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01.12.2000 - 

Anbieter sehen das E-Learning noch gelassen

IT-Schulung: Der Trend geht zu globalen Qualifizierern

MÜNCHEN - Keinen Grund zur Klage haben derzeit die Anbieter von IT-Schulungen. Nach der Marktdelle Mitte der 90er Jahre glänzen sie jetzt wieder durchgängig mit guten Geschäftszahlen. Allerdings befindet sich der Markt in einem gravierenden Wandel. Gefragt sind zunehmend Qualifizierungsservices. Und beim Training via Internet gilt es, zumindest erste Duftmarken zu setzen. Von Beate Kneuse*

Nahezu alle IT-Trainingsanbieter konnten schon im vergangenen Jahr im Vergleich zu 1998 mit zweistelligen Wachstumsraten aufwarten. Dies zeigte die im Frühjahr veröffentlichte Untersuchung der Lünendonk Consultancy + Research, Hamburg. Dabei schnitten die Schulungsaktivitäten führender IT-Unternehmen wie SAP, Oracle oder IBM (in der abgebildeten Lünendonk-Liste vertreten durch CSG) ähnlich gut ab wie herstellerunabhängige Spezialisten à la Integrata oder Gesellschaft für Network Trainung (GfN). Auch für das laufendeJahr melden die einschlägigen Anbieter - soweit bekannt - ähnliche Zuwächse. Entsprechend positiv kommentiert Heinz Streicher, Partner der Lünendonk Consultancy + Research, das Marktgeschehen: "Seit rund zwei Jahren ist für die deutschen Anbieter die Durststrecke überstanden, die aus der vorherigen allgemeinen Rezession resultierte." Ein Trend, der sich nicht zuletzt aufgrund des massiven IT-Fachkräftemangels fortsetzen werde - zweistellige Wachstumsraten für Schulungsunternehmen dürften deshalb bis auf weiteres programmiert sein.

Geschenkt bekommen die Trainingsspezialisten aber auch in Zukunft nichts - obwohl die Nachfrage sowohl nach offenen Seminaren, also Veranstaltungen, zu denen Mitarbeiter unterschiedlichster Unternehmen kommen können, als auch kundenspezifischen Schulungen mittlerweile enorm ist. Das belegte erst kürzlich wieder eine Studie der Com Computertraining and Services GmbH, München. Wesentliches Ergebnis der bei rund 2000 Unternehmen aus Industrie, Handel, Dienstleistung, dem Bank- und Versicherungsbereich sowie Einrichtungen der öffentlichen Verwaltung vorgenommenen Untersuchung ist: Nahezu jedes zweite Anwenderunternehmen bediente sich dieses Jahr externer Computertrainings. Offensichtlich ist jedoch auch, dass die IT-Schulungsanbieter immer stärker als so genannte Qualifizierungs-Dienstleister in die Pflicht genommen werden. Nur wer den Kunden in seiner Qualifizierungsstrategie begleiten kann, wird künftig ganz vorne mitmischen.

"Es reicht heute nicht mehr aus, nur Kurse in einem Katalog auszuschreiben und zu veranstalten, wenngleich die öffentlichen Seminare noch immer rund die Hälfte unseres Umsatzes ausmachen", beschreibt Hans-Günter Heilmann, Vorstand der Tübinger Integrata Training AG, diese neue Herausforderung. Zunehmend geht es dabei um eine ganze Palette von Services, die man den Kunden anbieten muss. Das Spektrum reicht von der Definition entsprechender Ziele, einer (Weiter)bildungskonzeption über die Entwicklung beziehungsweise den Einkauf entsprechender "Teilprodukte" bis hin zu Qualifizierungsmaßnahmen. Letzeres zudem in allen denkbaren Formen - also Präsenztraining, Computer- beziehungsweise Web-basierte Schulung, das Lernen mit Hilfe von Printmedien, satellitengestützten Trainingseinheiten oder Business-TV.

Gefragt ist also der Schulungsanbieter als strategischer Partner des Kunden, der obendrein unter dem Stichwort "Bildungs-Controlling" auch für die Ergebniskontrolle verantwortlich zeichnet.

