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16.11.2001 - 

Eberhard Rauch sollte Kompetenzen abgeben

IT-Vorstand verlässt die Hypo-Vereinsbank

MÜNCHEN (wh) - Eberhard Rauch, bis vor kurzem als Kronprinz der Hypo-Vereinsbank (HVB) gehandelter IT-Vorstand, legt überraschend sein Amt nieder. Im neuen Holding-Vorstand ist kein Platz für den ehrgeizigen Manager. Einen Zusammenhang mit den jüngsten Computerpannen der HVB streitet man in der Münchner Zentrale ab.

Offiziell verbindet die Großbank den Abgang Rauchs mit der geplanten Änderung der Führungsstruktur zum Jahreswechsel. Sie sieht einen strategischen Holding-Vorstand mit sechs Mitgliedern vor. Rauch ist nicht für dieses Gremium ausgewählt worden; stattdessen sollte er operative Verantwortung übernehmen.

Bereits diese Entscheidung kam für viele Beobachter überraschend. Noch vor wenigen Wochen war der 53-Jährige als möglicher Nachfolger von Vorstandssprecher Albrecht Schmidt gehandelt worden, der im Jahr 2003 altersbedingt als Vorstandssprecher ausscheidet. "Es verdient unseren Respekt, dass Herr Rauch vor dem Hintergrund der Veränderungen in der Führungsstruktur der HVB Group seine Person hinter die Interessen der Bank gestellt hat", kommentiert der Aufsichtsratsvorsitzende Kurt Viermetz den Wechsel in einer Unternehmensmitteilung.

Diese Interpretation steht im Widerspruch zu anderen Informationen aus dem Unternehmen. Denen zufolge hat der ehrgeizige Manager keineswegs seine persönlichen Interessen hintangestellt. Der geplante Umbau der Konzernführung läuft auf eine Aufteilung in einen strategischen Vorstand der virtuellen Holding und ein operatives Gremium hinaus. Rauch sollte in diesem Konstrukt die operative Verantwortung für das Privatkundengeschäft in Deutschland übernehmen, lehnte jedoch ab.

Wie aus dem Unternehmen zu hören ist, sah der IT-Vorstand seine Zukunft auf der strategischen Ebene. Eine Position in der untergeordneten operativen Führung wäre einer Degradierung gleichgekommen. Umso ärgerlicher muss es für ihn gewesen sein, dass der 13 Jahre jüngere Stefan Jentzsch nun in den Holding-Vorstand einzieht und obendrein noch die Verantwortung für das IT-Ressort erhält. Jentzsch war erst im Mai von der Investment-Bank Goldman Sachs zur HVB gewechselt.

Die Demission des einstigen Hoffnungsträgers kommt zu einer Zeit, in der die HVB ungewöhnlich häufig Pannen in der IT einräumen musste: In der letzten Septemberwoche legte ein Problem mit dem zentralen Großrechner den Betrieb der Filialen teilweise lahm (siehe CW 40/01, Seite 1). Kunden erhielten keine Kontoauszüge, die Bankautomaten streikten, Rechner in den Außenstellen fielen immer wieder aus. Zu den Ursachen machten der Hersteller IBM und HVB-Verantwortliche widersprüchliche Angaben.

Zu kämpfen hatten die Banker auch mit dem Nimda-Virus, der zunächst mehrere Rechner in der Softwareentwicklung befiel. Insider berichteten der CW, der Virus habe sich auch in anderen Abteilungen eingenistet. Zudem seien weitergehende Probleme in der Netzinfrastruktur aufgetreten.

All dies habe mit der Entscheidung Rauchs "überhaupt nichts zu tun", sagt Thomas Pfaff, Sprecher der HVB Group. Die frühere Rolle Rauchs als Kronzprinz der zweitgrößten deutschen Bank versucht er herunterzuspielen. Nicht die HVB, sondern die Medien hätten den Manager zum potenziellen Schmidt-Nachfolger hochstilisiert.

Der diplomierte Mathematiker, Physiker, Volks- und Betriebs-wirt stieß 1986 als Leiter Organisation und Informatik zur damaligen Bayerischen Vereinsbank. 1993 wurde er in deren Vorstand berufen. Nach der Fusion mit der Hypo-Bank wechselte er im September 1998 in den Vorstand des Gemeinschaftsunternehmens. Rauch selbst lehnte eine Stellungnahme zu seinem Ausscheiden ab.