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IT-Vergütung: Es lohnt sich, Chef zu sein

15.10.1999
Sie werden hochgelobt und sind dennoch die Verlierer im COMPUTERWOCHE-Gehalts- vergleich. Wirtschaftsinformatiker verdienen schlechter als ihre Kollegen mit einer reinen Informatikausbildung oder Betriebswirte mit Schwerpunkt IT. Ebenfalls überraschend ist, daß Fachhochschulabsolventen einen schlechteren Schnitt machen als Mitarbeiter mit einem Abschluß der Berufsakademie.

Die aktuelle CW-Untersuchung bringt einige Überraschungen ans Licht. Zum Beispiel kommen Mitarbeiter mit einem Wirtschaftsinformatik-Abschluß in der Studie vergleichsweise schlecht weg. Sie erreichen ein durchschnittliches Jahresgehalt von 97725 Mark. Ihre Kollegen mit einem reinen IT-Abschluß verdienen dagegen 106218 Mark, Betriebswirte 121129 und Informatiker mit einer Zusatzausbildung sogar 128756 Mark.

Christian Scholz, Professor für Organisation, Personal- und Informations-Management an der Universität Saarbrücken, der im Auftrag der CW die Studie anfertigte, interpretiert dieses Ergebnis auf zweierlei Weise: Zum einen finde die integrierte Ausbildungskombination in Unternehmen offenbar wenig Anklang, zum anderen bleibe vielen Wirtschaftsinformatikern der Aufstieg auf der Karriereleiter verwehrt. Scholz glaubt, daß viele Absolventen mit diesem Abschluß als Spezialisten unterhalb der Leitungsebene tätig sind, obwohl einige Professoren gerade ihnen hervorragende Chancen am Arbeitsmarkt attestiert hatten. Sie galten als die künftigen Chief Information Officers (CIOs), also die technisch versierten Manager, die das Geschäft der Informatikabteilung, aber auch des Unternehmens insgesamt verstehen.

Überraschend gut verdienen laut Untersuchung die Berufsakademie-(BA-)Teilnehmer. Sie nehmen im Jahr rund 113000 Mark mit nach Hause, ihre Fachhochschul-Kollegen hingegen müssen sich mit durchschnittlich 100000 Mark per annum begnügen. Für Scholz kommt dieses Ergebnis nicht unerwartet. Das große Praxis-Know-how der BA-Mitarbeiter mache sich bezahlt. Die Firmen bräuchten nach Studienabschluß keine Mark mehr in die Ausbildung zu investieren, diese Absolventen könnten vom ersten Tag an produktiv arbeiten. Die Geringschätzung einiger Professoren, die die BA-Absolventen als IT-Lehrlinge bezeichnen, ist somit unberechtigt.

Mit Abstand am besten bewerten die Arbeitgeber einen Master-of-Business-Administration-(MBA-)Abschluß. Wer ihn vorweisen kann, darf sich auf ein durchschnittliches Jahressalär von etwa 150000 Mark freuen. Selbst eine Promotion wird von den Firmenchefs um einiges schlechter bewertet als der Management-orientierte MBA-Abschluß.

Worin sich die Ergebnisse dieser Studie mit denen anderer decken, ist die Einschätzung der Führungsverantwortung. Sie hat großen Einfluß auf die Vergütung. Manager, die für bis zu fünf Mitarbeiter verantwortlich sind, verdienen durchschnittlich 119245 Mark im Jahr. Umfaßt die geleitete Gruppe mehr als 15 Beschäftigte, sind es schon rund 168000 Mark. Noch deutlicher wird der Unterschied, wenn man die Gehälter der IT-Verantwortlichen mit denen ihrer Mitarbeiter vergleicht: 148000 Jahresgehalt für die Häuptlinge, 108000 Mark für die Indianer. Dabei geht es um Durchschnittswerte. Die Studie hat natürlich auch das durchschnittliche obere beziehungsweise untere Viertel berücksichtigt, diese Zahlen hier zu nennen würde allerdings den Rahmen der Berichterstattung sprengen.

Die CW wird ab nächstem Jahr auch die Gehälter der Geschäftsführer berücksichtigen. Bereits für dieses Jahr existieren Zahlen für die Management-Ebenen unterhalb der obersten Führungsetage. So verdient ein Hauptabteilungsleiter 157412 Mark, ein Abteilungsleiter 144066 und ein Projektleiter 125494 Mark im Jahr. Abgefragt wurde auch der Verdienst des Projekt-Auftraggebers, beispielsweise der Chef einer Fachabteilung. Er erhält 154084 Mark.

