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21.10.1988

Jägerlatein

Die Förderung der Informatik-Ausbildung ist gut, die kommerzielle Umsetzung dieses Programms in der Schulungspraxis ist es weniger. Größtes Manko: Das Berufsfeld "Informatik" bleibt undurchsichtig. Das von der COMPUTERWOCHE gesponserte "Karriere-Zentrum" auf der Münchner CAD/CAM-Messe "Systec" (25. bis 28. Oktober 1988) informiert deshalb über neue DV-Berufe. In der Begleitbroschüre* schreibt Dieter Eckbauer zum Thema "persönliche Motivation":

Wer sich heute als Anfänger oder Umsteiger über Berufschancen in der Datenverarbeitung informieren will, wird großenteils mit schwammigen Aussagen bedient. Das Karriere-Barometer schwankt zwischen Null-Bock und Traumjob. Schwamm drüber! Sosehr sich die Berufspessimisten auch bemühen, die reinen EDV-Spezialisten, Programmierer etwa, als potentielle Sitzenbleiber abzuschreiben - es wird ihnen nicht gelingen. Merke: Software, fürwahr kein Baisse-Objekt, hat natürlich irgendetwas mit Programmieren zu tun.

Was nun den vermeintlich sehr gefragten Generalisten betrifft, der dünne Bretter mit teuren Tools bohren soll, so wirken die Vorschläge der Berufsoptimisten eher erheiternd: Die eierlegende Wollmilchsau wird auch in der EDV - wie überall - ein frommer Ausbilderwunsch bleiben.

Apropos Informatik-Ausbildung: Daß sie zu schmalspurig und nicht praxisgerecht sei, gehört als Scheinargument in die Mottenkiste. Es ist einfach lächerlich, wenn von Anwendern, Softwarehäusern und Computer-Herstellern nach wie vor jung-dynamische und gleichzeitig erfahrene Superduper-Fachleute gesucht werden, die auch noch billig sein sollen.

Und es ist vollends unerträglich, wenn der EDV-Stellenmarkt im Latein der Headhunter als "leergefegt" dargestellt wird, aber Informatik-Absolventen Schwierigkeiten haben, einen attraktiven Anfangsjob zu finden.

Das "Karriere"-Heft der COMPUTERWOCHE wurde selbstverständ-lich nicht gemacht, um Informatik-Absolventen und Umschülern den Mut zu nehmen. Halten wir uns an die Fakten: Jeder kann sehen, daß echter Werkzeug-Nutzen aus der Informationstechnik ohne Zutun der Spezialisten nicht zu haben ist. Das heißt: Die eigentliche Innovation findet in den Köpfen Technologie-kompetenter Mitarbeiter statt.

Kann davon aber, auf die Bundesrepublik bezogen, schon die Rede sein? Diese Frage legt den Kern des Problems bloß: 30 000 offene Stellen in der Informatik - diese Zahl geistert durch die Medien - werden für denjenigen verbarrikadiert sein, der die EDV als Schlupfloch-Beruf wählt, oder weil's eben in ist.

Will sagen: Motivation für den Beruf heißt in der EDV zuallererst Interesse am Computer - und das Wissen, was intelligente Informationstechnik bewirkt oder wo sie versagt. Die Identifikation mit dem, was man tut, stellt sich nämlich nur dann ein, wenn die Berufsentscheidung auf einem bewußten Ja beruht.

Viele Fragen erledigen sich dann von selbst. Was ist CIM? Was heißt CIM-qualifiziert? Welche Aufgaben haben CIM-Spezialisten? Lohnt es sich überhaupt, Zeit in die EDV-Ausbildung zu investieren? Für die Leser dieses Heftes sollte die Antwort klar sein: "Das hängt letztendlich ganz alleine von mir selbst ab!"

* Das Karriere-Heft kann beim Verlag angefordert werden.