Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

16.07.1982 - 

In Zukunft höhere intellektuelle Fähigkeiten technisch unterstützen:

Japan plant Übergang zur Wissensverarbeitung

MÜNCHEN - Die folgenden Aussagen über die Rolle der Informatik in

Japan spiegeln Eindrücke wider, die Walter Heimann vom Unternehmensbereich Datentechnik der Siemens AG anläßlich der vom MITI (Ministery of International Trade and Industry) organisierten FGCS-Tagung (Fifth Generation Computer Systems) in Tokio sammelte.

Neben ideellen und sozialen Antriebskräften sind es eine Reihe handfester wirtschaftlicher Motive die Japan veranlaßt haben, den Ausbau der Informatik forciert zu betreiben. Es sind dies der Wunsch nach Partizipation an einem der weltweit am stärksten expandierenden Märkte, Verbesserung der nationalen informationstechnischen Infrastruktur, Erhöhung der Produktivität der gesamten Wirtschaft und die Verlagerung der industriellen Schwerpunkte auf rohstoffarme, energiesparende, aber intelligenzreiche Produkte.

Technisches Hauptziel des Projektes Fifth Generation Computer Systems (FGCS) ist der Übergang von der "Datenverarbeitung" zur "Wissensverarbeitung", mit der in Zukunft höhere intellektuelle Fähigkeiten technisch unterstützt werden sollen. Politisch geht es bei diesem Förderprojekt um zwei Ziele:

- Japan will sich weltweit an die Spitze der Computerentwicklung setzen und vor allem die Vormachtstellung der IBM brechen;

- Japan will durch die Wissensverarbeitung seine gesamte intellektuelle und wirtschaftliche Leistung auf ein höheres Niveau anheben und zur Stärkung seiner Position im internationalen Wettbewerb einsetzen.

Der "Electronic Policy Division" des MITI fällt bei der Vorbereitung und Durchführung des FGCS-Projektes die Rolle des technischen und wirtschaftlichen Generalstabes zu, dessen Aufgabe darin besteht, in einer gigantischen Anstrengung alle japanischen Informatikkräfte zu motivieren, zu mobilisieren und zu koordinieren.

Das ganze Ausmaß des Projektes läßt die Tatsache erahnen, daß für die Ausarbeitung der jetzt vorliegenden Grobplanung zwei Jahre lang zirka 150 Mitarbeiter aus dem Ministerium, dem angeschlossenen ETL (Electronical Laboratory), den Universitäten, der japanischen Industrie sowie von großen Anwendern tätig waren.

Aus den Referaten der FGCS-Tagung ließ sich entnehmen, daß für die Durchführung des Projektes mit einem jährlichen Personalaufwand von 500-1000 Mann gerechnet wird. In der dreijährigen Anlaufphase, in der die Feinplanung erfolgen und die wissenschaftlichen Grundlagen erarbeitet werden sollen, werden die Kosten von vom MITI getragen.

Sachlich zerfällt das FGCS-Projekt in diejenigen Vorhaben, die im engeren Sinne der 5. Computergeneration der 90er Jahre zugeordnet werden müssen, und in ein Projekt "Supercomputer", mit dem auf eher konventioneller Basis bis zur Mitte der 80er Jahre die Leistung der derzeitigen Rechner um zwei bis drei Größenordnungen verbessert werden soll.

USA koordinieren ihre Entwicklungspotentiale

Die Durchführung dieses Projektes soll so erfolgen, daß ein Teil der Arbeiten direkt vom ETL geleistet wird (ETL hofft auf 50 Prozent Anteil), während der Rest einem Konsortium von Herstellern (eigene juristische Person) übertragen werden soll.

Durch die Impulse, die die japanische Wirtschaft durch dieses Projekt erhält, wird deren Leistungsfähigkeit selbst dann erheblich verbessert, wenn die Pläne nur zum Teil realisiert werden können. Außerdem muß damit gerechnet werden, daß die vom MITI verwalteten Patentrechte bei allen Kooperationsverträgen auf nationaler und internationaler Ebene zum Handelsgegenstand gemacht werden.

Es gibt eine Reihe von Anzeichen dafür, daß sowohl die amerikanische Regierung als auch die Informatikindustrie das japanische Vorgehen als eine ungeheure Herausforderung ihrer bisher unbestrittenen Überlegenheit auffassen und damit beginnen, ihre Forschungs-, Entwicklungs- und Produktionspotentiale ebenfalls zu koordinieren. Wie bisher werden dabei das DOD (Department of Defense) und die NASA nicht nur entscheidende Akzente setzen, sondern auch wesentliche Mittel zur Verfügung stellen.

EG muß Chance erkennen

Der gezielten Aktivierung gesamtwirtschaftlicher Kräfte kann auch von deutscher beziehungsweise europäischer Seite nicht mehr allein mit den Wettbewerbsmitteln der Privatwirtschaft begegnet werden. Es bedarf vielmehr auch bei uns des politischen Eingriffes der Regierung beziehungsweise der EG, wenn das lebenswichtige Gebiet der Informatik nicht kampflos Japan und den USA überlassen werden soll.

Für das Ergebnis dieses weltweiten Ringens sind nicht nur die materiellen, sondern auch die geistigen Randbedingungen entscheidend. Zu den letzteren gehört auch die Tatsache, daß es überwiegend die schöpferischen, intellektuellen Kräfte Europas waren, die das derzeitige Weltbild gestaltet haben.

Trotz allem Enthusiasmus, der aus den japanischen Ansätzen spricht, herrscht unverkennbar Unsicherheit darüber, ob die kreativen Kräfte Japans ausreichen, die Pläne ohne fremde Hilfe zu realisieren. Bisher bestand die Stärke Japans im wesentlichen in der Fähigkeit zur Übernahme und oft entscheidenden Verbesserung fremder Ideen; nunmehr muß Japan Neuland betreten.

Das japanische Interesse an Kooperationen mit den USA und Europa dürfte auch auf einer Unsicherheit in der Einschätzung der eigenen Stärke beruhen. Die EG, die europäischen Regierungen und Unternehmen sollten nicht zuletzt in diesen Verhältnissen ihre Chance erkennen.