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27.09.1985 - 

Außenhandelsdefizit der Informatikindustrie - Olivetti sieht Chance in Computerkrise:

Italien: Informatikmarkt mit gutem Absatz

27.09.1985

MAILAND (vwd) - Die italienische Informatikindustrie hat im vergangenen Jahr ein Rekorddefizit im Außenhandel verbucht. Mit 1178 Milliarden Lire lag der Fehlbetrag um 250 Prozent über dem Vergleichswert des Vorjahres. Zu dem schlechten Ergebnis haben der Nachfrageboom nach Mikrocomputern amerikanischer und japanischer Herkunft sowie ein schwaches inländisches Softwareangebot geführt.

Insgesamt ist der Absatz von Informatikprodukten 1984 in Italien um 35 Prozent auf 8480 Milliarden Lire gestiegen. Damit wächst die Nachfrage weit stärker als in den meisten anderen europäischen Ländern. Der Umsatz im Hardwarebereich belief sich auf 4575 Milliarden Lire (1983: 3700 Milliarden). Insgesamt sind auf dem italienischen Computermarkt 220 Firmen tätig. Der Trend geht zur Konzentration. So kontrollierten die sieben größten Firmen im vergangenen Jahr 75 Prozent des Gesamtmarktes.

Der Hardwaremarkt in Italien war 1984 durch die Präsenz zahlreicher neuer Firmen und dem Trend zu neuen Modellen gekennzeichnet. Experten sprechen von einem Innovationsboom, der auch im laufenden Jahr anhalten soll. Vor allem bei großen und kleinen Computern, der Textverarbeitung, bei Videoterminals, Tastaturen und Druckern ist nach einer Erhebung des Informatik-Marketing-Instituts "Sirmi" sowohl eine Ausweitung des Angebotes, als auch eine Nachfragesteigerung zu verzeichnen. Der italienische Bestand an Computern und -systemen wurde für 1984 mit 1,58 Millionen Einheiten ermittelt; dies sind 109 Prozent mehr als 1983.

Die stärksten Zuwachsraten wurden bei Heimcomputern verzeichnet, deren Anzahl sich innerhalb eines Jahres mit 1,13 Millionen Einheiten mehr als verdreifachte. Überdurchschnittliche Zuwachsraten wurden auch bei Mikrocomputern erzielt. Hier erhöhte sich der Absatz um 136 Prozent auf 160000 Einheiten. Für 1985 rechnen Branchenexperten mit einem Absatzplus von 78 Prozent bei Mikros und von 41 Prozent bei Heimcomputern.

Eine Marktanalyse ergab, daß 60 Prozent der Käufer von Mikrocomputern Klein- und Mittelbetriebe (bis zu 60 Beschäftigten) und nur sieben Prozent Großbetriebe sind. 20 Prozent werden von Freiberuflern, wie Rechtsanwälten, Steuerberatern gekauft, während der Anteil der Familien und privater Haushalte mit drei Prozent noch relativ klein ist. Die restlichen zehn Prozent entfallen auf Schulen und Universitäten.

Professionelle Systeme haben hohe Nachfrage

Nach Ansicht von Marktbeobachtern hat sich die Nachfragekrise nach Heim- und Mikrocomputern, wie sie auf anderen Märkten zu verzeichnen ist, in Italien noch nicht merkbar gemacht. Bei Computer ist allgemein eine unterschiedliche Nachfrageentwicklung zu beantworten. Gut im Rennen liegen professionelle Computer.

Als unbefriedigend wird vom Informatik-Fachverband "Assinform" die Situation im italienischen Softwarebereich bezeichnet. Der Nachfrageboom wird durch das inländische Angebot bei weitem nicht gedeckt, so daß es zu überdurchschnittlich steigenden Importen kommt. Der Fachverband fordert deshalb von der italienischen Regierung wirtschaftspolitische Maßnahmen, die geeignet sind, sowohl die Qualität des italienischen Angebots zu fordern, als auch die Konzentration in dem stark zersplitterten Produktionsbereich zu beschleunigen.

Einer Untersuchung des "Sirmi" zufolge waren zur Jahreswende 84/85 2412 Firmen im italienischen Soft- und Hardwarebereich tätig. Der Gesamtumsatz belief sich zuletzt auf 2412 Milliarden Lire. Auf die zwölf größten Firmen entfielen rund 30 Prozent des Umsatzes. Weitere 210 Firmen teilten sich 25 Prozent des Umsatzes. Die Mehrzahl der verbleibenden 2190 Unternehmen erreichten einen Jahresumsatz von lediglich knapp 500 Millionen Lire.

Regionales Schwergewicht des Inlandsverkaufs von Software ist Norditalien, wo 67 Prozent des Gesamtumsatzes getätigt werden. 20 Prozent entfallen auf Mittelitalien und nur 13 Prozent auf den Süden. Für die nächste Zeit wird eine überdurchschnittliche Nachfrageentwicklung nach CAD/CAM- und CAE-Systemen vorausgesagt.

Der größte Hersteller von Büroinformatik Ing. C. Olivetti & Co. SpA (Ivrea) sieht in der allgemeinen Computerkrise und in der Zersplitterung des italienischen Angebotes eine Chance. Wie Olivetti-Präsident Carlo de Benedetti erklärte, biete die derzeitige Situation "den Stärksten" in der Branche eine Chance. Allein innerhalb der ersten fünf Monate nahm der Umsatz der Muttergesellschaft in Italien um 50 Prozent auf umgerechnet 1,9 Milliarden Mark zu.

Olivetti hat auf dem italienischen Hardwaremarkt eine Vormachtstellung und ist dabei, die Position im Softwarebereich zu stärken. Günstig hat sich für die Gesellschaft auch die im Vorjahr eingegangene Kooperation mit AT&T entwickelt. Wie aus Konzernkreisen verlautet, lieferte Olivetti im Jahr 1984 Waren im Werte von 640 Millionen Mark an die US-Gesellschaft. Im laufenden Jahr plant der italienische Büroinformatikkonzern den Lieferbetrag auf 800 Millionen Mark zu erhöhen.

Die vom 19. bis 24. September auf dem Mailänder Messegelände stattfindende internationale Fachausstellung für Büroinformatik und Büromaschinen wird nach Ansicht von Branchenexperten auch als, wichtiger Konjunktur- und Technologiebarometer des italienischen Marktes gewertet. Auf einer Ausstellungsfläche von 91000 Quadratmetern werden 1150 Aussteller aus 20 verschiedenen Staaten ihre neuesten Maschinen und Apparate zeigen. Die USA sind mit 162, die Bundesrepublik Deutschland mit 114, Japan mit 59 und Großbritannien mit 50 Firmen vertreten.