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24.12.1993

Jahresrueckblick 1993: Betriebssystem-Vielfalt auf dem Desktop

Vorbei sind die Zeiten, als der PC-Markt von einem einzigen Betriebssystem dominiert wurde. Das DOS-Zeitalter geht endgueltig zu Ende und macht Platz nicht nur fuer die Microsoft- Betriebssysteme Windows und Windows NT, sondern auch fuer deren Konkurrenzprodukte. So scheint IBMs lange als "OS-Halbe" verspottetes Multitasking-System OS/2 seit der Version 2.1 eine Renaissance erleben.

Zugleich haben die Unix-Anbieter ihren Grossangriff auf die Intel- Plattform gestartet. Neben den Unix-Versionen von SCO und der Sunsoft-Tocher Interactive ringen seit diesem Jahr Novells Unixware und Sunsofts Solaris-Produkt um Marktanteile. Eine gewisse Rolle spielt auch noch das Billig-Unix Generics, und unter Freaks macht derzeit Linux Furore, das kostenlos via Compuserve und Internet zu haben ist. Diese Aufzaehlung ist keineswegs vollstaendig.

Ebenfalls zu den PC-Unix-Playern zaehlt sich neuerdings die Next Inc. mit Nextstep. Das Betriebssystem arbeitet mit einer Implementierung des Berkeley-Unix, das auf einem Mach-Microkernel implementiert wurde. Wie Analysten immer wieder berichteten, erfuellt dieses objektorientierte System schon seit Jahren all jene Wuensche, die IBM und Apple mit Taligent beziehungsweise Microsoft mit Cairo bei Anwendern erst noch wecken wollen.

Diesen Vorsprung kann Next-Chef Steven Jobs allerdings erst ausspielen, seit er sich von der hauseigenen Designerhardware getrennt hat. Seither erobert sich das Betriebssystem eine Plattform nach der anderen. Der Intel-Installation folgt in Kuerze eine Version fuer die PA-RISC-Systeme von HP. Sunsoft hat die Open- Step-Oberflaeche von Next inzwischen sogar zu einer von zwei Standard-Benutzerumgebungen fuer ihr Solaris erkoren.

Schliesslich hat offenbar auch Apple seinen bisher streng proprietaeren Kurs aufgegeben (vgl. CW Nr. 50 vom 10. Dezember 1993, Seite 6: "Apple bietet System-7-Lizenz mehreren Herstellern an"). Danach verhandelt das Unternehmen mit den PC-Herstellern Dell, Compaq und Tandy ueber eine Portierung des Betriebssystems. Fuer einen durchschlagenden Erfolg auf Intel-Ebene kommt dieser Schritt moeglicherweise verspaetet. Zu lange hat Apple untaetig zugesehen, wie Microsoft mit Windows den Markt fuer grafische Benutzeroberflaechen aufgerollt hat.

Die ungewohnte Vielfalt auf der Intel-Plattform hat mehrere Gruende. So hat der Vernetzungstrend und die zunehmende Leistungsfaehigkeit der PCs die Grundlage dafuer geschaffen, dass die Unix-Systeme - aber auch Nextstep - auf Intel-Basis ihre Faehigkeit als Anwendungs-Server ausspielen koennen. Darueber hinaus geht es den Unix-Anbietern auch darum, das Vordringen von Microsoft in den Server-Markt zu verhindern, solange Windows NT noch als unreifes Produkt gilt. Ob dies gelingen kann, muss allerdings bezweifelt werden. So soll das jetzt im Beta-Release vorliegende NT-Update nicht nur stabiler laufen, sondern zudem drastisch weniger Speicherplatz benoetigen.

Anders als noch vor wenigen Jahren braucht dem Anwender bei dieser Angebotsvielfalt nicht angst und bange zu werden. Dank der Open- Systems-Bewegung ist nicht nur das Bewusstsein dafuer gewachsen, dass heterogene Systeme miteinander kommunizieren koennen muessen, inzwischen gibt es dafuer auch die noetigen Produkte. So laesst sich heute jedes gaengige Betriebssystem in ein lokales Netz einbinden. Immer komfortablere Terminalemulationen sorgen zudem fuer die Einbindung von Mainframe- und Unix-Applikationen in die PC- Umgebung. Inzwischen ist auch fuer Datenbank-Front-ends gesorgt, mit denen auch SQL-Unkundige Informationen von relationalen Server-Datenbanken abfragen koennen. Die in Microsofts Access- Datenbank eingebaute Open-Database-Connectivity-Schnittstelle ODBC ist dafuer nur das bekannteste Beispiel.

Darueber gibt es heute unter jedem gaengigen Unix-Derivat Moeglichkeiten, DOS- und Windows-Anwendungen laufen zu lassen. Sunsoft hat in diesem Jahr mit seinem Windows Application Binary Interface (Wabi) sogar eine Ablaufumgebung auf den Markt gebracht, die ohne Microsofts Windows auskommt. Auch existiert inzwischen eine Pressure-Group mit der Forderung, Microsoft die Entwicklung der Programmier-Schnittstelle fuer Windows aus der Hand zu nehmen und sie einem unabhaengigen Gremium zu uebertragen.

Der Trend, den diese Entwicklung widerspiegelt, betrifft nicht nur den PC-Bereich. Erfolg, das wissen die Anbieter, gibt es nur noch fuer Unternehmen, deren Produkte offen genug sind, dass die Einbindung von Fremdsystemen keine Probleme bereitet.