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19.06.1998 - 

Antwortet der Branchenführer mit einem Mega-Deal?

IT-Services: IBM stellt sich auf härteren Wettbewerb ein

Ein neues Selbstbewußtsein macht sich bei IBM breit. Nach der heftigen Krise zu Beginn der 90er Jahre sorgte vor allem auch die verstärkte Service-Ausrichtung durch den "IT-Seiteneinsteiger" Louis Gerstner dafür, den einstigen Hardware-Koloß wieder auf (Gewinn-)Kurs zu bringen. Und längst ist besagtes Geschäft als die am schnellsten wachsende Business Unit der Hoffnungsträger schlechthin beim blauen Riesen. Im Geschäftsjahr 1997 steuerten die Global Services mit 25,7 Milliarden Dollar (inklusive 6,4 Milliarden Dollar, die durch Wartungsaufträge eingenommen wurden) rund ein Drittel zum IBM-Umsatz von 78,5 Milliarden Dollar bei. Im ersten Quartal erzielte man Einnahmen von fünf Milliarden Dollar, legte also gegenüber dem vergleichbaren Vorjahresabschnitt um 22 Prozent zu und hielt zugleich das Niveau der Wachstumsraten vorangegangener Quartale von durchschnittlich 20 Prozent. Davon können derzeit die anderen IBM-Units nur träumen.

Weltweit stehen 110000 Service-Spezialisten rund um Professional Services, Network Services und Product Support Services auf der Gehaltsliste des Konzerns aus Armonk, 40000 davon in Europa. Allein im vergangenen Jahr wurden 15000 neue Mitarbeiter angeheuert. Entweder holte man sie direkt von der Hochschule, oder warb sie von der Konkurrenz ab - oder gewann sie durch Komplett-Outsourcing-Abschlüsse. Rund 450 entsprechende "Big Accounts" unterhält IBM Global Services derzeit rund um den Globus, dazu 25000 Systemintegrations-Verträge. Ferner betreibt die IBM-Paradeeinheit 140 Data-Center mit etwa 150000 angeschlossenen Endanwendern.

Auch die geografische Präsenz spricht für sich: Mittlerweile agiert IBM Global Services in 164 Ländern, davon sind 126 in der sogenannten EMEA-Region angesiedelt - also Europa, Mittlerer Osten und Afrika. Sowohl weltweit als auch in Europa ist Big Blue im IT-Servicegeschäft Marktführer. Auch in Deutschland haben die Armonker Dienstleister die Nase vorn. Dort allerdings lieferte sich die Gerstner-Truppe im vergangenen Jahr nach einer aktuellen Studie der europäischen Strategie-Beratungsgesellschaft Pierre Audoin Conseil mit Siemens Business Services (SBS) und dem Debis Systemhaus einen erbitterten Kampf um die Pole Position. Der Vorsprung zu beiden Wettbewerbern, die höhere Wachstumsraten als IBM verzeichneten, fiel nur hauchdünn aus (siehe Abbildung Seite 59).

Trotz dieser durchaus beachtlichen Zahlen haben die Service-Spezialisten von IBM jedoch keinen Anlaß, sich auf ihren Lorbeeren auszuruhen. So hat Unternehmenschef Gerstner erst unlängst den Global Services öffentlich eine tragende Rolle bei dem Plan zugewiesen, die in den letzten Jahren enttäuschenden Umsatzzuwächse des Gesamtkonzerns endlich in einen zweistelligen Bereich zu hieven. Zudem forderte er von seiner Dienstleistungstruppe eine Verbesserung des Profits. Aus gutem Grund: Bei rückläufigen Hardware- und Softwareerträgen, vor allem den flauen Margen aus dem PC-Geschäft, bleibt dem IT-Giganten gar nichts anderes übrig, als die Kuh dort zu melken, wo sie noch Ertrag abwirft.

