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14.07.2000 - 

New kontra Old Economy - ein Wachstumsvergleich

IT-Services: Bekommen die alten Anbieter Probleme?

MÜNCHEN (CW) - Schon seit längerem sorgen Firmen wie Razorfish, Proxicom oder Scient im Markt für Furore, rütteln an der Bastion traditioneller IT-Dienstleister. Nach jüngsten Gewinnwarnungen von EDS und Computer Sciences Corp. (CSC) scheinen sich letztere in der Tat auf einen härteren Wettbewerb mit der New Economy einstellen zu müssen.

Das viel zitierte Jahr-2000-Problem bot in den zurückliegenden Wochen einigen der etablierten IT-Giganten eine weitere böse Überraschung: Monatelang hatten die Anwender im vergangenen Jahr so gut wie nichts in neue Produkte und Lösungen investiert, vielmehr alle Kapazitäten (und Gelder) in die Vermeidung des Millennium-GAUs gesteckt. Jetzt im zweiten Quartal, wo es mit den Geschäften eigentlich wieder spürbar aufwärts gehen sollte, mussten prominente Anbieter zum Teil Gewinn- und Umsatzwarnungen aussprechen. Viele IT-Verantwortliche haben, so die Begründung von Experten, die selbstverordnete Ausgabensperre weit über den Jahreswechsel ausgedehnt, um die eigene Strategie - insbesondere in Sachen E-Business - zu überdenken. Investiert werden soll offenbar erst, wenn völlige Klarheit herrscht. Zeit gegenüber dem Wettbewerb zu verlieren sei verhängnisvoll, auf die falsche Business- und IT-Strategie inklusive Wahl des Dienstleisters zu setzen indes tödlich, heißt es in Branchenkreisen.

Doch während sich Softwarefirmen wie Computer Associates (CA) noch auf eine "fehlende Nachfrage" im Markt herausreden können, tun sich klassische IT-Dienstleister wie EDS und CSC in ihrer Argumentation schwerer. Beide Companies stellten für das zweite Quartal ein deutliches geringeres Umsatzplus als ursprünglich erwartet in Aussicht. EDS rechnet demnach nur mit einem im Vorjahresvergleich geringen einstelligen Wachstum, CSC korrigierte seine Prognose auf rund elf Prozent Zuwachs (die Analysten an der Wallstreet waren zuletzt von sechs beziehungsweise 13 Prozent Wachstum ausgegangen). Das Problem beider Serviceriesen ist: Auch sie können ihre vermutlich enttäuschenden Zahlen nur mit der zurückhaltenden Nachfrage seitens ihrer Kunden begründen. Andererseits dürften aber Vertreter der so genannten New Economy wie Razorfish, Proxicom oder Scient nach jüngsten Analystenschätzungen im zweiten Quartal mit Wachstumsraten von teilweise mehr als 300 Prozent aufwarten. Allesamt Internet-Agenturen beziehungsweise -Dienstleister, deren Geschäftsentwicklung angesichts einer bisher deutlich geringeren Umsatzgröße höhere Wachstumssprünge geradezu voraussetzt, die aber zugleich mit dem Anspruch angetreten sind, den klassischen Servicefirmen bei E-Business-Projekten das Wasser abzugraben.

35 Prozent aller großen europäischen Konzerne haben nach einer Umfrage der US-Investmentbank Morgan Stanley in den kommenden Jahren mehr als ein Fünftel ihrer gesamten IT-Ausgaben für Internet-Projekte verplant. 13 Prozent der Mittel werden dabei von anderen IT-Bereichen abgezogen.

So gut wie alle befragten IT-Chefs stellen ihr IT-Budget "vom Kopf auf die Beine", räumen Anwendungen wie beispielsweise dem E-Procurement oberste Priorität ein. Dabei sei es "mehr als fraglich, ob die Skills traditioneller Systemintegratoren noch wie bisher benötigt werden", heißt es provokativ in der Studie.

Geht man von den sich abzeichnenden Quartalsergebnissen bei EDS und CSC aus, könnte diese Frage schon beantwortet sein. Erst recht, da beide Schwergewichte der Serviceszene vermutlich nur durch einen Tritt auf die Kostenbremse den versprochenen Gewinn werden ausweisen können. Eher skeptisch äußerten sich zuletzt auch die Marktforscher von Pierre Audoin Conseil (PAC).

Einbrüche vor allem im ProjektgeschäftIn ihrer jährlich erscheinenden Analyse des europäischen Marktes für Software und IT-Services ziehen die Auguren für 1999 ein äußerst durchwachsenes Fazit. Nach zwei herausragenden Jahren von Mitte 1997 bis Mitte 1999 sei das zweite Halbjahr 1999 von einem bemerkenswerten Einbruch im Projektgeschäft gekennzeichnet gewesen, so PAC. Zudem verlief für viele Anbieter auch das erste Quartal des laufenden Jahres unbefriedigend. Die Konsequenzen waren einschneidend: Anbieter wie IBM, EDS, Cap Gemini und Origin mussten gegenüber früheren Jahren einen Rückgang des Umsatzwachstums zwischen 20 und 50 Prozent hinnehmen.

Christophe Chalons, Geschäftsführer der deutschen PAC-Dependance in München, geht davon aus, dass sich das E-Business erst in den kommenden Monaten als der schon seit längerem apostrophierteWachstumsträger herauskristallisieren wird. Viele E-Procurement-, Customer-Relationship- oder Supply-Chain-Management-Projekte seien zwar gestartet worden, befänden sich aber immer noch in der Pilotphase. Sein Unternehmen erwarte daher für die IT-Service-Branche "eine spürbare Wachstumsbeschleunigung, die stark von den genannten Themen getrieben sein wird".

Trotz aller guter Vorzeichen für die Vertreter der New Economy dürften jedoch Chalons zufolge bei den Herausforderern von EDS und Konsorten die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Internet-Dienstleister wie Razorfish hätten, so der Marktkenner, "zweifellos einen Imagevorteil", weil sie aus dem Markt kommen, "den sie ihrer Kundschaft näher bringen wollen". Weitere Achtungserfolge, zum Teil auch mehr, seien deshalb wahrscheinlich. Doch hinter so manchem Referenzkunden stecke ein zwar erfolgreich abgewickeltes Projekt - aber eben ein Projekt, wo es bei einem "Auftragsvolumen im nur ein- oder zweistelligen Millionenbereich nicht immer ans Eingemachte der IT ging". Der PAC-Experte sieht deshalb das Rennen zwischen "alten" und "neuen" Dienstleistern auch beim Thema E-Business noch völlig offen. Vor allem bei der jetzt anstehenden Integration von E-Business-Applikationen mit großen Legacy-Systemen werde "sich die Spreu vom Weizen trennen". Auch EDS signalisierte seinen Wettbewerbern vergangene Woche Kampfbereitschaft. Mit dem britischen Mischkonzern Rolls-Royce und der australischen Commonwealth-Bank gelang den Texanern die Verlängerung zweier auslaufender Milliardenverträge - künftige Dienstleistungen wie E-Business-Beratung oder Optimierung der Lieferketten (Supply-Chain-Management) inklusive.

Abb:Club der Grossen: Gemessen an Umsatzgröße sind die "alten" IT-Dienstleister noch unter sich. Quelle: PAC