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21.07.2000 - 

Personalberaterin beobachtet steigende Gehaltsforderungen

IT-Vergütungsspirale könnte Unternehmen gefährden

BAD HOMBURG (CW) - Seit rund einem halben Jahr - und verstärkt seit Beginn der Green-Card-Diskussion - bewegt sich die IT-Gehaltsspirale nach oben. Nach Einschätzung von Gabriele Kernwein, Geschäftsführerin der IT-Personalvermittlung PC/Enter, Bad Homburg, könnte diese Entwicklung Firmen sogar in die Überschuldung treiben.

Die Gehaltsspirale berührt, so Kernwein, alle IT-Berufe, den Unix-Netzbetreuer ebenso wie Key-Accounts, Systemarchitekten oder Entwickler. Die PC-Enter-Geschäftsführerin beschreibt anhand eines realen Beispiels die Situation am IT-Arbeitsmarkt: Ein 26-jähriger Datenverarbeitungskaufmann mit Abitur, absolviertem Wehrdienst, ohne weitere Zusatzqualifikationen, startet Anfang 1999 seinen beruflichen Werdegang als Administrator von NT- und Unix-Netzen bei einem Service Provider. Sein Jahreseinkommen beträgt rund 75000 Mark. Im Sommer 1999 wechselt er und hat eine Gehaltsforderung von 90000 Mark.

Im Herbst 1999 schließlich bietet ihm ein internationales Telekommunikationsunternehmen, das sich gerade in Deutschland niederlässt, eine Aufgabe als Projekt-Manager mit Teamverantwortung an. Das Angebot beläuft sich auf 150000 Mark - doppelt so viel wie noch vor einem dreiviertel Jahr. Der neue Arbeitgeber musste allerdings schnell wieder schließen. Die Folge für den Bewerber: Mit der betriebsbedingten Kündigung musste er fachliche, funktionale Einbußen sowie Einbußen beim Gehalt auf sich nehmen.

Besonders negativ sei, dass er bei der bevorstehenden Jobsuche "extrem hohen Erklärungsbedarf" habe, glaubt Kernwein: zur Dauer des Arbeitsverhältnisses, zur Funktion beim letzten Arbeitgeber und zur Höhe des Gehalts. Zudem sei der häufige Wechsel in der Position - Führungskraft, Projektleiter, Mitarbeiter - nachteilig: "Der ständige Wechsel deklassiert einen Bewerber zu jemandem, der ausschließlich geldorientiert ist und somit nie zu einer wertvollen Stütze im Unternehmen werden kann."

"Job-Hopping in diesen Auswüchsen", warnt die Geschäftsführerin, "schadet kurzfristig, mit Sicherheit aber auch mittel- und langfristig nicht nur den jeweiligen Arbeitnehmern, sondern auch der Wirtschaft." So bewegten sich Unternehmen, die sich angesichts der derzeitigen Personalsituation gezwungen sehen, den Gehaltsforderungen nachzukommmen, häufig nahe der Überschuldung.

"Gerade im heiß umkämpften Telekommunikations- und Internet-Markt bereiten Firmen mit einer überzogenen Gehaltspolitik ihren eigenen Untergang vor", so Kernwein. Gehaltssteigerungen um zehn bis 20 Prozent seien indes durchaus nicht ungewöhnlich.

Mitarbeiterbindung sei mindestens genauso wichtig wie die Rekrutierung. Hier zählten vor allem interessante Aufgaben, gute Weiterbildungsmöglichkeiten und innovative Technologien. Auch Zusatzleistungen wie die Altersversorgung oder Aktienoptionen sorgten für ein gutes Betriebsklima. Allerdings schiele auch der loyalste Mitarbeiter auf den Markt und sähe, dass weniger qualifizierte IT-Kollegen ein Mehrfaches in der Lohntüte hätten.

In der Green-Card-Diskussion sieht Kernwein den positiven Effekt, dass der Mangel an IT-Spezialisten in das Bewusstsein der Öffentlichkeit dringt und Lösungen gesucht werden. Zugleich führe die Diskussion aber zu einer "radikalen Verstärkung der Gehaltsspirale". Allein das Genehmigungskriterium "Jahresbruttogehalt von mindestens 100000 Mark" stoße Firmen, die einen Teil des Kuchens abbekommen wollen, in diese Spirale. Es bestehe auch die Gefahr, dass Betriebe, die ihre vakanten Stellen wenigstens teilweise besetzen wollen, einem ausländischen Bewerber auch bei nicht ausreichender Qualifikation mindestens 100000 Mark bezahlen.