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02.05.2005

IT treibt die Corporate Governance

Die Bedeutung der IT für Corporate-Governance-Aufgaben ist den meisten Firmen bewusst. An der Umsetzung konkreter Projekte hapert es jedoch noch.

Mit den zunehmenden gesetzlichen Kontroll-, Prüf- und Berichtsvorschriften sind die Anforderungen an die "Corporate Governance" deutlich gestiegen. Das spiegelt sich nicht zuletzt in dem hohen Stellen- wert wieder, den viele Firmen dem Themenkomplex zuordnen: Für eine "angemessene Unternehmensorganisation beziehungsweise -führung" - so die gängige Übersetzung des Begriffs - ist in der Regel der Vorstand oder eine eigens eingerichtete Stabsstelle zuständig. Um herauszufinden, welche Bedeutung der IT im Rahmen von Corporate-Governance-Aufgaben zukommt, hat das Business Application Research Center (Barc) 105 deutsche Großunternehmen befragt.

Steigende Anforderungen

Corporate Governance beschäftigt sich im Kern mit der Führung und Kontrolle eines Unternehmens und umfasst Rechte und Aufgaben von Vorstand und Aufsichtsrat sowie insbesondere die Bereiche Rechnungslegung und Jahresabschlussprüfung, Transparenz und Berichterstattung. Vor allem im Hinblick auf Bilanzierung und Transparenz haben sich die Haftungs- und Sorgfaltspflichten des Managements in den vergangenen Jahren deutlich verschärft.

Der Barc-Erhebung zufolge glaubt das Gros der Befragten (93,3 Prozent), dass die Informationstechnik wesentlich zur Verbesserung der Corporate Governance beiträgt. Die dahin gehende Sensibilisierung führt jedoch nicht automatisch zu konkreten Maßnahmen: Gut 40 Prozent der Befragten sehen derzeit keinen akuten Handlungsbedarf und haben auch keine konkreten IT-Projekte zur Unterstützung der Corporate Governance geplant.

Besondere Bedeutung hat der Einsatz von Informationssystemen nach Ansicht der Umfrageteilnehmer für das interne Reporting und Controlling sowie die Planung und Budgetierung. Aber auch für das externe Reporting (etwa den Jahresabschluss) und das Risiko-Management wird die IT als wichtig erachtet (siehe Grafik "Relevanz der IT für Corporate Governance"). Für nahezu zwei Drittel (62,9 Prozent) der Interviewten spielt der Bereich Informations-Management in diesem Kontext eine tragende Rolle. Entsprechend sind es auch IT-Projekte zur Verbesserung des Informations-Managements beziehungsweise des internen und externen Reportings, die von den Unternehmen derzeit primär angepackt werden. An zweiter Stelle steht die IT-Unterstützung für ein Business-Intelligence-System: Bei gut einem Viertel ist die Einführung bereits abgeschlossen oder zumindest in Planung.

Reporting in Zeitlupe

Gut zwei Drittel der Unternehmen verfügen bereits über ein durchgängiges Reporting bis hin zum Vorstand. Eine Schwachstelle sind laut Studie jedoch die langen Berichtswege, die insbesondere im Hinblick auf das Risiko-Reporting zu Problemen führen können: So dauert es in deutschen Konzernen im Schnitt rund fünf Tage, bis Informationen über wesentliche Risiken zum Vorstand gelangen. In nur 13,8 Prozent der befragten Firmen stehen diese Nachrichten dem Management in 30 Minuten zur Verfügung, und lediglich zwei Konzerne gaben an, die Risiken innerhalb von fünf Minuten kommunizieren zu können.

Die Studienautoren führen diese Verzögerung nicht zuletzt auf eine mangelnde Automatisierung bei der Geschäftsprozessüberwachung zurück: Zwar verfügten 40 Prozent der Unternehmen bereits über ein entsprechendes System mit einem darauf aufbauenden Ausnahmeberichtswesen oder hätten dies geplant, bei mehr als einem Drittel (36,2 Prozent) der Befragten sei dies jedoch nicht der Fall, so die Untersuchung. Dabei ist ein konsistentes und zeitnahes Reporting nicht nur im Bezug auf gesetzliche Vorschriften wichtig: Den Autoren zufolge lassen sich damit auch strategische Wett- bewerbsvorteile erzielen, indem es Unternehmen ermöglicht, schneller auf neue Entwicklungen zu reagieren, Handlungsoptionen abzuwägen und daraus die richtigen Entscheidungen abzuleiten. Die diesbezügliche Relevanz der IT wird aber offenbar noch nicht hinreichend erkannt: Nur ein Drittel der befragten Firmen setzt eine Balanced Scorecard als Werkzeug zur Messung der Unternehmensleistung oder zur Integration von neuen strategischen Projekten ein. Gut die Hälfte arbeitet nicht damit, und rund zehn Prozent wissen noch nicht einmal mit dem Begriff etwas anzufangen.

Dafür ist die Mehrheit der Befragten (55, 2 Prozent) überzeugt, dass sich die Veröffentlichung der Jahresabschlussdaten mittels IT beschleunigen ließe. Mehr Tempo wäre zumindest für ein Fünftel der Firmen auch dringend angesagt: Sie können die Vorschrift für börsennotierte Unternehmen, den Abschlussbericht innerhalb von drei Monaten nach Geschäftsjahresende zu publizieren, derzeit nicht einhalten und überschreiten diese Frist teilweise um bis zu einem Vierteljahr.

Durchschnittlich acht unterschiedliche Informationssysteme liefern in den befragten Firmen die Daten für Reporting, Planung, Konsolidierung und Risiko-Management. Insgesamt reichten die Nennungen von einem bis 60 Systemen. Fast ein Viertel der Befragten konnten nicht sagen, wie viele oder welche Systeme in ihrem Unternehmen im Einsatz sind. Nach Angaben der Umfrageteilnehmer ist der Grad der Integration zwischen Teilsystemen für Reporting und Planung am höchsten. Die Einbindung von Risiko-Management- und Planungssystemen wird am niedrigsten eingeschätzt. Dass die Integrationsfähigkeit eine wichtige Rolle spielt, zeigt sich nicht zuletzt darin, dass sie als wichtigster Entscheidungsfaktor bei Neuanschaffungen genannt wurde.

Standardsoftware beliebt

Gut die Hälfte der Befragten unterstützt ihre Planungsabläufe mit Standardsoftware. Sie wird von den Unternehmen auch am besten bewertet: Knapp drei Viertel sind mit ihr zufrieden. Am häufigsten wird SAP eingesetzt (55,3 Prozent), gefolgt von Cognos (19,1 Prozent) und Hyperion (10,6 Prozent). 47,6 Prozent der Firmen nutzen Excel, gut die Hälfte kann mit der Tabellenkalkulation als Planungs-Tool gut leben. Rund ein Fünftel arbeitet mit einer Individualapplikation. Sie stellt die Befragten allerdings am wenigsten zufrieden. (kf)