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Arbeitslosenquote erstmals auf drei Prozent gestiegen, aber:


25.09.1987 - 

Japaner kämpfen gegen Informatiker-Engpaß

MÜNCHEN (ih) - Die Entwicklung zu einer Informationsgesellschaft ist erklärtes Ziel der japanischen Regierung. Jetzt aber stehen die Politiker im Land der aufgehenden Sonne erstmals vor dem Problem, daß ihre Arbeitslosenquote auf drei Prozent gestiegen ist. Zudem steht der Realisierung dieses hochgesteckten Zieles ein gewaltiger Engpaß im Arbeitsmarkt für Informatiker und Software-Ingenieure entgegen.

Bis vor kurzem galt Japan besonders im westlichen Ausland als eine ,"Insel der Vollbeschäftigung'. Dieses Bild gerät jedoch zunehmend ins Wanken. Vollbeschäftigung mit Arbeitslosenquoten unter zwei Prozent erlebte das Land nur zwischen dem Beginn der sechziger und Anfang der siebziger Jahre. Das reale Sozialprodukt wies damals noch zweistellige Wachstumsraten auf.

In dieser Zeit verankerten sich die drei berühmten Säulen des vermeintlich typisch japanischen Beschäftigungssystems - Dauerbeschäftigung, Senioritätsentlohnung mit innerbetrieblicher Aus- und Fortbildung und Betriebsgewerkschaften - in der Personalpolitik großer und allmählich auch mittlerer Betriebe. Da Japan die nachhaltige Aufmerksamkeit der westlichen Welt erst in dieser Zeit hoher Auslastung des Arbeitskräftepotentials erregte, hat sich im Ausland die Vorstellung von der Dauerbeschäftigung als einer systemimmanenten Komponente gebildet.

Mittlerweile hat sich die Konstellation wieder stark verändert. Das reale Wirtschaftswachstum hat sich in den achtziger Jahren stetig verlangsamt Die Zuwachsraten liegen jetzt auf dem für japanische Verhältnisse ungewöhnlich niedrigen Niveau westlicher Industrieländer. Strukturprobleme in traditionellen Wirtschaftszweigen, in der Staatsbahn und, seitdem sich die starke Yen-Aufwertung dämpfend auf die Auslandsnachfrage auswirkt, auch in einigen Exportzweigen haben zu Arbeitsplatzverlusten geführt. Im Januar dieses Jahres hat die Arbeitslosenquote erstmals drei Prozent erreicht für japanische Verhältnisse ein Spitzenwert. Legte man die bundesrepublikanische Definition von Arbeitslosigkeit zugrunde, so ergäbe sich ein Vielfaches der offiziellen Rate Besonders ausgeprägt ist die Arbeitslosigkeit in Japan bei älteren Männern, bei Jugendlichen an der Schwelle zwischen Bildungs- und Beschäftigungssystem und in Regionen, in denen schrumpfende Industriezweige dominieren.

Annähernd 40 Prozent der Arbeitslosen gaben Personalabbau und Konkurse als Grund für ihren Arbeitsplatzverlust an. Nach einer im März veröffentlichten Berechnung des Ministry of International Trade and Industry (MITI) wird bei unverändert starkem Yen die offizielle Arbeitslosenrate 1990 auf vier Prozent gestiegen sein.

Aber nicht nur die steigende Arbeitslosenquote macht den Japanern zu schaffen. Ihnen bereitet ebenfalls Kopfzerbrechen, wie das Ziel der Regierung, des Land zu einer sogenannten Informationsgesellschaft umzuformen, erreicht werden kann. Der geplanten Durchdringung aller Bereiche mit Datentechnologien steht nämlich ein Engpaß bei DV-technisch versierten Arbeitskräften entgegen. Nach den Berechnungen des Handelsministeriums werden bei den jetzigen Bedingungen bis zum Jahr 1990 über eine halbe Million Software-Ingenieure fehlen. Als Hilfe zur Selbsthilfe für die Privatwirtschaft führt das MITI jährlich zweimal landesweit Programmierprüfungen in verschiedenen Leistungsstufen nach einheitlichen Maßstäben durch. Jährlich legen weit über 200 000 Personen diese Examina ab und erwerben damit Programmierzertifikate. A Der die Anzahl reicht nicht, um die Lücke im Angebot an DV-Fachkräften zu schließen.

Den gewaltigen Engpaß von über einer halben Million Software-lngenieuren in den nächsten Jahren beschreibt Eckart Bierdümpel, Mitarbeiter der Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung mbH, Bonn. als typisch für das Softwareproblem der Japaner. Bierdümpel kann sich indes nicht vorstellen, daß diese große Zahl für den Gesamtbereich der Informatik gilt. Der GMD-Mitarbeiter: "Die Japaner haben sowohl in der Entwicklung von Standard- als auch Betriebssystem-Software geschlampt." Nur so könne der enorme Bedarf erklärt werden.

Um den künftigen Mangel an DV-Fachleuten langfristig zu beseitigen, werden im Land der aufgehenden Sonne nicht nur die Schulkinder mit dem Fach Informatik vertraut gemacht. Auch in den Universitäten des Landes erhält das Studium der DV einen immer größeren Stellenwert. In den vergangenen Jahren erhöhte sich etwa die Anzahl der Informatik-Studiengänge. Neben der Errichtung von DV-Instituten und Lehrstühlen wurden zudem an vielen Hochschulen sogenannte DV-Ausbildungszentren geschaffen. Von den rund 450 Universitäten bieten zur Zeit etwa 130 eine DV-Ausbildung an. Zusätzlich offerieren die meisten großen Unternehmen der Informationsindustrie eine innerbetriebliche Aus und Fortbildung.

Betriebliche Bildung erst im Kommen

Dies wird vor allem damit begründet, daß die japanischen Studenten während ihres Studiums bisher kein Industriepraktikum zu absolvieren hatten. Die Betriebe sind jetzt dazu übergangen, die Universitätsabsolventen in einem bis zu einem halben Jahr dauernden Ausbildungsprogramm auf den firmeneigenen technischen Stand zu bringen. Ferner sorgen regelmäßige Fortbildungsveranstaltungen dafür, daß die Kenntnisse der Mitarbeiter immer up-to-date sind. Außerhalb der Schulen und Universitäten bietet auch eine halbstaatliche japanische Rundfunk- und Fernsehgesellschaft im Rahmen des Bildungsprogramms Kurse in DV und Elektronik an. Das große Interesse daran beweist nicht zuletzt die Einschreibquote von 100 00 Interessenten für das Elektronik-Seminar.