche Altersversorgung. Fast 80 Prozent aller Mitarbeiter kommen bereits in den Genuß einer Firmenrente. In Großunternehmen ist die Finanzierung der Pensionszulagen mit rund 40 Prozent über Positionsrückstellungen die verbreitetste Form. In kleineren Unternehmen dominiert die Direktversicherung. Bei der Unfallversicherung hat sich gegenüber den Vorjahren kaum etwas geändert. 60 Prozent der Führungskräfte und 20 Prozent der Fachkräfte kommen in den Genuß einer Unfallversicherung auch für den privaten Bereich.

Die Gewährung von Dienstwagen wird - anders als früher - immer weniger von betrieblichen Erwägungen bestimmt. Die Unternehmen sehen hier eher eine gute Möglichkeit, vor allem Führungskräften ein steuergünstiges Extra zukommen zu lassen. Die Vergabe von Firmen-Pkw in der DV beschränkt sich ausschließlich auf Führungsfunktionen und ist bis zu einem gewissen Grad von der Unternehmensgröße unabhängig. Insgesamt erhalten 50 Prozent der "Leiter Organisation und Datenverarbeitung" einen Dienstwagen. Bevorzugte Typen sind BMW 520i und Audi 100.

Stagnation in den neuen Bundesländern

Bei den DV-Mitarbeitern in den neuen Bundesländern sind zwei Abweichungen gegenüber ihren westdeutschen Kollegen bemerkenswert: Zum einen ist mit 74 Prozent der Anteil der DV-Experten, die eine Hoch- oder Fachhochschule besucht haben, sehr viel höher als in den alten Bundesländern, wo er nur bei 48 Prozent liegt.

Zum anderen sind 33 Prozent der DV-Mitarbeiter in Ostdeutschland Frauen. In den alten Bundesländern sind vergleichbare Positionen nur zu 18 Prozent mit weiblichen Beschäftigten besetzt.

Die Vergütung im Osten der Republik liegt in den Führungspositionen bei etwa 65 Prozent und in den Fachpositionen bei 70 Prozent des West-Niveaus. Im vergangenen Jahr war der Unterschied zwischen Ost- und Westbezahlung ebenso groß. Das bedeutet, daß eine Annäherung der Bezahlung nicht stattgefunden hat, was sicherlich auch mit der allgemein schleppenden wirtschaftlichen Entwicklung zusammenhängt.

Median und Quartil

Die Schwankungen der Gehaltswerte von DV-Profis sind groß. Neben dem Median als dem mittleren Wert innerhalb einer Verteilung gibt Kienbaum die Werte für das untere und obere Quartil an. Das bedeutet, daß die Gehälter der Höhe nach geordnet und in eine Rangreihe gebracht werden. Der Median bezeichnet das Gehalt, das genau in die Mitte der Reihe fällt. Das untere Quartil erhält man, in dem man ein Viertel der Gehaltsnennungen, vom niedrigsten Gehalt her beginnend, abzählt. Entsprechend bekommt man, wenn man vom höchsten Wert ausgeht, das obere Quartil.

Die Studie

260 Unternehmen lieferten Daten von DV-Mitarbeitern aus 32 typischen DV-Berufen. Dargestellt sind die Höhe der Jahresgesamtbezüge, die Struktur, die Entwicklung sowie alle wichtigen Zusatzleistungen. Diese Jahresgesamtbezüge setzen sich aus dem Bruttomonatsgehalt pro Jahr, Weihnachts- und Urlaubsgeldern, variablen Extras wie Prämien, Tantiemen, Boni oder sonstigen Jahresabschlußvergütungen zusammen. Darin nicht enthalten sind geldwerte Vorteile, wie sie den Berechtigten beispielsweise durch die private Nutzung von Dienstwagen entstehen. Die gesamte Studie "Führungs- und Fachkräfte in der Datenverarbeitung 1997" kostet 780 Mark zuzüglich Mehrwertsteuer.