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11.08.2000 - 

Online-Training/Umfassendes Schulungsprogramm für Ministeriums-Mitarbeiter

IT-Training hilft Beamten, effektiver zu arbeiten

Ihre ungewöhnliche Kooperation überzeugte die Fachwelt und die Jury. Beim fünften IT-Trainingskongress gewann das gemeinsame Projekt der Albit GmbH aus Mülheim, des Bundesinnenministeriums und des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik den IT-Trainings-Award für das beste Schulungskonzept. Von Gabriele Müller*

Montag, dritte Unterrichtsstunde in der Goethe-Schule in Essen. Die Klasse 10a übt für ihre Führerscheinprüfung - am Bildschirm. Es ist eine virtuelle Prüfung, versteht sich, denn für das Lenken von vierrädrigen Fahrzeugen sind die Schüler noch zu jung - aber nicht für den Europäischen Computerführerschein (ECDL). Dass sich die Goethe-Schule dieses Lernangebot überhaupt leisten kann, hat erst die Spende der IT-Award-Preisträger möglich gemacht.

"Wir sind uns darin einig, dass gründliche PC-Kenntnisse Bestandteil einer allgemeinbilden-den Schulausbildung sein sollten", erklärt Pia Karger. Die Diplominformatikerin und Ober-regierungsrätin ist gemeinsam mit Hans-Rudolf Albrecht, dem Geschäftsführer der Albit GmbH aus Mülheim, für das IT-Fortbildungskonzept verantwortlich, das in Bonn den Award und die damit verbundene Summe von 5000 Mark gewann. Albrecht ergänzt: "Für uns war sofort klar, dass wir mit diesem Preis einen möglichst großen Kreis von Schülern in ihrer Ausbildung unterstützen und mit dem Computer vertraut machen wollen." Dass es beim chronischen Geldmangel vieler Schulen oft nicht möglich ist, die Klassen frühzeitig an Informationstechnologie heranzuführen, wissen auch Karger und Albrecht - und fanden einen Weg, mit ihrem Preisgeld Essener Schülern zu helfen.

Eine ungewöhnliche Idee - und eine ungewöhnliche Kooperation, so scheint es auf den ersten Blick. Denn erarbeitet wurde das Fort-bildungskonzept von der Firma Albit und dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), dem ehemaligen Arbeitgeber von Pia Karger, für das Bundesministerium des Innern (BMI), bei dem sie heute beschäftigt ist. Ziel dieses gemeinsamen Projekts war, eine Antwort auf die Frage "Wer muss was wann wie und wodurch lernen?" für das Innenministerium zu finden.

Für eine leistungs- und ergebnisorientierte Verwaltung hat die IT-Fortbildung der Mitarbeiter eine große Bedeutung. Vernetzte Systeme schaffen die Voraussetzung, Verwaltungsaufgaben schneller zu erledigen. Das setzt aber voraus, dass diejenigen, die diese Systeme nutzen, für den Umgang damit im Arbeitsalltag geschult werden, so der Grundgedanke der Fortbildung.

Damit alles problemlos verläuft, haben die Projektpartner gründliche Vorarbeit geleistet. "Unser erstes Ziel war es, mit einer IT-Fortbildung eine starke Orientierung an den jeweiligen Aufgaben zu ermöglichen, also praktische Hilfe für die tägliche Arbeit zu geben", erklärt die Informatikerin. "Es sollte klar sein, dass der Nutzer und seine Bedürfnisse im Vordergrund stehen. Dabei haben wir von Beginn an klar gemacht, dass es hier nicht um Technik als Selbstzweck, sondern um Unterstützung bei Arbeitsabläufen geht."

Gleichzeitig sollten die Anwender ganzheitlich in allen Kompetenzfeldern gefördert werden, die für eine effiziente und IT-gestützte Verwaltungsarbeit notwendig sind. "Grundlagenwissen zu den neuen Medien sollte deshalb ebenso trainiert werden wie Methodenwissen und die Organisation von Arbeitsabläufen mit Hilfe der Informationstechnologie", fügt Hans-Rudolf Albrecht hinzu. Wichtigster Gedanke dabei: Nicht nur Lösungen anbieten, wie eine Aufgabe mit Hilfe von IT besser bewältigt werden kann, sondern auch die Kompetenz vermitteln, wie künftig Probleme in Eigenregie zu lösen sind.

