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28.02.2006

"ITK wird wieder strategisch"

Mit Jürgen Gallmann, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland, sprach CW-Redakteur Christoph Witte.

CW: Was kann Kunden noch davon überzeugen, auf Office 12 oder Vista umzusteigen? Wird nicht langsam die installierte Basis zum größten Bremser für die Verbreitung neuer Produkte?

GALLMANN: Nein, das größte Wachstumsproblem ist die Softwarepiraterie. Und da wir unsere Produkte auf die veränderten Anforderungen und Bedürfnisse unserer Kunden zuschneiden, befürchte ich nicht, dass sie nicht angenommen werden. Unsere Produkte werden ja nicht im luftleeren Raum entwickelt, sondern ihre Funktionalität wird stark durch die Bedürfnisse unserer Kunden bestimmt. Beispielsweise sind in Vista eine Menge Sicherheitsthemen integriert, die Mensch-Maschine-Schnittstelle ist ebenfalls erheblich verbessert worden. Das gilt auch für Office.

CW: Ist das Problem mit raubkopierter Software auch in deutschen Unternehmen gravierend?

GALLMANN: Ja, leider ist die Rate nicht gering. Glaubwürdigen Schätzungen zufolge liegt sie bei etwa 30 Prozent.

CW: Wird Vista eher durch den normalen Rechneraustausch in die Unternehmen gelangen, oder glauben Sie, dass bestehende Hardware nachgerüstet wird?

GALLMANN: Nach den Erfahrungen mit vergangenen Produkteinführungen gehe ich davon aus, dass Vista über beide Kanäle in die Unternehmen kommen wird.

CW: Werden Sie neben Ihren Produkten auch etwas an den Lizenzverträgen verändern? Müssen sich Kunden auf Neuigkeiten in Sachen Software Assurance einstellen?

GALLMANN: Wir werden das bestehende Angebot an Software Assurance Services ab März erweitern und auch neue Leistungen einführen. Ziel ist hier, Kunden über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg durch die Bereitstellung von Tools und Services zu unterstützen, um den Wert der Investition in Microsoft-Software weiter zu erhöhen. Wir werden, um nur ein paar Beispiele zu nennen, Supportleistungen erweitern und Kunden beim Rollout unserer Produkte stärker unter die Arme greifen.

CW: Welche wichtigen IT-Trends sehen Sie, was Unternehmen betrifft, in diesem Jahr?

GALLMANN: Triple Play - also das Internet für Text-, Sprach und Bildkommunikation - wird in diesem Jahr an vielen Stellen den Durchbruch erleben. Damit einher geht das Thema Echtzeitkommunikation. Das wird vor allem in Verbindung mit mobilen Anwendungen an einigen Stellen E-Mail ersetzen. Außerdem sehe ich - neben der weiter bestehenden Notwendigkeit, die Betriebskosten zu reduzieren - Informations-, und Kommunikationstechnik wieder als strategisches Thema im Kommen. Die Unternehmen erkennen langsam, dass das auch als Standortfaktor eine hervorragende Rolle spielen kann.

CW: Woher nehmen Sie diesen Glauben?

GALLMANN: Aus den Gesprächen mit unseren Kunden, den Partnern und aus den Projekten, in die wir involviert sind. Dort geht es oft darum, wie wir mit ITK neue, für beide Seiten gewinnbringende Services erzeugen, die wir den Kunden anbieten können. Wir arbeiten in vielen Projekten, in denen ITK das Geschäftsfeld des Kunden nach vorne bringt und kein Anhängsel ist. Es ist das strategische Thema. In den Medien, im Handelsbereich. Es ist stark, was da zurzeit passiert.

CW: Werden Sie die Probleme von RIM nutzen und das Thema Push-E-Mails gegen den Blackberry weiter vorantreiben?

GALLMANN: Ja, aber nicht nur aus diesem Grund. Neben dem Patentstreit sehe ich bei RIM vor allem ein Sicherheitsthema, auf das die Kunden sensibel reagiert haben.Sie beurteilen es kritisch, wenn sie nicht wissen, wer gerade wo mit ihren Daten hantiert. Das war für viele ein Grund, sich mit unseren Lösungen intensiver auseinander zu setzen

CW: Anderes Thema: Google. Die Firma ist inzwischen in der Öffenlichkeit präsenter als Microsoft. Was tut Ihr Unternehmen, um Google in Sachen Internet Paroli zu bieten.

GALLMANN: Gute Wettbewerber stacheln uns natürlich immer an. Außerdem setzen wir nicht alles auf die Karte Werbefinanzierung. Wir glauben, dass es auch in Zukunft einen Markt für den lizenzbasierenden Ansatz geben wird. Hinzu kommen subskriptions- sowie transaktionsorientierte Modelle. Wir propagieren alle diese Ansätze und werden nicht "one size fits all" sagen. Und je nachdem, welche Zielgruppe adressiert wird, braucht man eben unterschiedliche Ansätze. Ein einziger wird nicht ausreichen, zumal dann nicht, wenn er eventuell mit Privacy-Ansprüchen der Benutzer in Konflikt gerät.

CW: Aber gerade beim Thema Suche und den damit zusammenhängenden Angeboten gibt doch zurzeit Google den Takt an. Microsoft erweckt dagegen den Eindruck, hinterherzuhecheln. Wie wollen Sie es anstellen, da in die Pole-Position zu kommen?

GALLMANN: In einigen Bereichen sind wir die Getriebenen, an anderer Stelle treiben wir. So ist eben der Markt. Google ist einfach in nicht so vielen Feldern am Markt wie wir. Insofern konzentrieren die sich natürlich viel stärker. Coolness ist eine Sache, aber was der Markt will, ist Nachhaltigkeit. Wir agieren 30 Jahre erfolgreich am Markt, da muss Google erst einmal hinkommen. Sie müssen auch beweisen, dass sie die jetzige Phase des Hypes überstehen und die nächste Entwicklungsstufe erklimmen können. Es wird sich zeigen, wie viel Substanz das Unternehmen hat.