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14.06.1991 - 

Zugang zu Nippons Halbleiter-Markt erleichtert

Japan und USA haben neues Cihp-Abkommen ausgehandelt

WASHINGTON/BRÜSSEL/TOKIO (CW) - Nach lang andauernden Querelen vereinbarten Mitte vergangener Woche Japaner und Amerikaner ein neues bilaterales Abkommen über den Halbleite-Handel, das den im Juli auslaufenden Vertrag von 1986 ersetzen wird. Danach sollen Chips ausländischer Hersteller in den nächsten 18 Monaten einen Anteil von 20 Prozent auf dem japanischen Markt erreichen.

Beide Parteien haben sich zu Konzessionen bereit erklärt, um das heiße Eisen Chip-Handel ad acta legen zu können. Denn ursprünglich wollten die Japaner kein Abkommen über das von 1986 hinaus. Die USA haben in verschiedenen Punkten nachgegeben: So wurde den Japanern 18 Monate mehr Zeit eingeräumt, um die 20 Prozent Marktanteil für Ausländer zu erreichen. Zur Zeit haben amerikanische Hersteller nach Einschätzung der US-Regierung einen Anteil von zwölf Prozent, während die Lieferungen anderer Länder nur ein Prozent des Gesamtmarktes ausmachen.

Außerdem ist die Laufzeit des neuen Vertrages, der zuerst ebenfalls fünf Jahre Gültigkeit haben sollte, auf drei Jahre verkürzt worden, dabei hat jede der beiden Regierungen die Option, eine Vertragsverlängerung anzustreben. Darüber hinaus verzichteten die Amerikaner darauf, für die Zukunft höhere Marktanteile festzulegen.

Durch das Abkommen werden die japanischen Chip-Hersteller gezwungen, so über Preise und Lieferungen Buch zu führen, daß von amerikanischer Seite eine sogenannte "Fasttrack-Untersuchung" durchgeführt werden kann, um vermeintlichen Dumpingcampagnen auf die Spur zu kommen. Diese neue Regelung ersetzt das bisherige System, das es dem US-Handelsministerium erlaubte, "angemessene" Preise für japanische Spicher festzusetzen. Allerdings konnten sich die bei den Länder nicht auf ein Meßinstrument einigen, mit dem der Marktanteil ermittelt wird. Die Japaner wollen nämlich auch die Chips als "ausländisch" betrachtet wissen, die aus japanischen Produktionsstätten in fremdem Besitz stammen. Die USA wollen dagegen nur direkt importierte Halbleiter als ausländisch qualifiziert sehen. So kommen die Amerikaner in ihren Berechnungen lediglich auf einen Anteil von zwölf Prozent, für die Japaner ist das Marktsegment für die Halbleiter aus nicht japanischer Produktion jedoch 17 Prozent groß.

Die Vertreter der europäischen Halbleiter-Industrie begrüßten das Abkommen zwar, betonten jedoch, daß es nur ein erster Schritt auf dem Weg zu einer multilateralen Übereinkunft sein könne, die alle internationalen Produzenten berücksichtige. Sie verwiesen dabei besonders auf Südkorea und Taiwan, wo zur Zeit die Produktionskapaziäten gewaltig ausgebaut würden.

Die EG-Kommission betrachtet das bilaterale Abkommen mit noch größerer Vorsicht. Ihre Vertreter betonten sie hätten sich von den USA und Japan formal versichern lassen daß die beschlossenen Maßnahmen nicht "in diskriminierender Weise" eingesetzt würden.

Außerdem erklärte die Kommission, keine der vorgesehenen Anti-Dumping-Aktionen dürfe den EG-eigenen Weg zur Bekämpfung von Dumping-Preisen beeinflussen. Sollte ein Informationssystem eingerichtet werden, das die schnelle Bearbeitung von Dumping-Fällen erlaubt, fordert die EG freien Zugang dazu.

