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12.07.1991 - 

PCM-WELT

Japanische Mainframer haben PCM-Partner im Visier

MÜNCHEN - Vielfältig sind die Vertriebsschienen japanischer Mainframe-Anbieter. Dies gilt nicht zuletzt für das PCM-Geschäft. So vertreibt Hitachi allein in Europa seine Rechner über drei Unternehmen - Olivetti, Comparex und Hitachi Data Systems (HDS). Eine Lösung der sich daraus ableitenden Vertriebsproblematik - von allen Beteiligten vehement gefordert - ist noch immer nicht gefunden. Zu Spannungen könnte es auch schon bald zwischen Fujitsu und Amdahl kommen. Der Tokioter Computerkonzern, der zur Zeit 49 Prozent an Amdahl hält, überließ der US-Company 1987 nach einem Streit mit der IBM das PCM-Geschäft. Nun wollen die Japaner auf den Unix-Zug in der Mainframe-Szene aufspringen. Amdahl indes bietet bereits seit einigen Jahren mit UTS auf seinen Großrechnern eine Unix-Alternative zu MVS an. Nach dem letztjährigen Trubel in der Mainframe-Szene, als IBM, PCMer und Hersteller nichtkompatibler Maschinen ein Großrechnerkonzept nach dem andere ankündigten nun wieder Ruhe eingekehrt. Die Anbieter basteln daran, ihren Konzepten mit Produkten Leben einzuhauchen die Kunden überprüfen, ob und wie die Ankündigungen ihrer Lieferanten mit ihrer informationstechnischen Strategie übereinstimmen.

Damit es aber im trägen Mainframe-Markt - weltweit stagnieren die Absatzzahlen -, vor allem jedoch im Plug-kompatiblen Geschehen nicht allzu ruhig wird, sorgen internationale Marktforscher mit Prognosen

über die Zukunftsaussichten der PCM-Anbieter für Zündstoff. So prophezeite beispielsweise Mark L. Hess, Program Director für den Large Scale Computer Strategies Service (LCS) bei der Gartner Group, Anfang Juni in Hamburg, bis spätestens 1995 habe die Hitachi Ltd. ihren OEM-Partner Comparex übernommen und in die europäischen Aktivitäten der Hitachi Data Systems (HDS) eingegliedert.

Gut zwei Jahre ist es nunmehr her, seit die Japaner den amerikanischen OEM-Partner National Advanced Systems (NAS), die Großrechnerdivision des US-Chip-Riesen National Semiconductor, mehrheitlich übernahmen.

Verhandlungen am Kaufpreis gescheitert

Comparex-Chef Rolf Brillinger hatte sich seinerzeit Hoffnung gemacht, die europäischen NAS-Aktivitäten kaufen zu können. Doch die monatelangen Verhandlungen scheiterten letztlich am Kaufpreis. Eine zusätzliche Steuerforderung von 100 Millionen Dollar, so Brillinger damals gegenüber der Presse, habe den Preis von ursprünglich 200 Millionen Dollar plötzlich auf 300 Millionen Dollar hochgeschraubt. Comparex stand mit leeren Händen und der düsteren Gewißheit da, künftig verstärkt Konkurrenz im eigenen Lager zu haben. Denn die Japaner benannten die Euro-Division von NAS wie die amerikanische Mutter in Hitachi Data Systems (HDS) um. In der Folgezeit bekundeten alle Beteiligten immer wieder, wie unglücklich diese Situation sei und daß eine Lösung gefunden werden müsse. Getan hat sich bis heute nichts. Analysten der Gartner Group sehen indes Anzeichen dafür, daß Hitachi Comparex kaufen will. Frank Sempert, neuer Geschäftsführer der Gartner Group GmbH, Berg am Ammersee: "Hitachi hat begonnen, die Rolle des Herstellers, der über Distributoren arbeitet, abzulegen. Strategie ist, die OEM-Partner zu kaufen, siehe Beispiel NAS." Fügt Erik Hargesheimer von der Management Services GmbH, Bad Homburg, hinzu: "Und Hitachi will künftig in Sachen Markennamen auch im Ausland Flagge zeigen."

