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22.10.2004

IT-Standort München weiter im Aufwind

Die IT-Branche in der bayerischen Landeshauptstadt und der Region sieht wieder zuversichtlich in die Zukunft.

München und sein Umland scheinen aus der konjunkturellen Berg- und Talfahrt der vergangenen Jahre gestärkt hervorzugehen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie zum Informations- und Kommunikationssektor in München. In Auftrag gegeben wurde die Untersuchung vom Referat für Arbeit und Wirtschaft der Landeshauptstadt München sowie der Industrie- und Handelskammer (IHK) für München und Oberbayern.

Stadt des Wissens

Laut der Studie konnte die Stadt ihre Position als wichtigster IT- und Medienstandort in Deutschland behaupten. Gleichzeitig zählt die Region zu den wichtigen Standorten in Europa. Kurt Kapp, Referatsleiter Wirtschaftsförderung der Stadt München, freut sich auch über die bessere Stimmung in der Wirtschaft. Über 60 Prozent der befragten Firmen beurteilen ihre Perspektiven für die kommenden drei bis fünf Jahre positiv. Allerdings wirkt sich diese Zuversicht noch nicht auf den Arbeitsmarkt aus. Laut Studie sind in der Region in der IT-Branche rund 164143 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte tätig. Nachdem im Jahr 2003 mit rund 3200 arbeitslosen IT-Kräften ein Höchststand erreicht war, reduzierte sich die Zahl in diesem Jahr um ein Viertel. "Einige sind wieder in Firmen untergekommen, andere haben den Weg in die Selbständigkeit gewählt", erläutert Werner Brendli von der Arbeitsagentur in München.

Auch in der Eröffnungsdiskussion des Karrierezentrums der computerwoche auf der Systems ging es um den IT-Arbeitsmarkt in der Region München. Die Arbeitslosenquote im IT-Sektor liegt bei vier bis fünf Prozent. Probleme, einen neuen Job zu finden, hätten weniger Hochschulabsolventen, sondern vielmehr Menschen ab Mitte 40. Für sie sei es auch mit langjähriger Berufserfahrung nicht einfach. "Ihnen wird weniger Flexibilität zugetraut", weiß Sissi Closs, Gründerin und Chefin von Comet Computer aus München. Allerdings sei das oft ein Trugschluss, denn jung zu sein garantiere keineswegs für gute Arbeit. "Ich brauche gute Techniker mit soliden Kommunikationsfähigkeiten", erklärt Rudolf Haggenmüller, Geschäftsführer der Fast Gesellschaft für angewandte Softwaretechnologie. Einen IT-Ausbildungsberuf und einige Jahre Berufserfahrung sieht er als gute Startposition ins Arbeitsleben.

Der Münchner Personalberater Jürgen Herget von JBH Personal- und Management-Beratung nennt ein anderes Problem der Jobsuchenden: "Viele ehemalige New-Economy-Leute haben Defizite; ihnen fehlen viele Fertigkeiten." Hinzu komme eine gewisse Arroganz, so Herget: "Sie sind auf einer Ebene eingestiegen, der sie mental nicht gerecht wurden, und fordern jetzt Karriereperspektiven und Gehälter, die keineswegs ihren Fähigkeiten entsprechen." Gerade mittelständische Unternehmen könnten und wollten solche Karrierepläne nicht erfüllen; hier liege der Fokus wieder stärker auf konservativen Werten wie Loyalität oder Zuverlässigkeit. Deshalb empfiehlt Herget Bewerbern, ihre Erwartungen zu überprüfen und sich genau zu überlegen, welche Berufs- und Karriereziele realistisch seien. Gleichzeitig erwartet er von Jobsuchenden neben soliden Fachkenntnissen Selbstbewusstsein und sicheres Auftreten: "Mir kommt es auf angewandte Intelligenz an und weniger auf den Titel", denn ein MBA-Abschluss sei kein Garant für hervorragende Arbeitsleistungen; Persönlichkeit zähle mehr.

Die goldenen Zeiten für IT-Fachleute sind weitgehend passé. Mehr Bewerber konkurrieren um weniger freie Positionen, Firmen stellen höhere Anforderungen und zahlen weniger. Mit dem Trend zum Outsourcing stehen Jobsuchende vor einer neuen Herausforderung. Die "Globalisierung in den Dienstleistungen", wie es Peter Broß, Geschäftsführer des Branchenverbandes Bitkom umschreibt, stellt einen weiteren Einflussfaktor für den IT-Arbeitsmarkt dar. Broß hält die kursierenden Zahlen über einen weiteren Stellenabbau für "Kaffeesatzleserei" und empfiehlt: "Von der Sogwirkung kann man sich nicht abkoppeln, sondern muss sie nutzen. Manche Branchen haben das gut hingekriegt und Arbeitsplätze geschaffen; es ist wichtig, unseren Standort zu stärken."

Auch für Wirtschaftsförderungs-Referatsleiter Kapp sind solche Nachrichten nicht neu: "Standardprogrammierung wird immer mehr abwandern. Innovationen und Bildung sind deshalb für uns entscheidend." Hier sieht Kapp einen klaren Standortvorteil gegenüber Regionen wie Bangalore oder Shanghai. In der Studie gaben drei Viertel aller Unternehmen an, mit dem Angebot an qualifizierten Mitarbeitern zufrieden oder sehr zufrieden zu sein. Auch die Kontaktmöglichkeiten zu den Hochschulen und Forschungseinrichtungen sprechen mit 83 Prozent zufriedenen oder sehr zufriedenen Firmen eine deutliche Sprache. Kapp sieht "München als Stadt des Wissens".

Innovationen sind gefragt

Doch Manfred Cerwenka vom Softwarehaus Fast gibt zu bedenken, dass in vielen osteuropäischen Ländern gut ausgebildete und technikbegeisterte Experten gerade in der Entwicklung neuer Produkte vorne mitmischen. Um hier selbst Kontakte knüpfen zu können, kooperiert das Softwarehaus mit der bayerischen Staatsregierung. "Unser Projekt hat zum Ziel, den Standort Bayern zu stärken und Koopera-tionen zwischen bayerischen und osteuropäischen Firmen zu vertiefen", erläutert Cerwenka. Dazu gehören ein intensiver Austausch und Delegationsreisen mittelständischer Unternehmen nach Osteuropa, um Geschäftsbeziehungen zu ermöglichen. Allerdings räumt Cerwenka ein: "Es wäre vermessen zu sagen, wir verlieren keine Arbeitsplätze."