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21.12.2001 - 

Kolumne

"IT-Projekte scheitern am Amtsschimmel"

Martin Bayer Redakteur CW

Vater Staat tut sich mit IT-Projekten schwer. Meldungen über gescheiterte oder kurz vor dem Scheitern stehende Vorhaben häufen sich. Dabei scheint es keine Rolle zu spielen, ob sich die beteiligten Behörden von Dienstleistern unterstützen lassen oder versuchen, die Projekte auf eigene Faust durchzuziehen.

Beispiel Inpol-neu: Seit 1992 versucht das Bundesinnenministerium zusammen mit dem Serviceanbieter Debis, ein bundesweites Fahndungs-IT-System auf die Beine zu stellen. Kein unwichtiges Vorhaben angesichts der jüngsten Ereignisse - möchte man meinen. Doch die mangelhafte Abstimmung zwischen Bund und Ländern habe aus Inpol einen Sanierungsfall gemacht. Das ergab eine Untersuchung des Bundesinnenministeriums. Aus den zunächst geplanten 40 Millionen wurden 280 Millionen Mark, die das Projekt mittlerweile kosten soll. Ein Abschluss ist nicht in Sicht.

Zweites Beispiel Fiscus. Die IT-Systeme für die Steuerbearbeitung in den Finanzämtern sollen bundesweit vereinheitlicht werden. Eine gute Idee, wenn man bedenkt, dass Steuereinnahmen das finanzielle Rückgrat des Staates bilden und dem Finanzminister jährlich Milliardenbeträge durch die Lappen gehen, weil die Steuerbeamten nicht effektiv arbeiten können. Schade nur, dass auch dieses Projekt seit 1989 vor sich hindümpelt und noch kein Zielhafen in Sicht ist. Nach Einschätzung von Rechnungsprüfern dürften die Kosten des Vorhabens, sofern es denn irgendwann einmal abgeschlossen ist, von geplanten 340 Millionen auf 1,4 Milliarden Mark anwachsen.

Was sind die Ursachen für die Pleiten-, Pech- und Pannenserie? Offensichtlich versuchen die verantwortlichen Behörden, die Projekte mit Hilfe der amtsüblichen Bürokratie zu betreiben. Doch kilogrammschwere Pflichtenhefte, diverse Ausschüsse und Gremien sowie das beliebte Antrag-Genehmigungsspiel - aber bitte in dreifacher Ausführung - erschlagen jedes gut gemeinte IT-Projekt bereits im Ansatz.

Würde in der freien Wirtschaft ein IT-Manager mit diesen Methoden arbeiten, wäre er innerhalb kürzester Zeit seinen Job los. Doch darum müssen sich die Herren und Damen Ministerialräte oder Amtsleiter keine Sorgen machen. Es lebe der Beamtenstatus. Warum also Gedanken an effizientes Projekt-Management oder schlanke Entscheidungsstrukturen verschwenden?

Doch wie viele Pleiten kann sich der Staat noch leisten? Die nächste IT-Blamage zeichnet sich bereits ab. Unter dem Motto "Bund Online 2005" sollen die deutschen Amtsstuben mit einem Budget von über drei Milliarden Mark innerhalb der nächsten vier Jahre für Online-Dienstleistungen fit gemacht werden. Wenn es den Verantwortlichen aber nicht gelingt, den Amtsschimmel aus den Behörden hinauszukehren, wird das Projekt bald "Bund Online 2010" heißen und mindestens zehn Milliarden Mark kosten.