Daß Bewegung in die Hitachi-Comparex-Beziehung gekommen sein könnte, wollen einige Analysten auch daraus schließen, daß sich sowohl in der obersten Hitachi-Führungsetage wie auch im BASF-Vorstand - der Ludwigshafener Chemiekonzern hält die Mehrheitsanteile an Comparex - personelle Änderungen ergeben haben. So wurde Tsutomu Kanai neuer Präsident der Hitachi Ltd., während in der BASF- Vorstandschaft nun Dietrich Kleine für die Belange der Mannheimer PCM-Tochter zuständig ist. Daß es Gespräche zwischen Hitachi und Comparex/BASF gibt, stellt Günter Wolf, Sprecher des Mannheimer PCMers, nicht in Abrede. Aber" so fügt er gleich hinzu, "Gespräche zwischen Partnern sind die Normalität, nicht die Ausnahme. Es werden sicherlich keine Verhandlungen mit dem Ziel eines Verkaufs geführt. Außerdem ist die BASFAG nicht der alleinige Anteilseigner."

Dies könnte sich indes schnell ändern. Zweiter Anteilseigner (33,5 Prozent) des PCM-Anbieters aus Mannheim ist die Siemens AG. Seit die Münchner vor anderthalb Jahren ihren DI-Bereich mit der Nixdorf Computer AG zur SNI zusammenlegten, scheint man an der Isar über das Comparex-Engagement nachzudenken. So versuchte Siemens beispielsweise, die Anteile auf die SNI zu über tragen, scheiterte jedoch mit diesem Ansinnen.

Sollten die Münchner, die zum Thema Comparex keine Stellung nehmen wollten, tatsächlich vorhaben, sich von ihren Anteilen zu trennen, so schreibt der Gesellschaftervertrag vor, daß BASF das Vorkaufsrecht hat. An dem Chemiekonzern führt demzufolge bei Verkaufsabsichten von Siemens kein Weg vorbei. Dennoch glaubt Wolf nicht, daß BASF- kämen die Ludwigshafener in den Besitz der gesamten Comparex - das Unternehmen verkaufen oder über eine Abgabe von Anteilen an Hitachi "auch nur nachdenken würde".

Daß Comparex 1989 ein Eigentor geschossen haben könnte, weil man NAS Europa trotz überzogenen Kaufpreises nicht doch erwarb, weist Wolf ebenfalls zurück. "Hätten wir uns zu diesen Konditionen auf den Deal eingelassen, wären wir heute wahrscheinlich wirklich ein Übernahmekandidat für Hitachi. Mit den Zinsen, die wir im Jahr für dieses Engagement bezahlen müßten, und durch den Preisverfall im Markt, den wir seitdem erlebt haben, wären wirleicht in der Verlustzone gelandet."

Die Japaner werden bemüht sein, das "Europa-Problem Comparex/HDS über kurz oder lang zu lösen. Eine Möglichkeit soufflierte Gerd vom Bruch, deutscher HDS-Chef, der japanischen Mutter schon im vergangenen Jahr, nämlich die gesamten europäischen Geschäfte der beiden Unternehmen unter der Flagge von Hitachi laufen zu lassen. Hält Wolf dagegen: "Comparex ist in Europa der stärkste Partner von Hitachi Ltd. Unser Name ist am Markt eingeführt. Dagegen hat sich die anfängliche Vermutung, der Name Hitachi werde sich positiv auf die Aktivitäten von HDS auswirken, nicht bestätigt."

Aus der Ruhe bringen läßt sich der Mannheimer PCM-Anbieter trotz aller Spekulationen und Prophezeiungen um seine mögliche Zukunft nicht. Wolf: "Derartige Mutmaßungen sind zwar legitim, bislang aber haben sich alle Spekulationen regelmäßig als falsch erwiesen - speziell dann, wenn sie von, Branchenauguren' stammten. Wir jedenfalls haben offensichtlich keine Probleme und operieren im Markt weiter, wie es ein Unternehmen tun muß, das auf seine Selbständigkeit Wert legt."

Unix könnte Probleme für Amdahl/Fujitsu bringen

Doch nicht nur über das Dreiergespann Hitachi/Comparex/ HDS machen sich die Marktforscher Gedanken. Auch Amdahls unternehmerische Selbständigkeit sieht zumindest Unternehmensberater Erik Hargesheimer auf Dauer in Gefahr. "Ich bin der festen Überzeugung, daß Fujitsu Amdahl langfristig gesehen übernehmen wird. "Zwei Dinge sprächen dafür. Zum einen könnten sich beide Unternehmen schon bald als direkte Konkurrenten im Markt wiederfinden, da Fujitsu die Absicht bekundet habe, sich im oberen Unix-Sektor zu etablieren. Amdahl wiederum hat bereits eine ausgereifte Unix-Version für Großrechner im Einsatz. "Zum anderen", so Hargesheimer, "muß man einfach sehen, daß Amdahl enorme Entwicklungskosten zu bewältigen hat, um auch weiterhin vorne zu bleiben. "Die Finanzkraft der Japaner hingegen sei hinreichend bekannt.

