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03.12.1999 - 

Fachkonferenz des Bundeswirtschaftsministeriums

Jahr 2000: Deutschlands Kliniken müssen zittern

BERLIN (jm) - Bloß nicht krank werden um die Jahreswende. Zu dieser Erkenntnis mußten Teilnehmer der vom Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) organisierten Veranstaltung "Datumswechsel 2000" in Berlin kommen. Die 2250 Krankenhäuser der Bundesrepublik sind entgegen offiziellen Beteuerungen nach Aussagen verschiedener Fachleute völlig unzureichend auf den Jahreswechsel vorbereitet.

Zu einem Eklat kam es während der Konferenz, als Jörg Robbers, der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft e.V. (DKG), über den Status der Y2K-Umstellungen in den Hospitälern referierte. Robbers, der ein ausgesprochen rosiges Bild der Vorbereitungsarbeiten zu malen versuchte, reagierte in der anschließenden Diskussion ausgesprochen aggressiv.

Keineswegs ungewöhnliche Nachfragen im Zusammenhang mit Y2K-Projekten etwa nach dem Zeitplan der Vorbereitungsarbeiten, der Höhe der aufgewendeten Mittel und dem zusätzlich eingesetzten Personal beantwortete Robbers schroff: "Das kann man von dem angestammten Personal erwarten, daß die das Problem mit erledigen." Über die finanziellen Aufwendungen habe er keine Informationen, dazu solle man sich doch an die Krankenhäuser selbst wenden.

Gerhard Brink, der für Unisys bereits Hunderte anderer Unternehmen bei der Y2K-Umstellungsprojekten beraten hat, malte demgegenüber ein völlig anderes Bild der Situation im deutschen Gesundheitswesen. "Da sieht es schlimm aus. Die meisten Kliniken sind sich des Problems viel zu spät bewußt geworden." Oft würden die Techniker eines Krankenhauses nicht mit der Klinikleitung kooperieren, ein konzertiertes Vorgehen gebe es nicht.

Er habe Vorträge zum Y2K-Thema gehalten: "Da haben zum Teil Krankenschwestern teilgenommen, die gar nicht wußten, worum es eigentlich geht. Die haben mir dann gesagt, man habe sie angewiesen, sich das mal anzuhören."

Manfred Kindler, Sonderbeauftragter des Fachverbands Biomedizinische Technik e.V., sieht für deutsche Spitäler ebenfalls schwarz. "Insbesondere kleinere Häuser haben das Y2K-Problem, wenn überhaupt, viel zu spät begriffen." Die Verantwortlichen hätten seit Monaten nur noch die Gesundheitsreform der Ministerin Andrea Fischer auf dem Plan, "die haben sich um das Jahr-2000-Thema überhaupt nicht gekümmert".

Bernd Wißner, von der Industrie- und Handelskammer Augsburg und Schwaben öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger, sagte, auf einem Seminar im Mai 1999, an dem Vertreter von rund 60 Krankenhäusern teilgenommen hätten, hätten nur fünf bestätigt, ein Jahr-2000-Projekt begonnen zu haben.

Ein freundlicheres Bild versuchte DKG-Chef Robbers auf der Berliner Veranstaltung zu zeichnen. Eine Umfrage seiner Organisation vom September dieses Jahres habe ergeben, daß 20 Prozent aller Krankenhäuser die "internen Maßnahmen erfolgreich abgearbeitet" hätten. 50 Prozent hätten "kritische Bereiche abgearbeitet sowie Notfallpläne und ein Krisen-Management etabliert".

Weitere 25 Prozent würden die Umstellung bis zum 31. Dezember dieses Jahres schaffen und bis zu diesem Zeitpunkt auch Notfallpläne und -maßnahmen erarbeitet haben. Lediglich bei den verbleibenden fünf Prozent der Krankenhäuser sei die "Umstellung noch offen", weswegen diese sich auf die Erstellung von Notfallplänen und -maßnahmen konzentrierten.