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17.04.1992 - 

Die Armonker wollen 4500 Stellen im US-Marketing abbauen

Jahresüberschuß der deutschen IBM sank 1991 um 32 Prozent

HERRENBERG (ciw) - Im Gegensatz zur amerikanischen Mutter, die 1991 sowohl beim Umsatz als auch beim Profit Federn lassen mußte, konnte die IBM Deutschland GmbH im vergangenen Jahr einen respektablen Umsatzzuwachs von zwölf Prozent vorweisen. Beim Jahresüberschuß mußte sie allerdings Einbußen von knapp 220 Millionen Mark im Vergleich zum Vorjahr hinnehmen.

Hans-Olaf Henkel, der Vorsitzende der Geschäftsführung, erklärte den Rückgang des Jahresüberschusses von 692 Millionen auf 473 Millionen Mark vor allem mit dem gegenüber 1990 "fast doppelt so hohen Steueraufwand". Allerdings begründet die höhere Abgabe an den Fiskus nicht, warum der Gewinn seit 1989 - als die deutsche IBM noch einen Überschuß von 755 Millionen erwirtschaftet hatte - um über 282 Millionen Mark schrumpfte. Das Ergebnis vor Steuern ging ebenfalls von 986 Millionen auf 958 Millionen Mark zurück.

Das Betriebsergebnis schließlich hat sich auch nicht verbessert, sondern sank uni 15 Prozent von 831 auf 705 Millionen Mark. Finanzchef Horst Haberzettel führte das auf den verstärkten Preisdruck, erhöhte Personalaufwendungen, den Aufbau der notwendigen Infrastruktur in den neuen Bundesländern, Investitionen in Technologie sowie Vorsorgemaßnahmen für weitere Strukturveränderungen zurück. Diese Aufwendungen würden das Unternehmen zu strengem Kostenmanagement zwingen: "Um auf Erfolgskurs zu bleiben, werden wir unsere Geschäftsprozesse weiter straffen, den notwendigen Personalabbau fortführen und die Produktivität durch integrierte Informationsverarbeitung zusätzlich steigern", erklärte Haberzettel.

Die Rückstellungen bildete die deutsche IBM, wie Henkel sagte, "um auch in diesem Jahr die Anzahl der Mitarbeiter weiter sozialverträglich senken zu können". 1991 wurden bei der deutschen IBM rund 1000 Stellen gestrichen, so daß der Bestand von 30 848 Betriebszugehörigen erstmals unter dem des Vorjahres lag. Im laufenden Jahr soll der Personalabbau laut Personalchef Hans-Werner Richter die gleiche Größenordnung erreichen und vor allem in Administration sowie Produktion stattfinden. Entlassen will man aber nach wie vor nicht, betonte Henkel: "Es ist unser fester Wille, das Vollbeschäftigungsprinzip beizubehalten, aber das wird offen gestanden immer schwieriger."

Einzig beim Umsatz konnte die deutsche IBM zulegen. Der Gesamtumsatz - inklusive 4,5 Milliarden Mark Exporte an die europäischen Schwesterunternehmen - stieg um elf Prozent auf 14,8 Milliarden Mark (1990: 13,3). Allein im Inland setzten die Stuttgarter mit 10,3 (1990: 9,2) Milliarden Mark zwölf Prozent mehr um als im Vorjahr. Für Henkel errechnete sich das Absatzplus vor allem auf der "konjunkturellen Sonderentwicklung" durch die Wiedervereinigung und aus dem sehr stark angewachsenen Dienstleistungsgeschäft. "Etwa die Hälfte des zu Zuwachses resultiert aus den direkten und indirekten Effekten der deutschen Einheit", resümierte Henkel.

