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19.02.1999 - 

Notfall 2000

Jahr-2000-Experte Sempert: "Es stellt einem die Nackenhaare auf"

Frank Sempert, Frankfurter Unternehmensberater und Sprecher der Initiative 2000, warnt seit geraumer Zeit insbesonde- re vor dem Jahr-2000-Problem durch Embedded Systems. Für die COMPUTERWOCHE sprach mit ihm Johannes Kelch.

CW: Wurden Embedded Systems unter dem Druck immer kürzerer Produktzyklen schlampig programmiert?

Sempert: Ja, da wurde viel mit heißer Nadel gestrickt. Viele Programme bestehen aus Spaghetticode, daß es einem die Nackenhaare aufstellt.

CW: Wie groß ist das Problem?

Sempert: Die Verbreitung von Embedded Systems ist ungleich größer als die traditioneller Informationstechnologie. Die Auslieferungszahlen gehen in die Milliarden, und die Systeme haben einen längeren Lebenszyklus von zehn bis 15 Jahren. Die Höhe der möglichen Schadenersatzforderungen wird weltweit auf Billionen beziffert, das heißt deutsche Billionen.

CW: Wen trifft die Verantwortung, wenn ein System nicht mehr funktioniert?

Sempert: Nach deutschen Gesetzen ist der verantwortlich, der ein System in den Verkehr gebracht hat. Der Lieferant eines Produkts sitzt auf der Spitze eines Eisbergs.

CW: Was könnte ein Kunde tun, um zu erfahren, ob sein System 2000- tauglich ist?

Sempert: Man kann bei Herstellern von Komponenten und bei Lieferanten Auskünfte einholen. Aber das ist ziemlich aussichtslos. Niemand kann sich auf Auskünfte oder schriftliche Zertifikate verlassen. Die Informationen treffen häufig nicht zu.

CW: Welche Alternativen empfehlen Sie?

Sempert: Es führt kein Weg daran vorbei, eigene Fertigungsingenieure testen zu lassen. Ein oberflächlicher Blick auf das System reicht nicht aus. Man braucht viel Phantasie, um Fehler ausfindig zu machen. Die Tatsache, daß ein System keine Datumsangabe enthält, ist noch kein Beleg für Jahr-2000- Tauglichkeit.

CW: Gibt es Anwender, die sich zu einem umfangreichen Austausch der Systeme veranlaßt sahen?

Sempert: Ja, ein Beispiel ist die Schweizer Flugsicherung. Die alten Anlagen wurden vorsichtshalber schon 1998 ausgewechselt.

CW: Gibt es einen Herstellungszeitpunkt, ab dem Systeme problemfrei sind?

Sempert: Nein, es gilt die Faustregel: Je älter, desto höher der Infizierungsgrad. Aber niemand kann sagen, daß ab 1998 gebaute Komponenten nicht mehr befallen sind. Zu 90 Prozent nicht infiziert ist im übrigen analoge Technik, beispielsweise die elektronische Steuerung von Kernkraftwerken, die aus den frühen 70er Jahren stammt und seither nicht ersetzt wurde.