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Zehnjahresplan soll weltweite Führung in der Computertechnologie bringen:


19.06.1981 - 

Japans DV-lndustrie will Nummer eins werden

NEW YORK/N. Y. (cw) - Wenn die amerikanischen Hardware-Hersteller nicht ihre "Scheuklappen" ablegen und die US-Regierung keine Maßnahmen ergreift, um die Computerindustrie zu unterstützen, dann werden auch in diesem Bereich die Japaner Nummer eins werden. Mit diesen Worten warnte der Technologieberater des Weißen Hauses Professor Michael Dertouzos, Direktor des Computer Sciences Laboratory am Massachusetts Institute of Technology (MIT) anläßlich einer Tagung zum Thema: "Das neue Verhältnis zwischen den Elektroindustrien Amerikas und Japans".

Den Vorsitz der Sondertagung führten gemeinsam der Nobelpreisträger in Physik und IBM-Fellow Dr. Leo Esaki und Dr. Bruce Hannay, Vizepräsident für Forschung der Bell Telephone Laboratories. Beisitzer waren Dr. Hiroshi Inose, Direktor des Nationalen Computerzentrums an der Universität Tokio und wissenschaftlicher Berater der OECD in Paris, Dr. M. Uenohara, Forschungsdirektor der Nippon Electric Laboratories und William C. Hittinger, geschäftsführender Vizepräsident für Forschung und Technik bei der RCA.

Dertouzos diskutierte den von der Japan Information Processing Development Corp. (JIPDEC) entwickelten Zehnjahresplan, der Japan bis zum Jahr 1990 stufenweise das Ziel einer weltweiten Führungsposition in der computertechnologie sichern soll. Er wies in diesem Zusammenhang darauf hin, daß viele der Forschungs- und Entwicklungsprogramme im Rahmen des JlPDEC-Plans denen ähnlich sind, die früher von amerikanischen Computerwissenschaftlern am MIT und anderen Forschungszentren vorgeschlagen wurden.

Japaner eifern US-DV-lnnovationen nach

Die Japaner geben bereitwillig zu, daß sie die Planung der amerikanischen Computerforschung sorgfältig beobachten. Sie erkennen die umfassende technologische Führungsposition und die innovative Begabung der amerikanischen Computerwissenschaftler in vollem Umfang an. Andererseits werden in Japan die fortschrittlichen Konzepte zur Unterstützung des langfristigen Ziels, die Nummer Eins auf dem Gebiet der Computer zu werden, von der Regierung und der Industrie nach Kräften gefördert. Im Gegensatz zu Japan konzentrieren sich die Amerikaner mehr auf Entwicklungen, die möglichst bald Gewinn einbringen und die amerikanische Regierung ist seit langem für ihr besonderes Wohlwollen gegenüber weniger erfolgreichen Branchen bekannt.

Dertouzos erwähnte die Entwicklung des Multiprozessorsystems Illiac an der University of Illinois in den 60er Jahren als Beispiel eines fortschrittlichen Forschungsprojekts, das nur einen schlechten Nachgeschmack in der amerikanischen Fachwelt hinterließ. Demgegenüber hält er die Idee der "sensorischen Rechner" auf der Basis solcher Multiprozessorsysteme, die aus mehr als 1000 Prozessoren aufgebaut sein können, als die Idee der Zukunft für industrialisierte Gesellschaften.

Im Gegensatz dazu haben die Japaner sehr rasch die Bedeutung dieser Multiprozessorsysteme erkannt. Dr. Hiroshi Inose von der Universität Tokio stellte fest, daß der Aufbau einer umfassenden sozialen Informations-lnfrastruktur als unbedingt notwendig für das Überleben Japans in der Zukunft angesehen wird, das bekanntlich auf die Einfuhr der meisten Rohstoffe angewiesen ist und dessen Arbeitskraft den größten Aktivposten darstellt. Die Mittel zur Erreichung dieser "Informationsziele" sind Computer und die Telekommunikation. Hinzu kommt, daß die japanischen Industriezweige überaus groß und leistungsfähig sind und für eine entsprechende Hardware und die dazugehörende Software einen aufnahmefähigen Markt darstellen. Zwangsläufig wurde solchen Projekten mit ihrer Forschung, Entwicklung und Produktion ein nationaler Prioritätsstatus zuteil. Die natürliche Folge solcher Aktivitäten ist ein starkes Wachstum des ohnehin schon agressiven Außenhandels.

Japan und Amerika forschen gemeinsam

Inose betrachtet die zukünftigen amerikanisch-japanischen Beziehungen in der Elektronik gleichzeitig unter den Aspekten der Zusammenarbeit und Ergänzung sowie des Wettbewerbs. Seiner Ansicht nach stellen vor allem Sprachübersetzungssysteme besondere Möglichkeiten für gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsprogramme dar, die zu weltweiten Verbesserungen des Nachrichtenverkehrs führen könnten. Eine gegenseitige Ergänzung zwischen den beiden Ländern ist nach Ansicht von Inose vor allem auf dem Gebiet der Verteidigungstechnologie zu erwarten, wo Japan von den Vereinigten Staaten die Entwicklung und Bereitstellung der modernsten computergesteuerten elektronischen Frühwarnsysteme erwartet.

Freier Handel bleibt erhalten

Während sich alle Teilnehmer darin einig waren, daß der freie Handel zwischen Japan und den Vereinigten Staaten nicht behindert werden sollte, wurde auch anerkannt, daß ein besserer Schutz gegen unerwünschtes Abwandern technologischer Neuerungen angebracht sei, da Japan eine neue Rolle in der weltweiten Elektronik sucht und die Vereinigten Staaten die Urheberschaft an den meisten neuen Ideen haben.

(Aus Computerworld vom 25. Mai 1981, S. 79, übersetzt von Hans J. Hoelzgen, Böblingen)