Hinzu kommt: Auch, wer Niederlassungen im Ausland unterhält, will Schulung aus einer Hand. Größe und Internationalität sind damit zu entscheidenden Wettbewerbsfaktoren geworden. Aus eigener Kraft, das haben Firmen wie GfN, Integrata oder Prokoda erkannt, ist diese Aufgabe kaum zu bewältigen. So such(t)en sie seit geraumer Zeit ihr Heil in Fusionen und Übernahmen. Vor zwei Jahren schlüpfte beispielsweise das Tübinger Software- und Beratungshaus Integrata inklusive der 1997 an die Börse gegangenen Integrata Training AG beim französischen IT-Dienstleister Unilog unter. Das Ansinnen beider Unternehmen war, mit vereinten Kräften schneller in Europa Fuß zu fassen. "Für uns war an dem Zusammengehen besonders interessant, dass Unilog in Paris eine Tochter hat, deren Trainingsangebot mit unserem vergleichbar ist", erklärt Integrata-Training-Vorstand Heilmann. Zudem profitiere man von der Projektarbeit der französischen Mutter und nach wie vor auch der Schwestergesellschaft Integrata Unternehmensberatung, die Softwarelösungen entwickle und implementiere.

Wachsen primär durch den Kauf von WettbewerbernDie Stuttgarter GfN AG indes ist bemüht, mittels eigener Zukäufe die nötige Größe und Schlagkraft zu gewinnen. Ursprünglich ganz auf Schulungen rund um Netztechnik fokussiert, erwarb sie 1999 das ebenfalls auf Netze spezialisierte Duisburger Systemhaus NBI, einige Monate später die sieben Bildungszentren vom damaligen Kontrahenten Ditec. Damit machten die Schwaben nicht nur erste Schritte in Richtung IT-Dienstleister, sondern sind seither auch in Sachen Trainingsaktivitäten sowohl thematisch als auch national breiter aufgestellt.

Diese Akquisition musste aber finanziell und organisatorisch erst verdaut werden. Einige Zeit lagen die Quartalsbilanzen der Schwaben deshalb auch im Minusbereich. Doch die Expansionsgelüste des am Neuen Markt notierten Unternehmens, das für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2000 einen im Vorjahresvergleich um 286 Prozent auf 56,3 Millionen Mark gestiegenen Umsatz ausweist und auch organisch "deutlich im zweistelligen Bereich" gewachsen sein will, sind noch nicht gestillt. Auch Firmensprecher Steven Hartenstein bekräftigt: "Wir wollen ins europäische Ausland." Ob für das kommende Jahr die Übernahme eines größeren ausländischen Trainingsanbieters geplant ist, will er indes noch nicht verraten. "Der Konzentrationsprozess ist in Deutschland weitgehend abgeschlossen. Die größeren Player werden sich künftig verstärkt in anderen europäischen Ländern umschauen", versucht sich der GfN-Sprecher in einer Kurzbeschreibung des hiesigen IT-Schulungsmarktes, in dem die Top 20 in den letzten Jahren zwar ihre Claims abgesteckt haben, andererseits sich immer noch mehrere tausend kleinere Anbieter und Freiberufler tummeln.

Von Verstärkung via Zukäufen träumte lange Zeit auch die Kölner Prokoda AG. 1999 angelten sich die Rheinländer die Schulungsaktivitäten des IT-Dienstleisters Compunet, in diesem Jahr sollte es eigentlich an die Börse gehen, um mit Hilfe der zu erwartenden Anlegergelder den nötigen Sprung ins Ausland schaffen zu können. Doch die Skepsis der Analysten hinsichtlich des geplanten IPOs, moniert wurde vor allem die fehlende Internationalität, einhergehend mit den Avancen des schwedischen Trainingshauses M2S veranlasste die Rheinländer, ihre Pläne zu ändern und sich den Skandinaviern anzuschließen. Vorstand Norbert Berger: "Wir waren uns schnell einig, dass es aufgrund unserer ähnlichen Aktivitäten Sinn gibt, uns zusammenzuschließen. M2S, hat über uns Zutritt zum deutschen Markt, wir wiederum profitieren von der Internationalität der Schweden."

Doch nicht nur die herstellerunabhängigen Anbieter stellen sich neu auf. Auch bei den IT-Schulungsfirmen, die traditionell ihr Geschäft schwerpunktmäßig mit ihren Produktkunden machen, wird eifrig an der Ausrichtung gefeilt. So bündelte IBM in Deutschland vor einigen Monaten seine Schulungsaktivitäten, mit denen man die vergangenen Jahre zweigleisig gefahren war. Trainingsleistungen wurden sowohl über den Weiterbildungsbereich der einst übernommenen CSG Computer Service GmbH, Berlin, als auch in Eigenregie angeboten. Zum 1. August 2000 gliederte man die CSG WB in den Geschäftsbereich Learning Services der IBM Global Services ein, um dadurch Überschneidungen im eigenen Schulungsangebot abzubauen.

