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24.05.1996 - 

Thema der Woche/Einkommen

IT-Profis kassieren im Schnitt drei Prozent mehr Gehalt

Der Chef verdient am meisten. Das war so und wird so bleiben. Spitzenverdiener unter den Computerfachleuten ist der "Leiter Organisation und Datenverarbeitung". Er kommt laut der jüngsten Kienbaum-Vergütungsstudie einschließlich aller Nebenleistungen wie Prämien, Tantiemen, Urlaubs- und Weihnachtsgeld auf durchschnittlich 179000 Mark pro Jahr. Zu den Besserverdienenden zählen die Gummersbacher Einkommensexperten weiterhin den "Leiter der EDV" mit 140000 Mark sowie den "Leiter Anwendungsentwicklung" mit 136000 Mark. Schlußlicht in der Gehaltsskala sind die Datentypistinnen mit 52000 Mark. Zum Vergleich: Vor zwei Jahren durfte der Org./DV-Chef 164000 Mark nach Hause nehmen, der DV-Leiter 131000 Mark und der Leiter Anwendungsentwicklung 129000 Mark.

"Eine einheitliche Aussage über die Höhe der Vergütung läßt sich aufgrund der unterschiedlichen Positionen nicht treffen", meint Erhard Schmidt, der seit Jahren bei Kienbaum für die DV-Gehaltsuntersuchung zuständig ist. So werde die Vergütungshöhe von einer Vielzahl von Einflußgrößen bestimmt. Neben der Ausbildung und dem Alter (Berufserfahrung) wirkten sich die Größe der DV-Abteilung, Leistung und Art der DV-Anlage, Branche, Unternehmensgröße, Aufgabenbereich sowie die hierarchische Einstufung auf das Gehalt aus. Demzufolge seien die Vergütungsspannen in den einzelnen Positionen oft beträchtlich. Zum Beispiel: Bei einem Systemanalytiker liegt das untere Viertel bei 86000 Mark und das obere bei 103000 Mark pro Jahr. "Die Gehaltsdifferenz wird jedoch um so geringer, je tiefer die Position hierarchisch angesiedelt ist", weiß Schmidt, da teilweise tarifliche Einbindungen auch eine engere Gehaltsspanne zur Folge haben.

Ebenfalls wirke sich die Unternehmensgröße, gemessen am Umsatz und an der Beschäftigtenzahl, auf die Gehaltshöhe aus. Erhält der Leiter Organisation/ Datenverarbeitung in einem Unternehmen mit 200 Beschäftigten 157000 Mark pro Jahr, so kann sein Kollege mit 1000 Beschäftigten laut Kienbaum 24000 Mark mehr einheimsen. Ähnlich verhalte es sich mit der Rechnerart, mit der der DV-Mitarbeiter arbeitet. Ein Organisationsprogrammierer, der an einem PC sitzt, verdient 5000 Mark weniger als sein Kollege in der Groß-DV.

Weiteres Beispiel: Ein Organisator verdient in einer DV-Abteilung mit fünf Beschäftigten 77000 Mark pro Jahr. Sein Kollege in gleicher Position, aber in einem 50-Mann-Team, kann 25000 Mark mehr auf seinem Konto verbuchen. In den Führungspositionen spiele zusätzlich noch das Element der Personalverantwortung eine nicht unerhebliche Rolle, so Schmidt.

Für einen solchen Management-Posten "bleibt die qualifizierte Ausbildung eine wichtige Voraussetzung", heißt es bei Kienbaum lapidar. Schmidt liefert den Beweis: 1988 hatten bei den Anwendungsprogrammierern 27 Prozent Mittlere Reife als höchsten Bildungsabschluß und nur 25 Prozent Hoch- und Fachhochschule. 1996 sind DV-Mitarbeiter in dieser Posi- tion mit Mittlerer Reife auf 21 Prozent zurückgegangen und die Hoch- und Fachhochschüler bereits mit 40 Prozent vertreten, davon haben fünf Prozent promoviert.

Einkommensunterschiede sowie ein "Nord-Süd-Gefälle" nach Bundesländern sind in der DV-Vergütung laut Kienbaum nicht zu erkennen. Vielmehr sei die Frage nach der Struktur der einzelnen Bundesländer entscheidend. Danach spielten folgende Fragen eine Rolle:

- Wie stark ist in dem Land die Industrie vertreten?

- Überwiegen ländliche und kleine Gemeinden?

- Wie sieht das Verhältnis von Angebot und Nachfrage aus?

Tendenziell sei die Vergütung in den Großstädten besser als in kleineren Städten und Gemeinden. So liegt in diesem Jahr die Stadt Düsseldorf mit zwölf Prozent über dem Gesamtdurchschnitt, gefolgt von Stuttgart mit sechs Prozent und München und Frankfurt mit je fünf Prozent. Diese Städterangliste ist seit 1994 unverändert, 1993 verdienten die DV-Profis in Stuttgart am besten. Sie lagen neun Prozent über dem Durchschnitt, die Düsseldorfer als zweite kamen auf acht Prozent. "Eine höhere Lebensqualität sowie eine angespannte Angebots- und Nachfragesituation nach qualifizierten DV-Spezialisten treiben die Vergütung in die Höhe", analysiert der Vergütungsexperte. Damit sei ein Äquivalent für die höheren Lebenshaltungskosten gegeben. Der überwiegend ländliche Charakter in kleinen Gemeinden sowie die hohe Arbeitslosigkeit im Ruhrgebiet lassen hier den Gesamtdurchschnitt bis auf minus sechs Prozent sinken. Branchentypische Gehaltsstrukturen über Jahre hinweg seien nicht festzustellen, meinen die Personalberater aus Gummersbach. Die von Branche zu Branche unterschiedlichen Einkommen beruhten auf anderen Einflußfaktoren wie Unternehmensgröße und konjunkturellen Besonderheiten. Dementsprechend könne auch von Jahr zu Jahr die Reihenfolge wechseln.