Unabhängig vom Status machen sich IT- und Berufserfahrung bezahlt, sie wirken sich positiv aufs Portemonnaie aus. Beschäftigte mit bis zu fünf Jahren IT-Know-how kommen auf 95915 Mark. Je länger sie dabei sind, desto höher ist verständlicherweise das Gehalt. Nach weiteren fünf Jahren können sie mit 118628 Mark rechnen, und abermals fünf Jahre darauf sind es 139655 Mark im Jahr.

Die Branche und der Ort, an dem die Computerfachleute ihre Tätigkeit ausüben, beeinflussen ebenfalls das Salär. Keine Überraschung dürfte sein, daß die höchsten Gehälter in der IT-Beratung gezahlt werden. Die Studie weist hier den hohen Durchschnittswert von 145855 Mark aus. Scholz schränkt ein: "Es sind vor allem die global agierenden IT-Beratungshäuser, die am meisten bezahlen." In den anderen Branchen liegen die Werte darunter. Finanzdienstleister überweisen ihren Mitarbeitern im Durchschnitt 117120 Mark im Jahr, die Industrie 112497 Mark, Telekommunikations- und Medienindustrie 108950 Mark. Das Schlußlicht bilden Transport und Verkehr, hier müssen sich die IT-Profis mit 96580 Mark zufriedengeben.

München und Frankfurt am Main sind Deutschlands IT-Hochburgen, hier müssen die Arbeitgeber am tiefsten in den Geldbeutel greifen. So verdienen die Computerfachleute in der bayerischen Hauptstadt im Durchschnitt 130768 Mark, in der Bankenmetropole sind es lediglich 2000 Mark weniger im Jahr. Schlußlicht sind die neuen Bundesländer. Denn die Ostprogrammierer müssen mit 79947 Mark jährlich auskommen. Und auch Berlin hat vergleichsweise eher ein höheres Ost- denn ein Hauptstadtniveau, nämlich 95558 Mark.

Eine Rolle spielt auch das Arbeitsgebiet, in dem sich der Computerfachmann bewegt. Am besten kommen dabei die Berater und Trainer weg, die 125174 Mark verdienen. Im System- und Netzwerkumfeld liegen die durchschnittlichen Gehälter bei etwa 110000 Mark und im Bereich Software bei 103605 Mark. Nochmals zur Erinnerung: In der Berichterstattung geht es immer um allgemeine Durchschnittswerte, die komplette, 200 Seite starke Untersuchung umfaßt genaue Auswertungen, wieviel beispielsweise ein Berater mit einer bestimmten Ausbildung in einem bestimmten Ort in einer bestimmten Branche etc. verdient.

Bei der Auflistung der einzelnen Berufsbilder fällt auf, daß die Internet- und Netzspezialisten gut im Rennen liegen, aber auch die SAP-Profis haben keinen Grund zu klagen. Der Internet- beziehungsweise Web-Experte kommt auf 134434 Mark, der Netzspezialist auf 125210 Mark und der SAP-Fachmann auf 119000 Mark im Jahr. Bescheidener sieht es bei den Supportmitarbeitern aus, die sich im Durchschnitt mit 58091 Mark bescheiden müssen. Aber auch für Servicetechniker wachsen die Bäume nicht in den Himmel. Die Untersuchung weist für sie ein Durchschnittssalär von rund 71000 Mark aus.

Interessant ist eine weitere Auswertung. Und zwar hat Scholz eruiert, wieviel ein IT-Spezialist mit einem gewissen IT-Schwerpunkt-Know-how verdient. Dabei wird zunächst nicht berücksichtigt, welche weiteren Kenntnisse der Profi mitbringt. So vergüten Arbeitgeber einen C++-Programmierer mit 111292 Mark im Jahr, einen Cobol-Entwickler mit 119869 Mark und einen Java-Experten gar mit 121069 Mark. Hochkonjunktur haben in diesem Jahr wegen der Jahr-2000- und Euro-Umstellung die Großrechnerprofis. Ein MVS-Fachmann kann 126000 Mark verlangen.

Die in der Studie Befragten sollten zusätzlich angeben, über welche Qualifikationen sie verfügen und welche in ihrem Job gebraucht werden. Eine Gegenüberstellung dieser Profile ist insofern interessant, als daraus abzulesen ist, welche Kenntnisse Unternehmen in Zukunft nachfragen werden.

