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IT in Behörden/Arbeiten beim Bundeskriminalamt

IT-Spezialisten für das Herzstück der Behörde

30.05.2003
WIESBADEN - Informationen sind die Basis aller kriminalistischen Arbeit. Daher fristet die IT-Abteilung des Bundeskriminalamts (BKA) kein kümmerliches Dasein in den Kellern der Behörde, sondern präsentiert sich selbstbewusst als zentraler Dienstleister für 270000 deutsche Polizisten und die internationalen Polizeien.Von CW-Mitarbeiterin Bettina Wirth

"Wir sind die zentrale Sammelstelle für alle Fahndungsinformationen. Der ,normale Schutzmann'' gehört ebenso zu unseren Kunden wie der Fahndungsbeamte, der in einem internationalen Verfahren die Verbindungen zwischen verdächtigen Personen recherchiert." So klingt Sigurd Thiedig, Chef über alle elektronischen Informationen, die das BKA zur Verbrechensbekämpfung gewinnt und bereitstellt.

Der Herrscher über das Herzstück der Fahndungsarbeit - seines Zeichens leitender Regierungsdirektor - ist stolz auf seine Datenbank "Inpol" und zeigt dies auch: "Wenn es hier still steht, dann müssen die Kollegen im Prinzip wieder Fahndungsbücher einführen." Dank Thiedig und seinem Team wird es dazu wohl niemals kommen, aber weil die Migration auf eine schnelleres Datenbanksystem von Oracle in vollem Gange ist, muss sich die IT-Abteilung verstärken.

Allerdings sei die Technik nicht der alleinige Grund für Neueinstellungen: Zusammen mit dem mehr als 30 Jahre alten Datenbanksystem "Prisma", einem Siemens-Produkt, sind auch die IT-Experten gealtert. Nun gibt es kaum noch jemanden in der Behörde, der sich mit den antiquierten hierarchischen Datenbanken auskennt. Gefragt sind für "Inpol neu" deshalb vor allem Systemadministratoren, die mit HP-UX umgehen können, Datenbankadministratoren für Oracle-Standard-Datenbanken sowie Java- und C++-Programmierer.

Die IT-Mitarbeiter unterstützen die deutsche und internationale Fahndungsarbeit, indem sie Informationen so lange sammeln, vergleichen, visualisieren und verschieben, bis sich ein Hinweis für die Fahnder ergibt. Als zentraler Anbieter von Systemleistungen für die deutsche Polizei und als internationaler Ansprechpartner kann sich das BKA allerdings nicht immer die spannendsten Fälle heraussuchen, auch wenn Fernsehkrimis manchmal diesen Eindruck erwecken. Das BKA wird oft tätig, wenn die Kollegen aus den Landeskriminalämtern, Interpol, Europol oder die Staaten des Schengener Abkommens Hilfe anfordern. Zu den Aufgaben des BKA gehört die technische Auswertung von Asservaten, also sichergestellter Informationstechnik. Dabei muss in vielen Fällen ein "Wust von Daten" gesichtet werden, so Thiedig.

Um die inhaltliche Datenträgeranalyse zu verbessern, arbeitet das BKA mit einem externen Partner zusammen, der ein Verfahren zum Massen-Screening entwickelt. Mit einer unüberschaubaren Menge an Informationen müssen die IT-Fahnder auch fertigwerden, wenn sie das Internet anlassunabhängig nach Kinderpornografie, rechtsextremistischen oder terroristischen Umtrieben durchforsten.

Insgesamt beschäftigt das Bundeskriminalamt 5100 Mitarbeiter, davon gehören rund 340 zum harten Kern der IT-Spezialisten. Thiedig will in den kommenden Monaten 120 neue Mitarbeiter einstellen und gehört somit zu den wenigen Arbeitgebern in Deutschland, die in dieser Größenordnung IT-Personal suchen. Das BKA ist ein gutes Beispiel für den Arbeitsmarkttrend, dass Behörden mittlerweile zu den wichtigsten IT-Arbeitgebern gehören.

Traditionelle Bewerbung bevorzugt

Über einen Mangel an Bewerbern kann sich die Personalabteilung der Kriminaler nicht beklagen: Pro Inserat mit jeweils fünf Stellenofferten gehen etwa 1000 Bewerbungen in der Personalabteilung ein, wie der zuständige Kriminalrat Michael Albertz berichtet. Allerdings sind wegen der hohen fachlichen Anforderungen noch nicht alle Stellen besetzt.

Albertz bevorzugt den traditionellen Bewerbungsweg mit klassischem Anschreiben, Foto, Lebenslauf und Zeugnissen: "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass schriftliche Bewerbungen kompletter sind als Online-Unterlagen." Für einen Job beim BKA müssen Zeugniskopien zwar beglaubigt werden, ein Knockout-Kriterium ist dies jedoch nicht: "Die Beglaubigungen sind für den ersten Kontakt noch nicht nötig. Wenn es später Schwierigkeiten gibt, können wir die Kopien notfalls auch selbst beglaubigen."

Trotzdem müssen Bewerber ein wenig Geduld mitbringen, wenn sie auf den Bescheid aus dem BKA warten: Sicherheitsüberprüfung, Gesundheitscheck, die Prüfung durch die Gleichstellungsbeauftragte - und nicht zuletzt die Entscheidung der künftigen IT-Kollegen - das kann sich schon mehrere Wochen hinziehen. Albertz: "Wir müssen den Bewerbungsprozess in allen betroffenen Abteilungen transparent machen."

Wer in einer Sicherheitsbehörde wie dem BKA arbeitet, der tut dies mit allen Konsequenzen, leistet einen Eid, verpflichtet sich zur Wahrung des Dienstgeheimnisses und ist bereit, Schichtdienst und Rufbereitschaft zu akzeptieren. Thiedig: "Schließlich ist unser Rechenzentrum 24 Stunden lang sieben Tage die Woche besetzt." Dennoch sind die Arbeitszeitmodelle flexibel und damit familienfreundlich, immerhin handelt es sich um eine Behörde, und die Beschäftigten genießen mit Gleitzeit, Teilzeit und Zeitkonten alle Vorteile eines öffentlichen Arbeitgebers.

Auf die Verdienstmöglichkeiten bei der Behörde angesprochen, verweist Personalvertreter Albertz gern auf die Gesamtbilanz, die ein Job beim BKA mit sich bringt. Zwar sei das Gehalt niedriger als in der Wirtschaft, dafür könne das Amt im Gegensatz zu Oracle einen sicheren Arbeitsplatz bieten. Ein Vorteil, der sich offenbar unter den Bewerbern herumgesprochen hat. Die Gehaltswünsche der Kandidaten seien längst nicht mehr so offensiv wie noch vor ein paar Jahren, berichtet Thiedig.

Einstellungsberater Albertz macht eine Beispielrechung auf: Ein 35-jähriger Familienvater verdient als Tarifangestellter im höheren Dienst 48000 Euro brutto im Jahr. Voraussetzung für den höheren Dienst ist unter anderem ein abgeschlossenes Hochschulstudium. Angesichts der heutigen Marktlage, so Albertz, könne ein sicherer Job schwerer wiegen als 1000 Euro mehr im Jahr.

Angeklickt

Behörden und Hochschulen gehören zu den wichtigsten IT- Arbeitgebern. Im Gegensatz zu vielen IT-Herstellern oder Beratungen haben sie ihre Einstellungspolitik nicht drastisch verändert und suchen kontinuierlich nach IT-Personal. Ein Beispiel ist das Bundeskriminalamt in Wiesbaden, das in diesem Jahr 120 Stellen zu besetzen hat.