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20.03.1987

Japanischer Telecom - Gigant erreicht dreifachen Marktwert von IBM:Nippon Telegraph bricht alle Börsenrekorde

20.03.1987

TOKIO (CW) - Die gerade erst eingeführte Aktie der Nippon Telegraph + Telephone Co. bricht an der Börse alle Rekorde. Schon am ersten Tag stürzten kaufwütige Anleger die Händler ins Chaos. Jetzt, einen Monat später, hat der Konzern einen Marktwert von 44 Billionen Yen (284 Milliarden Dollar) erreicht und ist das teuerste Unternehmen der Welt.

Die IBM hat bei dem Börsenrun im Handumdrehen ihren bisher unangefochtenen Spitzenplatz als bedeutendster Industrieriese der Welt verloren. Als NTT an Big Blue vorbeizog, lag der Wert der gesamten im Umlauf befindlichen IBM - Aktien bei 82 Milliarden Dollar; am 10. Februar, dem Tag des NTT - Debüts an der Tokioter Börse, schoß der Marktwert des auf dem Weg in die Privatisierung befindlichen Fernmelde - und Technologiekonzerns auf exakt das Doppelte, nämlich 164 Milliarden Dollar. Seitdem ist die Aktie unaufhaltsam auf dem Weg nach oben: Am Morgen des Eröffnungstags wurde sie mit 1,2 Millionen Yen zum offiziellen Ausgabekurs der Regierung bewertet, bei Börsenschluß mit 1,6 Millionen und einen Monat später, also am 10. März, schon mit 2,8 Millionen Yen. Damit ist die Nippon Telegraph mehr als dreimal soviel wert wie IBM.

Die internationalen Wirtschaftsfachleute sind über diese Entwicklung sehr erstaunt, denn der geschäftliche Erfolg der NTT rechtfertigt eine derart hohe Nachfrage nach den Anteilsscheinen in keiner Weise. Das Kurs / Gewinn - Verhältnis (P / E Ratio), das bei amerikanischen und europäischen Titeln im Normalfall eher bei 10 bis 20 liegt, schoß bei dem japanischen Telecom - Konglomerat auf fast 150. Damit gilt die Aktie als hoffnungslos überbewertet. Auch wenn sich NTT in der Grundlagenforschung einen Namen macht - etwa bei der Schaffung der Basistechnologie für den 16 - Megabit - DRAM - sind satte Gewinne vorerst kaum zu erwarten. Deshalb bieten sich als Erklärung nur politische und unternehmensstrategische Motive bei den Hauptaufkäufern an. Nur eines steht fest: Es handelt sich ausschließlich um japanisches Kapital, das in die NTT geflossen ist. Ausländische Beteiligungen sind nicht zugelassen.

Ein Achtel der Aktien ist mittlerweile im Umlauf. Bis 1990 sollen drei weitere Tranchen mit wiederum je zwei Millionen Aktien aus dem Staatsbesitz ausgegeben werden. Doch der Kapitalbedarf der NTT ist offenbar noch höher. Auch in Europa besorgt sie sich Geld. Anfang März hat die Deutsche Bank als Konsortialführer dem hiesigen Geldmarkt eine zehnjährige NTT - Anleihe über 300 Millionen Mark zu 6 1/8 Prozent präsentiert.