Auf Abschwächung der Konjunktur vorbereitet

Die Dienstleistungen wuchsen 1991 um 16,9 Prozent auf fast 3,8 Milliarden Mark. Innerhalb dieses Bereiches ist nach Unternehmensangaben besonders das Segment "Programmprodukte" und darin wiederum die Sparte "Anwendungen" überproportional gewachsen. Unter "Dienstleistungen" werden allerdings unter anderem auch Leistungen als Generalunternehmer subsumiert. Hier dürfte die Abrechnung des Amadeus-Rechenzentrums in Erding bei München nicht unerheblich zum Umsatz beigetragen haben. "Mit neugegründeten Beteiligungsunternehmen wie der Telecash Kommunikationsservice, der Sercon Service-Konzepte für Informationstechnik und Ausgründungen wie jüngst einer eigenen Unternehmensberatung wird dieses Wachstum in Zukunft verstärkt auch mit Partnern realisiert", sagte Henkel vor der Presse.

Den Umsatz im Hardwarebereich bezeichnete der IBM-Chef als sehr zufriedenstellend. Die Anzahl der Rechnerverkäufe wuchs um 6,1 Prozent, sie stellten einen Wert von 5,1 Milliarden Mark dar: Damit liegt ihr Anteil am Inlandsumsatz knapp unter 50 Prozent. Allerdings habe im Mainframe- und MDT-Bereich die Kaufneigung zugunsten von Leasing abgenommen. Der Anteil dieses Geschäfts am Inlandsumsatz betrug im vergangenen Jahr 13,2 Prozent. Beim Leasing verzeichnete man Einnahmen von 1,4 Milliarden Mark, also ein Plus von 24,6 Prozent. Den Bestand an Leasingverträgen bezifferte Haberzettel auf etwa drei Milliarden Mark. Im Anlagevermögen der IBM, das sich auf eine Summe von 4,07 Milliarden Mark beläuft, beanspruchen die Leasingmaschinen ein Viertel.

In seinem Ausblick auf das Jahr '92 schlug Henkel eher leise Töne an. "Die deutsche Sonderkonjunktur wird sich abschwächen und der Preisdruck bei der Hardware weiter bestehen bleiben. Unser erstes Quartal reflektiert bereits die Abschwächung der Konjunktur in der Branche. "Bei den Dienstleistungen liege man allerdings im Plan, "und wir haben einen sehr aggressiven Plan, geschrieben", sagte der IBM-Chef weiter. Außerdem hänge die Gewinnsituation im laufenden Jahr auch von den Abschlüssen ab, die der Metallverband und die IG-Metall , miteinander aushandeln. Henkel wünscht sich bei der nächsten Tariferhöhung "höchstens eine Vier vor dem Komma" und die Möglichkeit, "leistungsbezogener als bisher zu bezahlen". Noch nicht konkret wirke sich die Umorganisation der Muttergesellschaft auf die deutsche Tochter aus. Allerdings gebe die Neuordnung auch der hiesigen Dependance Chancen zur Segmentierung. Es sei jedoch durchaus vorstellbar, daß auch die IBM-Deutschland irgendwann einmal als Holding fungiere. Konkrete Schritte in diese Richtung seien bisher noch nicht beschlossen worden.

Nur im Vertrieb habe man die Segmentierung vorangetrieben. So wurden sogenannte Fachbereiche eingerichtet, die für die Kunden, die Geschäftsentwicklung, Marketing und Vertrieb in dem betreffenden Feld verantwortlich sind. Darüber hinaus habe man den Vertrieb in Geschäftssegmente wie Multimedia, CAx und andere aufgeteilt, um, so Bernhard Dorn, "wie ein Nischenanbieter innerhalb des IBM-Verbundes agieren zu können". 40 dieser Segmente gebe es bereits, wovon das größte 350 und das kleinste 40 Mitarbeiter stark sei.