Die Hewlett-Packard GmbH (HP) wiederum zog sich auf Schulungen rund um ihre Kernkompetenzen, unter anderem Unix, System- und Netz-Management sowie hauseigene Produkte und Betriebssysteme, zurück. Das Schulungsgeschäft, so verlautet dazu aus Böblingen, sei nach wie vor wichtig. Aber Seminare, die über die eigenen Kompetenzen hinausgehen, würden sich nicht rechnen. Dafür konzentriere man sich verstärkt auf das Internet-Training, weil dies von den Kunden kräftig nachgefragt werde.

Mit der Ausrichtung auf E-Learning, Online-Training, Web-based Training oder wie immer man derzeit die Weiterbildung via Internet bezeichnet, steht HP keineswegs allein da. Alle Trainingsanbieter befassen sich derzeit mit diesem Thema und bieten, mehr oder weniger ausgeprägt, entsprechende Produkte und Dienstleistungen an. "Beim E-Learning geht ohne Frage die Post ab", ist sich Jürgen Lurz, Leiter des IBM-Bereichs Learning Services, sicher. Und er ergänzt: "Dahinter verbirgt sich ein viel versprechendes Marktpotenzial." Dabei gehe es sowohl um die Entwicklung entsprechender Inhalte als auch um die Schulungsmaßnahmen beim Kunden. "Das wird in Zukunft unser Kerngeschäft sein", bekräftigt auch der IBM-Schulungsexperte den Trend zum ganzheitlichen Qualifizierungs-Dienstleister.

Noch aber ist das Internet-Lernen Zukunftsmusik, das Interesse am Online-Training gering. Die Präsenz- oder Classroom-Schulungen dominieren das Trainingsgeschehen nach wie vor mit weitem Abstand. So ergab die Lünendonk-Studie auch, dass mit Schulungen im klassischen Sinne im vergangenen Jahr immer noch 92,3 Prozent aller Umsätze erzielt wurden. Auf das Computer-based Training entfielen 5,5 Prozent der Einnahmen, Web-gestützte Schulungsangebote schlugen mit gerade einmal 2,2 Prozent zu Buche - gemessen an dem vergleichbaren Wert von 1,4 Prozent im Jahr 1998 wahrlich keine starke Verbesserung. Dennoch geht auch Lünendonk-Partner Streicher davon aus, dass das Online-Training in Zukunft gewaltig zunehmen wird, allerdings mit Einschränkungen: "Web-basierte Schulungen werden sich nur auf bestimmten Gebieten durchsetzen. Die menschliche Psyche ist darauf eingestellt, geweckt, motiviert und mitgerissen zu werden."

Entsprechend vorsichtig agieren diesbezüglich die einschlägigen Anbieter. Integrata Training beispielsweise unternimmt gerade erste Schritte in Richtung Online-Schulung. "Im Augenblick geht es vor allem darum, Positionen zu besetzen. Noch ist dieses Geschäft zu wenig etabliert", gibt Vorstand Heilmann zu bedenken. So hat sein Unternehmen zum Bespiel bislang noch keine Standardinhalte fürs Web entwickelt, sondern erfüllt nur "spezielle Kundenwünsche". Ohnehin gehen die meisten Experten davon aus, dass die klassische Präsenzschulung keinesfalls vom Stundenplan der Anwenderunternehmen verschwinden wird. GfN-Vorstand Berger sieht es ähnlich: "Je nach Lerninhalt und Selbstlernkompetenz im Unternehmen gibt es für jeden Qualifizierungsbedarf einen optimalen Mix der verschiedenen Methoden und Medien."

Ungeachtet der vorherrschenden Skepsis rührt jedoch gerade sein Unternehmen weiter kräftig die Werbetrommel für das Internet-Training. Die Stuttgarter bauten schon 1999 für den Online-Schulungsbereich mit ihrer Tochter Ac@demy eine separate Business Unit auf. Der Erfolg ist bislang bescheiden, auch wenn nach eigenem Bekunden die Teilnehmerzahl von 800 auf jetzt 1500 gestiegen ist. Die Schwaben werden mit der Ac@demy AG in diesem Jahr rund 1,5 Millionen Mark einnehmen - und damit nicht wesentlich mehr als im Vorjahr. Vier bis sechs Millionen Mark waren geplant; sieben Millionen sind nach GfN-Berechnungen für den Breakeven nötig. Dahin ist es noch ein langer Weg.

*Beate Kneuse ist freie Journalistin in München.