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16.07.1982

Japaner: Sicht durch Kooperationen nach Europa schmuggeln

Noch spielen die japanischen Importe im Bereich der Datentechnik eine relativ geringe Rolle. Doch die Invasion ist bereits geplant. Durch Kooperationen mit hiesigen Unternehmen haben es die Japaner geschickt verstanden, ihren Fuß in die Tür zum europäischen Markt zu setzen. Hermann G. Holzapfel, Vorstandsvorsitzender der Fachgemeinschaft Büro und Informationstechnik im VDMA ist jedoch überzeugt, daß die deutschen Hersteller auf die angekündigte Offensive aus dem Reich Nippons mit großen Anstrengungen reagieren werden, um weiterhin technologisch und preislich konkurrenzfähige Produkte anbieten zu können.

Ulrich Reiter Bereichsleiter Industrie, SCS, München

Die japanische Automobilindustrie hat in den letzten Jahren die westlichen Welt das Fürchten gelehrt; droht ähnliches den westlichen Computerherstellern? Sicherlich, doch befinden sich die Computerhersteller nicht in dem verhängnisvollen Dornröschenschlaf, in dem sich die Automobilindustrie befand.

Noch verfügen die Japaner über geringe Marktanteile auf den westlichen Märkten, doch die Invasion ist geplant und hat auch schon begonnen. Geschickt haben die Japaner durch Kooperation mit westlichen Unternehmen, unter Nutzung ihrer Vertriebsnetze, in den letzten Jahren Erfahrungen auf unserem Markt gesammelt, die sie nutzen werden, wenn sie selbst eigene Vertriebsnetze aufbauen. Dies zeigen die Kooperation Siemens/ Fujitsu und jüngst auch BASF/ Hitachi.

Einen guten Ruf in bezug auf Leistungsfähigkeit, Ausfallsicherheit und gutes Preis-/Leistungsverhältnis haben sich die Japaner besonders auf dem Sektor Mainframe (Fujitsu, Hitachi) erarbeitet. In puncto State of the Art sind die Rechner den Anlagen des Marktführers IBM ebenbürtig, wenn nicht schon überlegen, denn die Zeiten, in denen in Japan nachempfunden und nachgebaut wurde, sind vorbei. Europäische Kunden haben ihre anfängliche Scheu vor den fremden Anlagen langst abgelegt. Daran wird sich auch nichts andern, wenn gelegentlich Reminiszenzen auftauchen, wie gerade in jüngster Zeit durch den Fall japanischer Wirtschaftsspionage bei IBM geschehen. In Europa, speziell in der Bundesrepublik, wird man den Markt leichter erobern können als zum Beispiel in den USA, da das Nationalbewußtsein nicht so stark in den Entscheidungsprozeß miteinfließt.

Daß mit den Japanern gerechnet werden muß, war seit Jahren abzusehen. Die japanischen Firmen haben ihren Marktanteil in den Jahren seit 1975 in Japan enorm steigern können und den Marktführer IBM mehr und mehr zurückgedrängt. Um weiter zu expandieren, muß man in den Export, da der Inlandsmarkt beschrankt ist. Aber nicht nur mit verstärktem Konkurrenzdruck auf den Großrechnermarkt muß gerechnet werden. Der MDT-Markt wird geöffnet, sobald die Vertriebsnetze der Großrechner auch hierfür genutzt werden können. Die Technik hierfür beherrscht man in Japan schon lange.

All das wird aber nur ein gelindes Säuseln sein gegen den Wind, der weht, wenn die Japaner auf den Softwaremarkt drängen werden. Auch diesen Zukunftsmarkt haben die Japaner schon vor Jahren erkannt, und ein Zusammenschluß namhafter Unternehmen beschäftigt sich schon seit geraumer Zeit unter staatlicher Förderung mit diesem Thema. Problem hierbei wird der Zugriff von der Bedieneroberfläche zu den Systemen sein, der nicht einheitlich ist, und die Japaner werden sich nach geeigneten Partnern umsehen, um nicht alles selbst entwickeln zu müssen.

Hermann G. Holzapfel Vorstandsvorsitzender der Fachgemeinschaft Büro- und Informationstechnik im VDMA, Frankfurt und im Vorstand der IBM

Unter dem Begriff Büro und Informationstechnik verbirgt sich eine sehr breite und heterogene Produktpalette. Sie reicht von der kleinen Reiseschreibmaschine über Tisch- und Taschenrechner, Postbearbeitungsmaschinen Textverarbeitungssysteme bis hin zur EDV-Großanlage. Insofern unterscheidet sie sich von anderen Wirtschaftszweigen, wie zum Beispiel der Automobilbranche . Entsprechend der Verschiedenartigkeit dieser Produkte sind auch die Anteile japanischer Hersteller am deutschen Markt sehr unterschiedlich. Hierbei liegt der Schwerpunkt eindeutig im Bereich der Büromaschinen, weniger im DV-Sektor. Die japanische Produktion erstreckt sich mittlerweile auf die gesamte Büromaschinenpalette. Etwa 85 Prozent dieses Produktionswertes entfallen dabei auf Tisch- und Taschenrechner, Kopiergeräte und Registrierkassen, der Rest verteilt sich auf Schreibmaschinen, Buchungsmaschinen, Faksimile- und Mikrofilmanlagen. Bei diesen Produkten liegen die Anteile der japanischen Importe an den Gesamteinfuhren der Büro- und Informationstechnik in der Bundesrepublik bei zum Teil über fünfzig Prozent, so daß sich für den gesamten Wirtschaftszweig ein Anteil Japans an den Gesamtimporten von 11,1 Prozent im vergangenen Jahr ergab.

