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02.10.1998 - 

Studie von Cambridge Technology bringt ambivalente Ergebnisse hervor

IT-Shops und ihr Verhältnis zum Return on Investment

Grundsätzlich hat sich, wie die Autoren der Studie "ROI on IT Investments - Practical or Political?" feststellen, in den großen Anwenderfirmen in Sachen Qualifizierung von IT-Kosten keine grundlegend neue Situation ergeben. Die Feststellung des vielzitierten ROI gelte, bei allen Schwächen im Detail, nach wie vor als eines der klassischen Instrumente zur Unternehmenssteuerung. Und da- mit auch als Kriterium für die IT-Abteilung. In dem Maße, in dem sich immer mehr Firmen im globalen Wettbewerb nicht nur mit ihren Produkten oder Dienstleistungen, sondern auch mittels professioneller IT und damit Kommunikationsfähigkeit mit Kunden und Lieferanten behaupten müssen, sei deshalb auch der Rechtfertigungszwang für die internen IT-Shops gestiegen. Die verantwortlichen Unternehmenslenker wollen auch im Zusamenhang mit IT-Investitionen wissen, welchen Mehrwert sie für welches Geld erhalten - und das auch noch in "ihrer Sprache" erklärt bekommen.

Die Zeiten für IT-Professionals sind also, so das erste Fazit der Untersuchung, was selbständige Einkaufspolitik und Budgetkontrolle angeht, nicht besser geworden. Wie wichtig schätzen nun aber IT-Manager den ROI bei den von ihnen veranlaßten und/oder beantragten Kaufentscheidungen und Projekten ein? Und wie beurteilen sie die Aussagekraft eines entsprechenden Benchmarkings? Zwei Drittel der Befragten äußerten sich laut Studie grundsätzlich positiv zu einer Kosten- und Erfolgskontrolle ihrer Arbeit. Mehr als 30 Prozent der IT-Verantwortlichen sind aber nach wie vor der Auffassung, daß ein ROI im Zusammenhang mit der Einführung und Nutzung von IT nicht "im Sinne einer Effizienzsteigerung oder Kostenreduktion im Unternehmen" meßbar ist.

Begründung der Skeptiker: Die durch den Einsatz moderner IT in Gang gesetzten Veränderungen bei Geschäftsabläufen lassen sich durch klassische Controlling- und Accounting-Methoden nicht abbilden.

Allerdings benutzen IT-Verantwortliche diese Argumentation vorzugsweise gegenüber dem Top-Management. In ihrem eigenen Zuständigkeitsbereich spielen viele der CIOs, wie die Experten von Cambridge Technology weiter ausführen, durchaus auf der ROI-Klaviatur. Ihre brisante These untermauern die kalifornischen Consultants mit entsprechenden Umfrageergebnissen. Demnach setzen 80 Prozent der IT-Manager, die ihren Vorständen gegenüber mit der Nichtmeßbarkeit eines ROI argumentieren, bei von ihnen allein verantworteten Projekten oder im Vorfeld von Ausschreibungen auf eben diese Instrumente - also den möglichst weitreichenden Kostenvergleich sowie eine Effizienzbeurteilung. Mit anderen Worten: Bevor sich der "ROI-feindliche" IT-Shop eine Investition von der Geschäftsleitung absegnen läßt, hat er sich längst ein (internes) Bild über die entsprechende Kosten-Nutzen-Relation gemacht.

Neben allen systemimmanenten und politischen Dimensionen hat die ROI-Debatte im Zusammenhang mit IT aber auch eine kulturelle Facette. Demnach sehen sich die befragten IT-Chefs von Firmen in traditionell konservativen Branchen, beispielsweise bei Banken und Versicherungen, einem weitaus größeren "Anpassungsdruck" ausgesetzt. Überall dort, wo ein nachzuweisender ROI quasi aus der Geschichte heraus zur entscheidenden Bestimmungsgröße einzelner Business Units gewachsen ist, müßten die IT-Verantwortlichen zumindest gute Miene zum bösen Spiel machen.

Selbst die knapp 70 Prozent der befragten IT-Manager, die sich mit einer wie auch immer gearteten Beurteilung ihrer Arbeit und Investitionen auf dem ROI-Prüfstand anfreunden können, wollen dies nicht "im Grundsatz" verstanden wissen. Mehr als 75 Prozent von ihnen machen ein Benchmarking vom jeweiligen Projektstand und von der Zielrichtung einer Investition abhängig. Alle IT-relevanten Maßnahmen, die auf eine Kostenreduktion bei einzelnen Geschäftabläufen abzielten, seien "nachvollziehbarer" zu bewerten als etwa Projekte, die eine "Infrastrukturverbesserung oder Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit" zum Ziel haben, gaben die IT-Verantwortlichen zu Protokoll.

Unterschwellig kam dabei auch, glaubt man den Autoren der Studie, noch eine andere Geisteshaltung zum Vorschein. Viele CIOs begeben sich demnach vor Beginn eines Projektes oder einer Ausschreibung geradezu mit Wonne in den Marathon einer ROI-Debatte mit der Geschäftsleitung - um die Eckdaten festzuklopfen und die Anfangsfinanzierung sicherzustellen. Sei diese Klippe der "Initialzündung" umschifft, habe das IT-Management in aller Regel freie Hand. Gute Geschäftszahlen des Unternehmens vorausgesetzt, geben sich später nur wenige Vorstände die Blöße, das Scheitern eines teuren IT-Projekts zu riskieren. Späteres Draufsatteln bei den Kosten sowie an Manpower sei daher für den IT-Shop vielfach "eine leichte Fingerübung".

Zur Studie

Insgesamt wurden von Cambridge Technology Partners 140 hochrangige IT-Manager beziehungsweise Chief Information Officers (CIOs) befragt. 63 Prozent der an der Untersuchung teilnehmenden IT-Professionals sind - querbeet durch alle wichtigen Industriebereiche sowie Behörden und Finanzdienstleistungsgewerbe - in den USA tätig, sechs Prozent in Kanada, 21 Prozent in Europa sowie zehn Prozent in den übrigen Erdteilen. Kriterium für die Auswahl war die Kontrolle über ein "signifikant hohes IT-Budget" sowie eine entsprechende Firmengröße. 34 Prozent der befragten IT-Manager repräsentieren demnach ein Unternehmen mit einer Umsatzgröße von mehr als einer Milliarde Dollar.