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15.06.1990 - 

Unternehmen ignorieren Personalfragen

IV-Management noch zu sehr mit der Technologie beschäftigt

Die Beschäftigung des Managements mit der Technologie auf Kosten der Lösung von Personalfragen wirkt sich allmählich auf die Effektivität der Funktion der Informationsverarbeitung (IV) aus und stellt die Glaubwürdigkeit der IV-Abteilung in vielen Unternehmen in Frage. Diese Zuordnung der Prioritäten ist immer weniger am Platze, auch wenn sie immer noch sehr häufig anzutreffen ist.

Für die meisten großen Unternehmen ist die Informationstechnologie zum Stützpfeiler ihrer Geschäftsaktivitäten geworden, und der Erfolg des Unternehmens hängt in zunehmendem Maße von der Qualität seiner Informationssysteme ab. Jedes Unternehmen hat dabei im Grunde Zugriff auf die gleichen Ressourcen hinsichtlich der zum Ablauf der Systeme erforderlichen Technologie, Tools und Mitarbeiter. Dennoch weisen die Ergebnisse der IV-Funktion enorme Unterschiede auf. IV steht hier für Informationsverarbeitung im weitesten Sinne; der Begriff "Funktion" wird darüber hinaus sehr bewußt verwendet, da die Bereitstellung eines IV-Services für ein Unternehmen meiner Ansicht nach nicht länger primär die Verantwortung der IV-"Abteilung" ist. Geschäftsbereiche übernehmen selbst mehr und mehr Verantwortung und sollten dies auch weiterhin tun.

Unterschiede gibt es in hohem Maße in der Produktivität, ebenso in der Personalfluktuation und - vielleicht noch wesentlicher - im Ansehen der IV-Abteilung innerhalb des Unternehmens. Sie lassen sich alle auf die Art und Weise zurückführen, in der man die IV-Mitarbeiter führt. Die Technologie, für sich selbst genommen, kann kaum mehr als eine Operation unterstützen. Der wahre Wert von Investitionen in IV zahlt sich durch die Mitarbeiter aus, die für die Erbringung der IV-Services eingestellt werden.

Mangel an qualifizierten Mitarbeitern

Ein Problem des Managements liegt darin, daß aufgrund des anhaltend hohen Wachstums der Informationstechnologie und der beispiellosen Geschwindigkeit technologischer Änderungen weiterhin ein Mangel an richtig qualifizierten Mitarbeitern besteht. Da sich die unternehmerischen und die technologischen Rahmenbedingungen auch in Zukunft ändern dürften, dauert dieser Trend zweifellos auch in Zukunft an. Demografische Änderungen spitzen das Problem künftig noch mehr zu.

Die Schwierigkeiten, die der Mangel an richtig qualifizierten Mitarbeitern dem IV-Manager bereitet, werden noch zusätzlich von der Tendenz verstärkt, daß Informationssysteme enger an den unternehmerischen Erfordernissen ausgerichtet sein sollen. Dieser Trend hat zwei recht dramatische Auswirkungen für die personelle Besetzung der IV-Funktion .

Die erste Auswirkung in personeller Hinsicht besteht darin, daß die Planung der richtigen Anzahl von Mitarbeitern zur Unterstützung der Geschäftsaufgaben immer schwieriger wird. Heutzutage, wo - infolge Wachstum oder Konzentration, Globalisierung, Fusionen und

Beteiligungen, Privatisierung oder Reprivatisierung staatlicher Unternehmen - alle Unternehmen von dramatischen strukturellen Änderungen betroffen sind, können die Auswirkungen auf die personelle Besetzung recht tiefgreifend und bekanntermaßen nur schwer vorhersagbar sein. Keine Branche ist gegenüber derartigen Änderungen immun.