In der Tat haben die Argumente von Hargesheimer einiges für sich. Die Amdahl Corporation unterhält ihre eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung, hat sich von Anteilseigner Fujitsu (49 Prozent) zumindest im CPU-Bereich technologisch weitgehend unabhängig gemacht. Bestätigt Bernd Tillack, Direktor Marketing der Amdahl Deutschland GmbH, München: "Nur die Chips für die Rechner lassen wir noch bei Fujitsu fertigen. "Im abgelaufenen Geschäftsjahr wendete Amdahl nach eigenem Bekunden mehr als 310 Millionen Dollar für Forschung und Entwicklung auf. Dies entsprach immerhin rund 14,4 Prozent des Gesamtumsatzes von rund 2,15 Milliarden Dollar und lag - so Amdahl - weit über dein Durchschnitt der DV-Industrie.

Tatsache ist auch, daß sich Fujitsu nach dem Streit mit der IBM 1987 aus dem PCM-Geschäft zurückgezogen hat, die steckerkompatible Schiene Amdahl überließ und sich nun mit dem Mainframe-Unix-Markt ein neues Standbein schaffen will. Schon seit Mitte der 80er Jahre ist der Tokioter Computerhersteller damit beschäftigt, eine eigene Unix-Version für Großrechner zu entwickeln.

Als Basis diente dabei eine UTS-Version, die man damals von Amdahl übernahm. Mit ihren Open-Systems-Ambitionen scheinen es die Japaner vor allem auf den europäischen Markt abgesehen zu haben, wo man bislang nur als Peripherieanbieter einen Namen hat. Drei Computer-Divisions wurden auf dem Alten Kontinent bereits etabliert.

Neben Goßbritannien und Frankreich sind die Japaner auch in München vertreten. Von der Isarmetropole aus vertreibt Fujitsu seit April 1989 bundesweit proprietäre Großrechner. Zur Zeit handelt es sich dabei um die Systeme M-1800, M-780 und M-770. Ziel jedoch ist, schon zu Beginn des nächsten Jahres eine ausgereifte Mainframe-Unix-Version (UXP/M) für die M-1800-Serie auf den deutschen Markt zu bringen. Eine Konkurrenzsituation sieht Amdahls Marketing-Direktor Bernd Tillack jedoch nur bedingt. "Wir haben die Aussage von Fujitsu Deutschland, daß sie uns nicht ins Gehege kommen werden. Wenn sie den Unix-Mainframe auf den deutschen Markt bringen, wollen sie ihn als Alternative zu proprietären Mainframes plazieren. Wir hingegen bewegen uns in der IBM-Welt, bieten unsere Unix-Version UTS als sinnvolle Ergänzung zu MVS an ."

Diese "Arbeitsteilung" scheint die Computer Systems Division (CSD) von Fujitsu Deutschland tatsächlich zu beabsichtigen. Aus unternehmensnahen Kreisen verlautete dazu, die Geschäftsfelder seien strikt getrennt. Amdahl mache die plugkompatiblen Systeme, Fujitsu die proprietären. Im Unix-Bereich wiederum werde man neue Marktsegmente sprich: Nischen, suchen, um dort durch "überzeugende Applikationen in Zusammenhang mit dem Rechner sowie einem vernünftigen Preis/Leistungs-Verhältnis" Marktanteile zu gewinnen.

Erik Hargesheimer ist ebenfalls überzeugt davon, daß es im Unix-Bereich zwischen Fujitsu und Amdahl keinen Konkurrenzkampf geben wird. "Dies wird Tokio nicht zulassen. Deshalb wird Fujitsu Amdahl übernehmen, dem PCMer das klar umrissenene IBM-kompatible Arbeitsfeld vorschreiben und Amdahls Unix-Aktivitäten mit denen von ICL zusammenlegen." Dazu der Kommentar von Bernd Tillack: "Eine kühne Prognose."