Schließlich soll mit diesem Konzept auch erreicht werden, dass Mitarbeiter selbstorganisiert ihren Fortbildungsbedarf erkennen und daraus eigenverantwortlich Lösungswege entwickeln. Albrecht: "Nur so lässt sich der Gedanke des lebenslangen Lernens und einer lernenden Organisation nachhaltig unterstützen."

Um dieses Ziel zu realisieren, sieht der Entwurf mehrere Module für verschiedene Benutzergruppen vor, wie beispielsweise Mitarbeiter mit festen Tätigkeiten in Schreibdiensten und Registraturen, Personal mit wechselnden Aufgaben, Sachbearbeiter und Referenten sowie Mitarbeiter in leitenden Positionen.

So ist Modul eins, die Vermittlung von PC-Grundlagen, noch für alle Benutzer gedacht. Ab Modul zwei, der individuellen Methodenschulung, setzt eine Differenzierung der Teilnehmer und des Lernangebots ein. Hier geht es dann um die persönliche Arbeitsorganisation mit Hilfe der IT. Ein moderierter Workshop und Coaching am Arbeitsplatz helfen bei der Umsetzung. An der folgenden Kontextschulung soll, so der Plan, jeweils eine ganze Ar-beitseinheit vom Bürosachbearbeiter bis zum Referatsleiter teilnehmen, um gruppenbezogene Arbeitsabläufe im Hinblick auf den IT-Einsatz zu analysieren und Lösungen dafür zu erarbeiten.

Modul drei, das so genannte spezielle Werkzeugwissen, rückt das Selbstlernen in den Mittelpunkt. Die BMI-Mitarbeiterin Karger erklärt: "Das kann als betreutes Selbstlernen, zum Beispiel in einem Selbstlernzentrum, geschehen, aber auch am Arbeitsplatz mit Hilfe von CBTs oder anderen Informationshilfen."

Ganz wichtig sei, dass auch in dieser ersten Selbstlernphase jeder Anwender immer, wenn es nötig ist, um Rat und Hilfe bitten könne, wissen die Projektpartner. "Niemand soll sich allein gelassen fühlen." Speziell für Mitarbeiter in leitenden Tätigkeiten wird Information in Form eines moderierten Workshops zu den Themen "Grundkenntnisse der IT-Nutzungsmöglichkeiten" und "Führung mit IT" angeboten.

Bevor das Gesamtkonzept an den Start geht, haben die Projektverantwortlichen einen ersten Feldversuch gestartet. "Die Resonanz war enorm groß", erinnert sich Karger. Als "Tester" fungierten die Mitarbeiter eines Fachrefe-rats des Innenministeriums vom Sachbearbeiter bis zum Referatsleiter. Sie sollten in einem Workshop Methoden und Lösungen entwickeln, um mit Hilfe der Informationstechnologie die Arbeit und die Kooperation in ihrer Organisationseinheit leichter und effizienter zu gestalten. "Auch hier ging es uns nicht darum, vorgesetzte Lösungen zu zeigen, sondern darum, dass die Teilnehmer diese Aufgaben selbst erarbeiten sollten", erinnert sich der Albit-Geschäftsführer.

Als Erfolg bewerten es die Projektverantwortlichen, dass die Teilnehmer erkannt haben, wie unterschiedlich die Aufgabenstellungen der einzelnen Anwender und wie differenziert damit auch der IT-Einsatz sein muss, um individuellen und arbeitsgruppenbezogenen Anforderungen gerecht zu werden. "Das ist es, was wir mit diesem Projekt erreichen wollen", freut sich Albrecht. "Die Nutzer lernen, in IT-Strukturen zu denken."

