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07.07.1995

Jahrmarkt der Aufgeregtheiten

Zunaechst, verehrte Leser, wollen wir auch an dieser Stelle unserer vornehmsten Pflicht, naemlich Sie zu informieren, nachkommen - im Bezug auf eine Branche, bei der es derzeit den Anschein hat, dass es sich stuendlich lohnen wuerde, darueber zu berichten. Was gibt es also Neues? Wolfgang Boetsch hat vom Regulierungsrat gruenes Licht fuer die Genehmigung (einzelner) alternativer Netze erhalten und gleichzeitig den Paragraphen 24 aus seiner Verleihungsverordnung - der Erlaubnis fuer Mobilfunkbetreiber, vor 1998 eigene Festnetze zu errichten - gestrichen bekommen. Vebacom hat seine "strategische Allianz" mit Cable & Wireless besiegelt; die Deutsche Telekom ging im Rennen um die Beteiligung an der tschechischen Telefongesellschaft SPT Telecom leer aus. Bei RWE indes sagt man sich, was man in Bonn mit "Atlas" kann, koennen wir schon lange. Ergebnis ist ein Memorandum of Understanding mit dem franzoesischen Mischkonzern CGE. Ansonsten wartet man in Essen auf AT&T, aber das hatten wir ja schon.

Dies zu den Nachrichten, sofern diese noch als solche zu bezeichnen sind. Eine Wochenzeitung kann es sich jedenfalls so gut wie abschminken, hier aktuell zu sein. Durchatmen ist daher angesagt und ein Blick hinter die Kulissen des Telecom-Spektakels, das uns nun schon seit Jahren beschaeftigt - frei nach dem Motto: Erst die grosse Brautschau und nun der Tanz um das (vermeintlich) goldene Kalb, den Telefondienst also. Lassen wir hier vielleicht einen der praedestinierten Kenner der Szene zu Wort kommen, den frueheren Postminister Christian Schwarz-Schilling: "Elefantenhochzeiten sind alles andere als ein Patentrezept, um im Wettbewerb zu ueberleben", und "Wenn die neuen Player auf den Markt kommen, wird die Tariflandschaft im Telefondienst eine voellig andere sein", schrieb dieser vor kurzem den Euphorikern und Blendern ins Stammbuch. "Mister Blackpenny" muesste es eigentlich wissen, ebenso, dass diese Erkenntnis im uebertragenen Sinne auch fuer sein neues Steckenpferd, das Online-Business, gilt - das aber ist ein anderes Thema.

Eine Kraehe hackt der anderen kein Auge aus, waere zudem bei den kuenftigen Wettbewerbern der Telekom anzunehmen - doch weit gefehlt. Offener Telecom-Markt sofort, am besten noch gestern, schreit man unisono bei Veba, RWE, Thyssen & Co., und kocht doch gleichzeitig sein jeweils eigenes "Oligopol-Sueppchen". Wo kaeme man auch hin, wenn jeder dahergelaufene Kommunalbetrieb eine Lizenz erhalten wuerde? Auffallend zurueckhaltend geben sich derzeit indes die Mannen um Telekom-Chef Ron Sommer. Der will seine Company ganz nebenbei zum kundenfreundlichsten Unternehmen der Welt machen - Arbeit genug fuer die naechsten Jahre. Im uebrigen auch fuer die anderen selbsternannten Carrier, denn den Stromkunden war es bisher egal, wessen Strom aus welcher Steckdose kam.