Die zweite Konsequenz ergibt sich daraus, daß der Qualifikationsmix, mit dem die IV-Abteilung in der Vergangenheit gut bedient war, nicht länger angemessen ist. Im Hinblick auf die

Unterstützung des Ziels, dem Betrieb bessere Dienste zu leisten, haben viele Unternehmen eine große Anzahl von IV-Mitarbeitern an die Geschäftsbereiche weitergegeben. Dies bietet nicht nur größere Flexibilität, sondern ermöglicht dem lokalen IV-Manager, in engeren Kontakt mit den Fachabteilungsleitern zu treten und deren Bedürfnisse zu verstehen. Das Ziel, für das Unternehmen immer bessere Dienstleistungen zu erbringen, impliziert für die IV-Mitarbeiter auch die Notwendigkeit, über gut entwickelte fachunternehmerische und zwischenmenschliche Fähigkeiten, kurz über den richtigen Qualifikationsmix, zu verfügen. Gleichzeitig verringert sich der Bedarf an technischer Qualifikation durch die Fortschritte in der Technologie. Zwar wird sie immer notwendig sein, doch die IV-Funktion sollte genauso große wirtschaftliche Qualifikationen aufweisen können.

Die Fluktuation ist sehr hoch

Infolge des Mangels an der wirklich benötigten Qualifikation ist die Fluktuation beim IV-Personal im allgemeinen sehr hoch. Eine negative Konsequenz dürfte dabei sein, daß die realen Kosten bei der Personalbesetzung der IV-Funktion zunehmen. Die üblichen Reaktionen - immer höhere Gehälter zu zahlen, um Mitarbeiter anzuziehen und zu halten - kann nicht die Lösung auf lange Sicht bedeuten .

Der Zeitpunkt ist gekommen, an dem die IV-Manager sich mit der Tatsache abfinden müssen, daß Personalfragen große Aufmerksamkeit verdienen und rechtfertigen. Wenn die Manager dies nicht akzeptieren, werden Personalprobleme langsam die Stabilität derjenigen Unternehmen angreifen, die auf die Unterstützung ihrer Informationssysteme in zunehmendem Maße angewiesen sind.

Personalplanung muß Priorität haben

Computeranbieter weisen stolz darauf hin, daß die sinkenden Hardwarekosten größere Investitionen in Technologie anstatt in menschliche Ressourcen erlauben, die man als einen ständig steigenden Kostenfaktor bewertet. Dieses Argument ist irreführend. Untersuchungen von Butler Cox haben ergeben, daß der Personalanteil des IV-Budgets in den letzten Jahren in Europa und den Vereinigten Staaten bei etwa 40 Prozent lag. Ausgaben für Computerhardware beanspruchen einen ähnlich hohen Anteil des gesamten IV-Budgets, ziehen allerdings in den meisten Unternehmen weit höhere Aufmerksamkeit seitens des Managements auf sich.

Personalplanung muß beim Management eine vorrangige Priorität erhalten. Es wird zwar vielfach die Meinung vertreten, daß jegliche Planung im Zusammenhang mit der Personalbesetzung der IV-Funktion nutzlos sei, da die an sie gestellten Anforderungen sich permanent ändern und man nie voraussagen könne, welche Möglichkeiten sich für die berufliche Weiterentwicklung bieten würden. Ich schließe mich jedoch keiner dieser Ansichten an. Meine Recherchen brachten reichlich Beweise dafür, daß Planung den Unternehmen bei der Bewältigung der Änderungen hilft. Das Problem liegt eher in der Tatsache begründet, daß IV-Manager in dieser Frage eine zu kurzfristige Sichtweise bevorzugen.

Auch auf kleinere Betriebe übertragbar

Die Behandlung und Verfolgung von Personalfragen auf einer längerfristigen Basis als bisher erfordern einen Großteil an Zeit und Engagement auf seiten des Managements. Erfolgreiche IV-Manager und IV-Funktionen widmen sich mit gleicher Priorität den Fragen nach langfristigen Karriereplänen für Mitarbeiter und Neueingestellte, Persönlichkeitsprofilen und -tests, Aufgaben- und Rollendefinitionen sowie Veranwortungsbereichen, marketingmäßiger Anwerbung von IV-Mitarbeitern, Motivation von Mitarbeitern, Aus- und Weiterbildung im Rahmen von mehrjährigen Laufbahnentwicklungen mit häufigeren Abteilungswechseln und dergleichen mehr.

Diese Veränderungen sind keineswegs nur auf große Unternehmen beschränkt: Sie sind sinngemäß übertragbar auf Betriebe jeder Größenordnung.