Die Verbindung von intensiver Methodenschulung durch Workshops, die werkzeugunabhängige Fähigkeiten vermitteln, mit einem breit gefächerten Selbstlernangebot ermöglicht nicht nur den Einsatz der Technik. Sie sorgt auch für die Wirtschaftlichkeit eines solchen Weiterbildungskonzepts, ist Albrecht überzeugt: "Die Mitarbeiter lernen nicht auf Vorrat, sondern das zu Lernende ist zu bevorraten."

Damit wollen sich die Organisatoren aber nicht zufrieden geben. Für die Zukunft planen sie die Einführung einer eigenen IT-Fortbildungsorganisation im Ministerium, die nicht nur das Lernangebot sicherstellt, sondern auch Coachings und begleitende Hilfen bietet und für die Umsetzung des Gelernten am Arbeitsplatz sorgt. Dazu gehört eine regelmäßige Bedarfsanalyse ebenso wie eine Bedarfsabstimmung und ein Bildungscontrolling.

"IT ist ein Motor für Veränderungen", beschreibt Pia Karger das breite Anwendungsfeld der Informationstechnologie. "Hier leisten wir uns sogar beides: Wir verbessern die interne IT-Fortbildung, und wir gestalten die Arbeit effizienter." Kein Wunder also, dass dieses Konzept auch schon die Aufmerksamkeit anderer Bundesbehörden geweckt hat. Hans-Rudolf Albrecht: "Wir haben hier Pionierarbeit geleistet, von der auch andere Institutionen profitieren können."

*Gabriele Müller ist freie Journalistin in Wuppertal.

Ein Projekt - drei PartnerBehörden und IT? Treffen da womöglich zwei Welten aufeinander? Das muss nicht sein, wie die Zusammenarbeit von BMI, BSI und Albit beweist. Auf seinem Weg zu einer "modernen, effizienten und bürgerorientierten Verwaltung" hat das Ministerium die Bedeutung der modernen Kommunikationstechnologie erkannt und konsequent ein Konzept zur IT-Mitarbeiterschulung entwickeln lassen. Zwei Partner haben das Konzept erarbeitet, zu deren Kernkompetenzen Informatik und Schulung gehören. Das BSI zählt nicht nur das Thema Sicherheit im Internet zu seinem Aufgabenbereich, sondern auch die IT-Fortbildung des Bundes allgemein. Die Albit GmbH aus Mülheim bringt als Dienstleister rund um elektronische Kommunikation langjährige Erfahrung aus Projekten bei Großunternehmen und Behörden zum Thema mediengestütztes Lernen mit.

PC in der SchuleIhren Preis sinnvoll einzusetzen war der Wunsch der IT-Award-Gewinner. Deshalb haben sie die Summe von 5000 Mark nicht nur einfach gespendet, sondern auch dafür gesorgt, dass nun alle Schüler der Goethe-Schule in Essen grundlegende PC-Kenntnisse erwerben können. Gemeinsam mit der Schulleiterin Vera Bittner haben das BMI, das BSI und Albit deshalb die Summe von 5000 Mark dazu genutzt, eine Klassenraumlizenz des "ECDL 97 Kurspaketes" des CBT-Herstellers M2S anzuschaffen. Und nicht nur das: Die Düsseldorfer M2S GmbH wird sich aktiv an der Spende beteiligen und für eine Einführung des Programms bei allen interessierten Lehrern der Schule sorgen.

"Mit diesem Selbstlernprogramm können unsere Schüler gründliche Computerkenntnisse erwerben und im Rahmen des Europäischen Computerführerscheins (ECDL) auch nachweisen", freut sich Bittner. Der ECDL soll bestätigen, dass Fähigkeiten am Computer vorhanden sind, "wie sie jede Arbeitnehmerin und jeder Arbeitnehmer in Deutschland und im übrigen Europa benötigen".

Dazu gehören Grundlagen der Informationstechnik, Computerbenutzung und BetriebssystemFunktionen, Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentationen sowie Informations- und Kommunikationsnetze. Der Europäische Computerführerschein ist eine Initiative des Council of European Professional Informatics Societies (Cepis) in Zusammenarbeit mit der Europäischen Union (EU). In Deutschland wird der Computerführerschein von der Gesellschaft für Informatik e.V. (GI) getragen.