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12.04.1991

Japan - nicht der Schurke im Stück

Karl Marx postmortale Entschuldigung "War nur so eine Idee" käme den Topmanagern der europäischen Computerindustrie nicht über die Lippen: Man wähnt sich im stadium nascendi und merkt nicht, daß es nur "so eine Idee" war, gegen IBM & Co. sowie die Japaner auf dem Schlüsselgebiet Informationstechnik aufzumucken. Die Schwäche von Bull, Philips, Olivetti, ICL, Norsk Data und SNI (sprich: Nixdorf) ist seit längerem bekannt. So überrascht nicht die Hiobsbotschaft als solche, über SNI-Verluste etwa, sondern vielmehr die Tatsache, daß in den Medien erst jetzt Alarm geschlagen wird. Es häufen sich Berichte, die ein düsteres Bild der europäischen DV-Szene zeichnen (siehe "Für Sie gelesen", Seite 8). Aber treffen sie auch den Kern? Haben die Europäer keine Chance, wie beispielsweise der "SPIEGEL" analysiert, weil die anderen so stark sind?

Daß diese Diagnose nicht stimmt, wird sofort klar, wenn man sich die Ergebnisse einiger amerikanischer DV-Größen anschaut. Unisys, Control Data, Wang, Data General und NCR - um nur die wichtigsten zu nennen - kämpfen ums Überleben oder um ihre Selbständigkeit; selbst DEC und Hewlett-Packard sind nicht fieberfrei: Da kommt es zum großen Show-down, fürchten US-Analysten. Nicht viel besser geht es den PCM-Herstellern wie Amdahl oder NAS. Aus den Hochrechnungen für Compaq und Apple läßt sich auch keine Erfolgsgarantie ableiten - noch sind die PC-Highflyer den Beweis schuldig geblieben, das Geschäft mit "Corporate America" zu beherrschen.

Bleiben die Japaner. Vor mehr als zehn Jahren waren sie angetreten, der IBM auf dem DV-Weltmarkt Paroli zu bieten. Was ist bis heute daraus geworden? Haben Fujitsu, Hitachi oder NEC ihre Ziele in USA und Europa auch nur annähernd erreicht Davon kann, was das direkte System- und Softwaregeschäft (Mainframes, Minis, Workstations etc.) betrifft, keine Rede sein. Bei Komponenten, Peripheriegeräten, Portables und Laptops beherrschen die Japaner den Markt, gleichwohl wurde der Abstand zur IBM in der "Enterprise-DV", bei den großen Anwendern, nur unmerklich verkürzt. Im Gegenteil: An jedem PCM-Deal, den die "Japan Inc." macht, verdient der MVS-Eigentümer kräftig mit.

Der Schurke im Stück ist genannt. Die IBM blokkiert mit ihren proprietären Systemen den Markt. Daneben können weder die Japaner noch die Europäer gedeihen. MVS und SNA sind Standards. Werden bald auch OS/400, OS/2 und SAA Standards sein, mit dem Ergebnis, daß Big Blue das Integrationsgeschäft monopolisiert wie weiland das Lochkarten-Business? Da wären offene Systeme vor und sonst gar nichts. Wenn der Anwender sie verlangt. Damit würden die Karten neu gemischt - auch für die europäischen Anbieter.