Als "rein politisch" bezeichnete ein Insider die Vereinbarung zwischen Japanern und Amerikanern. Einen Marktanteil von 20 Prozent hält er nicht für realisierbar, weil man in einer freien Marktwirtschaft niemandem vorschreiben könne was er kaufen soll. Außerdem sei eine solche Übereinkunft, "die auf stabile Preise auf hohem Niveau abziele", nur dann sinnvoll, wenn alle interessierten Parteien bereits über ansehnliche Marktanteile verfügen würden. Nach Meinung des Managers widersprechen stabile Preise der Tatsache, daß normalerweise bei einer Zunahme von Herstellern die Produktionskosten und damit die Preise für Halbleiter sinken. Der Kunde sei der Dumme, der die anhaltend hohen Preise zahlen müsse.

Den Amerikanern warf er vor, keine langfristige Strategie im Halbleiter-Bereich zu verfolgen. Wenn sie nämlich erkannt hätten, wie notwendig die Chips zum Erhalt ihrer technologischen Führerschaft sind, würden sie keine japanischen Halbleiter kaufen.

Dennoch wird das Abkommen von japanischer und amerikanischer Seite als ein wichtiger Schritt in Richtung auf einen fairen Wettbewerb zwischen den beiden Staaten betrachtet. Allerdings hatte nicht nur das Handelsdefizit im Halbleiter-Bereich zu Irritationen geführt: Auch Berichte, wonach japanische Hersteller von Produktionseinrichtungen für Halbleiter ihren amerikanischen Kunden den Zugang zu neuen Technologien verweigert haben sollen, belasteten das Verhältnis. In einer Erklärung hatte der Vorsitzende des Finanzausschusses im US-Senat, Lloyd Bentson, behauptet, daß japanische Gesellschaften wie Nikon, Tokyo Electron Ltd. und Canon sich geweigert hätten, US-Gesellschaften Zugang zu den jüngsten Technologien einzuräumen.

In den Fällen, in denen US-Gesellschaften der Kauf zugestanden werde, träfen Lieferungen oft mit Verspätung ein. Zudem würden Aufpreise verlangt. Zur Zeit untersucht das General Accounting Office (GAO) diesen Vorwurf.

Darüber hinaus wird das zunehmende finanzielle Engagement japanischer Firmen an unterfinanzierten US-Companies von Regierungsseite mit wachsender Sorge betrachtet. Einer Untersuchung des Economic Strategy Institute (ESI) zufolge haben Nippons Unternehmen im Zeitraum von Oktober 1988 bis April 1991 mehr als die Hälfte aller ausländischen Beteiligungen bei US-Hochtechnologiefirmen auf sich vereinigt. Danach kauften sich die Asiaten bei 66 Computerfirmen ein, des weiteren gingen 41 Halbleiter-Unternehmen, 27 Hersteller von weiterentwickelten Werkstoffen.

25 Ausrüster für die Halbleiter-Industrie, 23 Anbieter von Telekommunikations-Equipment, zwölf Chemieunternehmen und elf Firmen der Bereiche Luft- und Raumfahrt ganz oder teilweise in japanischen Besitz über.

Überraschenderweise war das bei seinen US-Engagements nach der ESI-Liste aktivste japanische Unternehmen kein Elektronikkonzern, sondern die für ihre Traktorenfertigung bekannte Kubota, die inzwischen aber massiv im Bereich Elektronik diversifiziert. Zu ihren jüngsten Investments gehören Ardent Computer Corp., Maxtor Corp., Maxoptix Corp. und Mips Computer Systems Inc.

Auch ein von Mel Levine und Frank Wolf, zwei Mitgliedern des amerikanischen Repräsentantenhauses, veröffentlichter Report, der für das Defense Science Board des Pentagon erstellt wurde weist darauf hin, daß die USA neben positiven Effekten durch Auslandsinvestitionen in einigen Fällen die Kontrolle über kritische Technologien verloren hätten. Beide Untersuchungen empfehlen der US-Regierung daher, für Hochtechnologiefirmen, die ums Überleben kämpfen, US-Partner zu finden, wenn die Gefahr einer Auslandsübernahme besteht.