Dies aber scheint trotz der enormen Wachstumsraten im Servicemarkt keinesfalls selbstverständlich zu sein. "Wir verdienen heute weltweit noch nicht so viel wie zwei, drei unserer Topkonkurrenten", gestand Hans Ulrich Maerki, für die EMEA-Region zuständiger General Manager Global Services, vor Journalisten in London ein. Seine Begründung: "IT-Services sind ein wesentlich komplexeres Geschäft als der Verkauf von Hardware. Dafür ist unsere Kostenstruktur noch nicht optimal genug." Mit anderen Worten: Der IBM-Manager bestätigte die unter Branchenkennern verbreitete Auffassung, wonach die IT-Servicesparte von Big Blue nach wie vor zu teuer, weil zu personalintensiv arbeitet.

Doch nicht nur der eigene Boß sitzt den IBM-Global-Services-Mitarbeitern im Nacken. Das Klima im IT-Servicemarkt wird zunehmend rauher. Das Zeitalter der Hardware-Giganten ist längst vorbei, das der Softwaregrößen wie SAP, Microsoft oder Oracle klingt aus - die größten Wachstumschancen bietet künftig das globale IT-Dienstleistungsgeschäft. Also Beratung, Projektgeschäft, Outsourcing. Maerki deutete die Zeichen der Zeit so: "Was wir in diesem Jahr mit Compaq/Digital, dem gescheiterten Merger CA/CSC oder auch im vergangenen Jahr mit der Übernahme von Verifone durch Hewlett-Packard erlebt haben, war erst der Anfang. Alle Anbieter, egal ob ihr Fokus auf Hardware oder Software liegt, müssen im Service-Geschäft aktiv werden."

Daß auch Big Blue künftig kräftig am Übernahmekarussell drehen und damit den von vielen Analysten insgeheim vermuteten großen Deal realisieren könnte, wollte er deshalb nicht ausschließen - zumal sich die Armonker in den vergangenen Jahren speziell in Europa schon einige kleinere Service-Anbieter einverleibt haben.

Allerdings sei man, so Maerki, als Global Player in der glücklichen Position, noch über die "kritische Masse" zu verfügen. Außerdem koste die Eingliederung zugekaufter Unternehmen "Zeit und viel Managementaufwand". Doch im gleichen Atemzug fügte der IBM-Manager auch hinzu: "Wenn wir eine Service-Com- pany kaufen, dann deshalb, um schneller zu wachsen." Mit einem Anteil am Weltmarkt von derzeit vermutlich acht oder neun Prozent ist für den IBM-Service-Spezialisten jedenfalls das Ende der Fahnenstange noch längst nicht erreicht: "Ein Marktführer kommt auf 15 bis 20 Prozent Markanteil. Da wollen wir hin."

Dazu beitragen sollen nicht zuletzt die Aktivitäten in der von ihm verantworteten EMEA-Region, die laut Maerki 1997 rund neun Milliarden Dollar zum Gesamtumsatz der IBM Global Services beigesteuert haben. Vor allem in Europa sieht der Schweizer große Möglichkeiten im Outsourcing-Geschäft. So habe eine IBM-interne Untersuchung ergeben, daß 90 Prozent aller europäischen Unternehmen bis zum Jahr 2001 zumindest Teile ihrer IT auslagern wollen.

Als Aktivposten sieht der IBM-Manager zudem den ERP-Sektor (Enterprise Resource Planing). Doch besagtes Geschäft hat es in sich. Vor allem SAP- und Baan-Experten sind rar, und der Mangel an entsprechenden Skills bei den Anbieterfirmen hat in diesem Segment des DV-Arbeitsmarktes längst einen Abwerbungskampf in Gang gesetzt. Maerki: "Gerade in Deutschland ist die Nachfrage nach entsprechenden Spezialisten größer als das Angebot. Hier wird deshalb unser Wachstum zwangsläufig begrenzt sein.

* Beate Kneuse ist freie Journalistin in München.

Abb.1: Deutscher IT-Servicemarkt

Pole Position: Nur mit hauchdünnem Vorspurung konnte sich IBM im vergangenen Jahr als Marktführer im deutschen IT-Dienstleistungsgeschäft behaupten. Quelle: Pierre Audoin Conseil

Abb.2: Markt für IT-Software und Services

Wachstumsperspektiven: Wo man hinsieht, zeigt die Tendenz im IT-Service-Geschäft nach oben. Quelle: Input/TDS