Bei den allgemeinen Qualifikationen herrschte große Übereinstimmung über den Stand des aktuellen und des geforderten Wissens. 60 Prozent der Befragten besitzen Projekt-Management-Know-how, in 63 Prozent der Fälle wird es gefordert. Ähnlich sieht es bei den Themen Teamführung und Informations-Management aus, etwas größer ist die Schere bei Englisch. Eine breitere Kluft zwischen dem Wissen von heute und dem, was morgen gefragt wird, existiert bei den IT-Themen. So fühlen sich 91 Prozent fit in Microsoft Office, nur 74 Prozent glauben aber, daß sie es künftig brauchen. Ähnlich sieht die Schere bei Lotus-Notes- und SAP-Kenntnissen aus. Noch extremer zeigt sich dieses Bild bei den Programmiersprachen. Sie dürften nach Ansicht der Befragten in Zukunft unwichtiger werden.

Während heute 47 Prozent angeben, daß sie C können, meinen nur zwölf Prozent, daß sie es in Zukunft brauchen. Einig sind sich die Teilnehmer, daß Java und HTML einen Boom erleben werden und daß man damit umgehen können sollte. Scholz meint vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse, daß sich die Bildungsverantwortlichen stärker damit auseinandersetzen müssen, wie und welche Inhalte künftig gelehrt werden sollen; reines Technikwissen werde auf jeden Fall unbedeutender.

Daß in der IT viel gearbeitet wird, ist keine neue Erkenntnis. 90 Prozent der Befragten kommen auf über 40 Stunden, davon elf Prozent auf über 55 Stunden pro Woche. Was den Saarbrücker Wissenschaftler indes überrascht hat, ist die Tatsache, daß in nur 37 Prozent der Fälle die Zusatzarbeit vergütet wird. Die Arbeitgeber können sich über engagierte Mitarbeiter freuen. Allerdings existierte in nur 30 Prozent der Fälle eine Karriereplanung für die Mitarbeiter. Immerhin gaben 36 Prozent der Teilnehmer an, daß der Arbeitgeber mit Zielvereinbarungen arbeite, die sich monetär auf die Leistung auswirkten. Dazu paßt, daß 41 Prozent der Antwortenden variable Vergütungsanteile erhalten.

Die Ergebnisse

Die Teilnehmer erhalten in diesen Tagen die Ergebnisse. Diejenigen, die an der Studie interessiert sind und den Fragebogen nicht ausgefüllt haben, können gegen eine Gebühr (100 Mark Einzelpersonen, 600 Mark Unternehmen) den Band bei Maria Scholz, Am Hüttenwald 10, 66894 Rosenkopf, Telefon 06372/61172, E-Mail prisma 1v.com, anfordern. Öffentlich vorgestellt werden die Ergebnisse auf der Computermesse Systems im Rahmen des COMPUTERWOCHE-Forums Jobs & Karriere am 18. Oktober 1999 um 12.00 Uhr in Halle A3/257.

Die Teilnehmer

An der Aktion beteiligten sich 583 Einzelpersonen und 25 Firmen. Die Firmenantworten bezogen sich auf zusammen 3255 Mitarbeiter. Insgesamt wurde mit 696 Datensätzen gearbeitet. Damit es zu keinen statistischen Verzerrungen kommt, wurden Firmenfragebögen, die für mehrere Mitarbeiter der gleichen Gehaltslage galten, als nur einer gewertet.

Wenn von Jahresgehältern die Rede ist, sind alle Zusatz- und Nebenleistungen von Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld über Unfallversicherung bis zum Dienstwagen berücksichtigt. Die Studie hat die Einkommen in eine Grund- und eine Gesamtvergütung unterteilt.

Bezüglich des Alters der Teilnehmer ergibt sich ein recht homogenes Feld. Bis 30 Jahre waren 14,8 Prozent, 31 bis 35 Jahre 35,6 Prozent, 36 bis 40 Jahre 26,5 Prozent und ab 40 Jahren 23,2 Prozent. 37 Prozent der Befragten besitzen einen Universitäts-, 22 Prozent einen Fachhochschul-, acht Prozent einen BA-Abschluß, zehn Prozent haben eine Lehre absolviert. 38 Prozent der Antwortenden sind Informatiker, 23 Prozent Betriebswirte und 19 Prozent Wirtschaftsinformatiker.

Die Studie

Im Sommer 1999 startete die COMPUTERWOCHE gemeinsam mit Christian Scholz, Professor für Organisation, Personal- und Informations-Management an der Universität Saarbrücken, eine Vergütungsuntersuchung. Der Fragebogen war in der CW abgedruckt, konnte aber auch über das Internet ausgefüllt werden. Von dieser Möglichkeit machten immerhin 80 Prozent der Teilnehmer Gebrauch. Die Studie wird auf jeden Fall fortgesetzt, und die CW wird regelmäßig darüber berichten.