Demgegenüber spielen die japanischen Importe im Bereich der Datentechnik eine noch relativ geringe Rolle. Im letzten Jahr wurden DV-Geräte und Einrichtungen im Wert von 221,7 Millionen Mark aus Japan in die Bundesrepublik eingeführt. Dies entspricht einem Anteil an dem Gesamtimport der Branche von 2,8 Prozent und an der Inlandsmarktversorgung von nur 2,5 Prozent. Dies zeigt deutlich, daß bei der Datentechnik die japanischen Importe nicht die Bedeutung erlangt haben, wie dies in der Öffentlichkeit oft angenommen wird.

Für die Zukunft ist zu erwarten, daß die Japaner auch mit anderen Produkten der Büro- und Informationstechnik verstärkt auf den deutschen Markt drängen werden, so daß mit einem zunehmenden Konkurrenzangebot aus Fernost gerechnet werden muß.

Daneben gibt es aber gewaltige Anstrengungen der deutschen Hersteller, um auch weiterhin technologisch und preislich konkurrenzfähige Produkte sowohl auf dem Binnenmarkt als auch auf den Weltmärkten anbieten zu können.

Dr. Gerhard Reckel, Geschäftsführer des Fachverbandes Datenverarbeitung beim Zentralverband der Elektrotechnischen Industrie

e.V., Frankfurt

Bei der Beantwortung der Frage, ob Europa eine japanische Computer-Offensive bevorsteht, müssen die unterschiedlichen Strukturen des gesamten Marktes der Datentechnik unter Beleuchtung der bestehenden japanischen Informatikpolitik berücksichtigt werden:

- Im Bereich der "mittleren und großen Datentechnik" (Standardcomputer, Bürocomputer inkl. Peripherie) ist die japanische Industrie über ihre zahlreichen europäischen OEM-Partner doch recht vielfältig und auch in Teilmärkten beachtenswert stark vertreten.

- Die europäischen Partner haben sich in den letzten Jahren zu einer zunehmenden Kooperation entschlossen und bieten auf Basis der von Japan gelieferten Hardware und Systemsoftware dem Benutzer komplette Problemlösungen an.

- Das heißt, daß die Bereiche Vertrieb, Service, Erstellung von Anwendersoftware, also alle Teile die zur vollständigen Lösung des Problems benötigt werden, von den europäischen Partnern abgedeckt werden müssen.

- Für den Bereich der Tischcomputer, Personal Computer, Hobbycomputer kann sich die mittelfristige japanische Industriepolitik etwas anders darstellen.

- Zu berücksichtigen ist, daß bei diesen genannten Einheiten der Datentechnik die Softwarekosten gemessen am Umsatz zirka vier bis acht Prozent betragen, (Bürocomputer zirka dreißig Prozent).

- Weiterhin nimmt man an, daß aufgrund der in Japan bestehenden massiven Überkapazitäten der Angriff auf die Mikromärkte in aller Welt 1982/83 bevorsteht. Einschlägige japanische Wirtschaftszeitungen berichten über einen Produktionsausstoß von 920 000 Einheiten im Jahre 1982, wobei der Absatz auf dem heimischen japanischen Markt auf 300 000 geschätzt wird.

- Trotzdem wird sich die japanische Industrie Gedanken machen müssen, wie man trotz des nicht so hohen Softwarekostenanteils dem Benutzer akzeptable, vernünftige und einsetzbare Problemlösungen anbietet.

- Darüber hinaus wird es keine leichte Aufgabe sein, einen optimalen Vertriebsweg verbunden mit dem erforderlichen Hardware- und Software-Service zu finden, wobei natürlich auch hier an Kooperationen mit europäischen Partnern zu denken ist.

Günter Beushausen Unternehmensberater, München

Seit einigen Jahren macht sich das Eindringen japanischer Hersteller auf dem Computermarkt in immer größerem Umfang bemerkbar. Als erstes hat es die Fotoindustrie, wo die japanischen Hersteller heute den Markt beherrschen, zu spüren bekommen. Danach konnte man die gleiche Entwicklung auf dem Gebiet der Unterhaltungselektronik, dem Automarkt, dem Büromaschinensektor, beobachten. Diese Entwicklung wurde dadurch ermöglicht, daß die japanischen Hersteller auf dem internationalen Markt das Beste selektiert und eingekauft haben. Die Produkte wurden dann durch eingehende Forschung verbessert und auf dem japanischen Inlandsmarkt getestet. Erst danach erfolgte die Einführung auf dem Weltmarkt. Das Eindringen in den internationalen Markt wurde ihnen erleichtert durch die Kooperationsbereitschaft mit Herstellern, die bereits durch ihre Produkte vertreten waren. Vorteilhaft für die japanischen Hersteller war natürlich auch, daß sie durch vereinfachte Herstellungsverfahren mittels verbesserter Technik und durch den Absatz größerer Stückzahlen ihre Produkte günstiger anbieten konnten. Ihren Platz auf dem Gebiet der Mikroelektronik haben sich die japanischen Hersteller zwischenzeitlich erkämpft. Die Entwicklung scheint dahin zugehen, daß die japanischen Hersteller auch im Bereich der Klein- beziehungsweise Großcomputer sich ihren Anteil am Markt sichern wollen. Es ist zu vermuten, daß die japanische Invasion auf dem Computermarkt erst begonnen hat.