Weitere Partner für die Chip-Produktion gesucht

Außerdem ging Henkel in seinen Ausführungen auf die Frage nach dem Produktionsstandort des 64-Mbit-Chips ein, der zur Zeit gemeinsam mit Siemens entwickelt werde: "Wir wollen den Chip mit aller Macht in Sindelfingen produzieren." Dabei, so der IBM-Chef weiter, dürfe man aber die Kosten für eine solche Fertigung, die weit über einer Milliarde Dollar liege, nicht außer acht lassen. Zur Zeit gebe es bei der IBM in Europa nicht genug Nachfragevolumen, um neben dem ersten Pröduktionsstandort in amerikanischen Fishguard einen zweiten zu rechtfertigen. Das gelte allerdings nur für den eigenen Bedarf, schließlich werde ja der Partner Siemens ebenfalls für Nachfrage sorgen, zumal die Deutschen die Speicher auch auf dem Markt anbieten wollen. Die Entscheidung falle - unabhängig von staatlichen Förderzusagen - innerhalb der nächsten zwölf Monate.

Die Frage, ob man weitere Partner für diese Produktion suche, beantwortete Henkel positiv, wollte aber nicht konkreter darauf eingehen. Auch Winfried Pierlo, der für die deutschen und europäischen Fertigungsstätten zuständig ist, wollte "keinen Kommentar zum gegenwärtigen Zeitpunkt abgeben," als er nach Verhandlungen zwischen IBM und SGS Thomson befragt wurde.

Die Situation der IBM Corp. beschrieb Henkel selbstkritisch: "Im Jahr 1990 standen wir auf der Liste der gewinnträchtigsten Unternehmen auf Platz eins - im Jahr 1991 auf Platz zwei der Liste von Unternehmen, die am meisten Verluste machen. Da kann man davon ausgehen, daß wir nicht nur um einen Platz gesunken sind." Er betonte allerdings, daß man im laufenden Jahr bessere Zahlen von der amerikanischen Mutter erwarten könne.

Dafür spricht, daß die IBM Corp. jetzt offenbar mit der Reduktion der Kosten Ernst macht. Wie das "Wall Street Journal" berichtet, kündigte Big Blue - vorerst nur intern - den Abbau von 4500 Stellen im US-Marketing an. Diese Jobs sind Teil des bereits avisierten Personalabbaus von insgesamt 344 000 Mitarbeitern um 15 000 bis 20 000 in diesem Jahr.

Es ist allerdings noch nicht ganz klar, wie viele Stellen tatsächlich verschwinden. Während vielen Mitarbeitern nahegelegt wird, das Unternehmen zu verlassen, will die IBM denen, die trotzdem bleiben wollen, zumindest eine Alternative anbieten. So gedenkt man, die langjährige No-layoff-Politik aufrecht zu erhalten.

Analysten gehen davon aus, daß die Armonker ihr Streichungsziel von 20 000 Mitarbeitern in diesem Jahr leicht erreichen, vielleicht sogar um 5000 übertreffen können.

Angesichts des schwachen ersten Quartals sind diese Reduktionen auch bitter notwendig. Jay Stevens, Analyst bei Dean Witter, sagte gegenüber dem "Wall Street Journal" er erwarte höchstens ein Umsatzplus von 1,5 Prozent gegenüber dem schwachen Vorjahreszeitraum, in dem die IBM 13,55 Milliarden Dollar umgesetzt hatte. Andere Insider rechnen sogar mit einem weiteren Umsatzminus bei Big Blue.

Doch dieses Mal trägt offenbar die US-Gesellschaft nicht die Hauptschuld. Von ihr erwartet man ein Wachstum im hohen einstelligen Bereich. Aber die bisherigen Paradepferde IBM Europa und Japan liefen offenbar schlecht. So rechnen Insider für das erste Quartal mit einem Aktiengewinn von 0,8 bis 1,0 Dollar.

Im Vorjahr hatte die IBM Corp. ohne die außerordentlichen Belastungen noch einen Gewinn von 535 Millionen und pro Aktie von 0,93 Dollar ausweisen können.