1996 wurden in der Branche "Elektrotechnik, Elektronik, DV" die höchsten Gehälter gezahlt. Sie liegen zirka zehn Prozent über dem Bundesdurchschnitt, gefolgt von den Branchen "Druckereien und Verlage", "Pharmazeutische Industrie" sowie "Kreditinstitute, Versicherungen, Bausparkassen".

Die DV bleibt weiterhin eine Domäne der Männer. In den letzten zehn Jahren ist der Frauenanteil gemäß Studie nur bescheiden gestiegen. So wuchs in den Führungspositionen der Anteil weiblicher Mitarbeiter um 0,4 auf vier Prozent, in den Fachpositionen von 15 auf 20 Prozent. Geblieben seien allerdings die Gehaltsabstriche von 18 Prozent, die die Frauen gegenüber ihren männlichen Kollegen in gleicher Position machen mußten. Letztes Jahr betrug diese Differenz noch 15 Prozent. Schmidt kann sich dieses Gefälle nicht erklären. Als Trost verweist er darauf, daß es in anderen Branchen nicht viel besser aussehe und daß die Ungleichbehandlung bei der Vergütung keine Spezialität der Computerindustrie sei. Die meisten weiblichen Mitarbeiter kommen als Datentypistinnen, Mitarbeiterin Informationssysteme oder im Benutzerservice unter.

Ein Indiz für die steigende Wertschätzung der DV in Unternehmen, aber auch für den größeren Druck, unter dem IT-Profis stehen, ist ihre höhere Beteiligung am Unternehmenserfolg in Form von Tantiemen, Prämien, Boni etc. In den Führungspositionen beträgt der durchschnittliche Anteil zirka zehn Prozent und in den Fachpositionen zirka sieben Prozent des Gesamteinkommens. Vor drei Jahren lagen diese Werte noch bei sechs Prozent für Manager und vier Prozent für die Fachleute.

"Mit fortschreitender Geldentwertung und zunehmender Steuerprogression wächst die Bedeutung nichtmonetärer Zusatzleistungen", so Schmidt. An erster Stelle stehe die betriebliche Altersversorgung. 90 Prozent aller Mitarbeiter kommen bereits in den Genuß einer solchen Firmenrente. In Großunternehmen sei die Finanzierung der Pen- sionszusagen über Positionsrückstellungen die verbreitetste Form. In kleineren Unternehmen dominiere die Direktversicherung.

Bei der Unfallversicherung habe sich gegenüber den Vorjahren kaum etwas verändert. 60 Prozent der Führungskräfte und 25 Prozent der Fachkräfte kämen in den Genuß einer vom Unternehmen gezahlten Unfallversicherung, die sich auch auf den privaten Bereich erstrecke.

Die Gewährung von Dienstwagen werde - anders als früher - immer weniger von dienstlichen Erwägungen bestimmt. "Man sieht hier eher eine gute Möglichkeit, vor allem Führungskräften ein steuergünstiges Extra zukommen zu lassen", glaubt Schmidt. Die Vergabe von Firmenwagen in der DV beschränke sich ausschließlich auf Führungsfunktionen und sei bis zu einem gewissen Grad von der Unternehmensgröße unabhängig. Insgesamt erhielten 50 Prozent der "Leiter Organisation und Datenverarbeitung" einen Dienstwagen. Bevorzugte Typen sind der BMW 520i wie auch der Audi 100. Diese Modelle stehen seit Anfang der 90er Jahre in der Präferenz der DV-Chefs unverändert ganz oben.

In den neuen Bundesländern seien zwei Abweichungen gegenüber Westdeutschland bemerkenswert: Zum einen ist mit 74 Prozent der Anteil der DV-Mitarbeiter, die eine Hoch- oder Fachhochschule besucht haben, sehr viel höher als in den alten Bundesländern, wo er lediglich 39 Prozent beträgt. Zum anderen sind 33 Prozent der Computerexperten in den neuen Bundesländern Frauen. In den alten Bundesländern sind laut Kienbaum vergleichbare Positionen nur in 18 Prozent der Fälle mit Frauen besetzt. Die Vergütung in den neuen Bundesländern liege in den Führungspositionen bei zirka 65 Prozent und in den Fachpositionen bei 75 Prozent des Westniveaus.

290 Unternehmen lieferten Daten von Computerbeschäftigten aus 30 typischen DV-Berufen. Dargestellt ist die Höhe der Jahresgesamtbezüge, die Struktur, die Entwicklung sowie alle wichtigen Zusatzleistungen. Diese Jahresgesamtbezüge setzen sich aus dem Bruttomonatsgehalt pro Jahr, Weihnachts- und Urlaubsgeldern, variablen "Extras" wie Prämien, Tantiemen, Boni oder sonstigen Jahresabschlußvergütungen zusammen. Darin nicht enthalten sind geldwerte Vorteile, wie sie den Berechtigten beispielsweise durch die private Nutzung von Dienstwagen entstehen.